Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
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"Diclofenac Doppelverordnung"

Reportnummer:
508
Aus einer Praxis wird das folgende Ereignis berichtet:

Was ist passiert?
Dauermedikation mit ASS 100 + inkonstant Voltaren Resinat übersehen bei Verordnung Diclac 75 wegen akuter HWS- Schmerzen und Cubitalarthrose.
Was war das Ergebnis?
3 Ulcera Ventriculi 5 Tage nach Zugabe von Diclac 75
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Im Patientenandrang Karteikarte nicht genügend weit zurückgescrollt.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Aktuellen Einnahmeplan immer tagaktuell durchsehen, ehe man was Neues rezeptiert.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Zeitdruck bei hohem Patientenandrang, ,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Unter Zeitdruck hat die Kollegin/der Kollege die bestehende Medikation mit Diclofenac (Voltaren res.) übersehen und nochmals Diclofenac rezeptiert. Mehr Aufmerksamkeit hilft nicht gegen "Übersehen" - schon gar nicht unter Zeitdruck. Ein elektronisches Verordnungssystem müsste hier eine Warnmeldung anzeigen (wenn alle Medikamente komplett erfasst werden). Wie kann man diesen Fehler noch vermeiden? Es hilft, wenn der Patient über seine Medikation genau Bescheid weiß - das wird sich aber nicht bei allen Patienten realisieren lassen. Oder muss man sich bei jeder Neuverordnung den bestehenden Medikationsplan vom Patienten vorlegen lassen?






Kommentare

Hilfe
27.11.2009
18:44:39
tx
Ein elektronisches Kontrollsystem kann hier kaum Alarm schlagen. Es hätte ja sein können, daß der Verordner Voltaren durch Diclo 75 ersetzen will. Das sporadisch eingenommene Voltaren könnte auch schon vor längerer Zeit verordnet worden sein, so daß die Packung theoretisch schon verbraucht sein könnte.

Eine Möglichkeit ist das Erstellen eines Schmerztherapieplans (wenn die Erstellung eines kompletten Medikamentenplans zu lange dauert) mit den maximal zwei bis drei eingesetzten Präparaten. Hier ist es wichtig, nach Schmerzmedikamenten von anderen Ärzten, nach frei gekauften Schmerzmedikamenten (Diclo 25mg ist nur apothekenpflichtig) und nach in der Familie zusammengesuchten Schmerzmedikamenten zu fragen.

Idealerweise wäre im PC immer ein aktueller Medikamentenplan incl. Bedarfsmedikation verfügbar, der sich mit wenigen Handgriffen um das Schmerzmedikament ergänzen ließe.
04.10.2009
19:03:32
Barbara L.
@ Arzthelferin: Weil sich die Nebenwirkungen von Medikamenten bei gleichzeitiger Einnahme verschiedener NSAR wie Diclo, Ibuprofen, etc nicht nur summieren, sondern sogar potenzieren können ("Wie, Sie haben schon grenzwertig viel Bier getrunken? Dann nehmen Sie mal lieber ab jetzt Wein!").

Seien Sie jetzt bitte nicht beleidigt, aber Pharmakologie und Pharmakotherapie war für mich auch nicht einfach zu lernen...

Abgesehen davon: Gerade Patienten, die ASS zur Thrombozytenaggregationshemmung sollten eher Diclo erhalten, da Ibuprofen den Effekt der Aggregationshemmung empfindlich stören kann und Novalgin ist auch nicht immer gut!

Gut, dass viele Medikamente rezeptpflichtig sind!!
03.10.2009
21:46:32
Arzthelferin
Ahso...Alo Diclo 75 bei HWS-Schmerzen...Wieso schriebt man nicht einfach Ibu 800 oder 600 auf???? Die sind schonend und helfen schnell oder Novalgin ist auch immer gut....Außerdem sollte man d. Pat. bei jeder Vorstellung fragen was er einnimmt...So ist mann eher auf d. sicheren Seite
04.09.2009
23:02:18
Christina
Bei einem der sporadischen "Nachbarschaftsdienste", die ich immer wieder mal leiste, berichtete mir ein ca. 60-jähriger Mann aus der Nachbarschaft (bisher eigentlich sehr fit und unternehmungslustig), den ich seit längerem nicht gesehen hatte, über Müdigkeit und Schwäche, Schweißausbrüche und Herzrasen. Er war kaum wiederzuerkennen, sah aus wie der lebendige Tod. Nach einigem Nachfragen erfuhr ich dann auf sehr umständlichen Wegen, daß er außer Voltaren 75mg 1-0-1 für seine Rückenschmerzen seit 3 Wochen auf Anordnung vom Hausarzt auch noch Diclofenac Tabletten nehme, da er aufgrund einer Verstauchung einen dicken Knöchel habe. Innerhalb der vergangenen zwei Wochen sei er dann so schwach geworden, daß er nicht einmal mehr die Zähne putzen könne, ohne Pause zu machen (!).
Einigermaßen schockiert empfahl ich ihm (da ich selbst nicht die HÄ bin) die sofortige Fahrt zum Hausarzt, der ihn sofort stationär einwies. Die zügig durchgeführte Magenspiegelung ergab - wer hätte das gedacht - ein hübsches, blutendes Ulkus.

Moral von der Geschicht"?? Der Patient hatte die "guten" Voltaren aus dem letzten Spanien-Urlaub mitgebracht. Es war ihm nicht aufgefallen, daß der Wirkstoff Diclofenac heißt. Auf Nachfrage beim behandelnden Hausarzt und beim Patienten stellte sich heraus, daß der HA den Patienten sehr wohl aufgefordert hatte, die Tageshöchstdosis von Diclofenac nicht zu überschreiten.
31.08.2009
11:49:49
ostschweizer
In Anlehnung an einen vielbeachteten Kommentar von Dr. Etzel Gysling in der "pharma-kritik" möchte ich daran erinnern, dass die Patienten oft keine Übersicht haben, wenn der eine Arzt ein Genericum 1, der andere (resp. das Krankenhaus) das Original und der Dritte das Genericum 2 verschreibt, N.B alles derselbe Wirkstoff, zB eben Diclofenac. Dr. Gysling beschrieb eine dialysenpflichtige Niereninsuffizienz bei einer betagten Frau.
Hier betraf die Doppelverschreibung dieselbe Praxis. Ich denke, ein elektronisches Kontrollsystem ist richtig. Aber der Patient braucht auch mehr Erklärungen zu unseren Verschreibungen, um solche Fehler ev. selbst zu merken (oder doch, bei gleicher Wirkgruppe (hier "Schmerzmittel") zu ahnen).
19.08.2009
11:31:04
xy
Meiner Meinung nach "muss" man sich immer bei jeder neuen Medikation den aktuellen Mediplan anschauen. Es empfiehlt sich auch in regelmäßigen Abständen einen Abgleich zu machen zwischen der in der Praxis dokumentierten Medikation des Patienten und der tatsächlichen Medikation. Da erlebt man dann ziemliche Überraschungen ...


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