Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
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"Thorax geröntgt?"

Fehler des Monats 10.2009


Reportnummer:
512
Dieses Ereignis wird aus einer Hausarztpraxis berichtet:
Was ist passiert?
Patient (Mitte 50) kam im Januar 2008 wegen Dyspnoe und thorakaler Beschwerden in die Praxis. Hier wurde EKG und allgemeine Untersuchung durchgeführt, da mir bekannt war, dass er stark raucht, habe ich ihn mit dem Verdacht auf AP in die Kardiologie zur Abklärung geschickt. Er ist dort untersucht worden und kam ohne path. Befund mit Kurzbericht zurück in die Praxis. Die Frage, ob er auch Thorax geröntgt worden sei, bejahte er und sagte, es sei alles in Ordnung. Im Mai 2008 kam er wieder und klagte über Abgeschlagenheit - ich dachte noch, er sieht aus als hätte er einen Tumor - habe Colo, Gastro und Blut untersucht, ihn nochmals nach Rö Thorax gefragt, der ja im Januar erfolgt war - alles ohne Befund. Dann 1/2 !!! Jahr später! kam der Brief aus dem KH mit dem kardiologischen Bericht. Ich habe nur die Kopfdiagnosen gelesen und den Brief überflogen. Der Patient kam dann das nächste Mal im Dezember 08 wegen Schulterschmerzen - Analgetika gegeben - keine ausreichende Wirkung - zum Orthopäden geschickt, nach einigen Wochen Bericht vom Orthopäden im Rö der Schulter sei eine Metastase aufgefallen. Ich habe sofort an Bronchial CA gedacht - habe den Brief der Kardiologen - bes. den Rö Befund durchgelesen und dort stand tatsächlich, dass das Bronchial CA bereits im Januar 2008 aufgefallen war. Der Pat hatte dann bei der Untersuchung einen 11 cm großen, inoperablen Bronchialtumor mit Knochenmetastasen. Bekommt jetzt Chemo und es geht so einigermaßen. Der Ausgangstumor war 2 cm groß!
Was war das Ergebnis?
Pat wird an dem Tumor sterben. Wenn er operiert worden wäre, hätte er vielleicht bessere Chance gehabt
Mögliche Gründe
Ich habe mich auf andere verlassen, hätte nochmal den Thorax röntgen lassen müssen, auf den Brief bestehen müssen und den Brief auch komplett lesen müssen
Wie hätte man das Ereignis verhindern können?
Ja! Organisation im KH muß verändert werden, was wohl schwierig ist
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Kommunikation, ,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Wieder einmal ist die Informationsübertragung zwischen verschiedenen Behandlern - hier zwischen dem Krankenhaus und dem Hausarzt - Ausgangspunkt dieses Fehlers, der zur erheblichen Verzögerung von Diagnose und Therapie eines Bronchialkarzinoms geführt hat. Eigentlich sollten die Zeiten, in denen ein ausführlicher Arztbrief sechs Monate braucht, vorbei sein. Natürlich hätte der behandelnde Kardiologe sicher stellen müssen, dass Hausarzt und Patient von diesem wichtigen Befund und dessen Abklärungsbedürftigkeit Kenntnis haben - dieser Befund muss auch in den Kopfdiagnosen stehen. Die zweite Ebene betrifft den Hausarzt, der über viele Monate durch seinen Glauben, das Röntgenbild sei unauffällig gewesen, die richtige Diagnose nicht stellen konnte.



Kommentare

Hilfe
17.10.2009
09:52:49
gitticress
Ja, es ist leider so, daß die Kommunikation in solchen Fällen an der Zeit ?? scheitert. Wir erleben es aber erfreulicherweise neuerdings immer öfter, daß der Radiologe anruft und und den Patienten sofort wieder nach telefonischer Befundbesprechung mit dem behandelnden Arzt in die Praxis schickt. Aus der Klinik bekommt man nur schleppend und viel zu spät die Berichte, das liegt am System ?? Die Ärzte sind ja dort zum Teil überfordert, Schreibkräfte fehlen u.s.w. Aber wozu hat man Telefon, Fax, E-Mail u.s.w. ??
13.10.2009
09:05:05
nasebi
Es kommt leider, und ich weiss, dass das nicht gut ist, immer wieder vor, dass Röntgenbefunde erst nach der Entlassung eines Patienten in schriftlicher Form auftauchen bzw. gelesen werden, und man dann denkt "huch, ach Du Schreck, da hätte ja was abgeklärt werden müssen". Allerdings sollte spätestens das der Punkt sein, wo dringend der Arztbrief geschrieben wird - oder eben der Hausarzt angerufen wird. Wenn denn der Befund jemandem in die Hände gefallen ist. Vielleicht lag er auch nur auf dem Aktenstapel "noch zu diktieren"... Auf jeden Fall ein Organisationsproblem im Krankenhaus!
Was stand denn im Brief zu dem Befund? Abklärung dringend empfohlen, oder in der Epikrise gar nicht erwähnt? Ich finde jedenfalls, dass die Lektüre dieses Teils schon erwartet werden kann - oder nicht? Vielleicht bin ich da auch als Noch-Krankenhaus-Ärztin naiv, was das Zeitmanagment einer Praxis betrifft?
Eine ganz andere Frage ist meiner Ansicht nach, ob ein Tumor, der im normalen Röntgenbild schon zu sehen war, überhaupt noch op-fähig gewesen wäre!
11.10.2009
14:10:17
Hausärztin
In so einem Fall wäre es wünschenswert und, ich glaube, nicht zu viel verlangt, wenn der verantwortliche Krankenhausarzt (ob nun Internist oder Radiologe) zum Telefon greift und den Hausarzt kurz anruft. Das sind ein paar Minuten sehr gut investierte Zeit, die auch den gefühlten Graben zwischen Klinik und ambulanten Bereich verkleinern können. Solche kurzen Telefonate (vielleicht sogar mit ein paar freundlichen Worten) können die Arbeitsatmosphäre erheblich verbessern.
07.10.2009
01:44:37
Huber Christ-
ian
Dies ist ein Problem welches mir numehr seit Jahren ja fast Jahrzehnten immer wieder auffällt und einem zeigt, dass man sich im Prinzip immer auf sich selbst verlassen muß. Ich hatte als Diagnose und nun bitte nicht erschrecken, es ist auch kein Schreibfehler 1979 eine Subarachnoidalzyste mit einem der ersten CTs, dann und es war 1981/82 hieß es allerdings in einem anderen Spital es handelt sich um einen Tumor jedoch ist ohne OP nicht zu sagen ob er gut oder bösartig sei geschweige den um welche Art von Tumor es sich handelt. Also wurde operiert und es war dann ein Astrozytom 1Grades - welches ich immer als Lehrbuben bezeichne. Es hat sich dann ein Rezidiv gebildet und aufgrund der Struktur dieser Tumorart ist dieser auch bis in den 3ten Ventrikel gelangt welcher allerdings nicht eröffnet wurde. Wie man merkt geht es mir immer noch gut - dieser kleine Rest ca 1,4 x 1,7 cm wächst nicht ist immer gleich und verursacht "nur" Grand mal Anfälle - die mich manchmal schon etwas strapazieren - sie nerven mich einfach - Alles andere ist Routine. Hätte ich selbst von mir aus jedoch nicht eine andere Klinik aufgesucht so hätte ich eine Subarachnoidalzyste + Epilepsie ohne direkten Herd und womöglich wer weiß es ein Astrozytom 3/4 Grades bzw. es wurde mich vielleicht gar nicht mehr geben.
Was ich sagen will ist nichts anderes als dass auch den Patienten und hier speziell jenen die nicht so wie ich eine Routine im Umgang mit Medizinern entwickelt haben die Scheu genommen werden muß - nachzuhacken und Dinge einzufordern. Die Vernetzung zwischen Spitälern/Instituten/Praxen etc. ist nicht optimal - sie existiert eigentlich nicht in der Form wie sie sein sollte - auch dies muß eingefordert werden - von beiden Seiten Arzt und Patient - Der dadurch entstehende Kosten/Nutzen Effekt sollte aber auch zu gleichen Teilen Arzt und Patienten zu gute kommen.
Denn eines ist sicher so viele Blutabnahmen/Laborbefunde - CTs MRs Röntgen die oft in Praxen/Spitälern teilweise durch persönliche Differenzen von Primarärzten untereinander oft für verschiedene Abteilungen in ein und dem selben Spital oft mehrfach gemacht werden sind ein Kostenfaktor der absolut zu vermeiden wäre.
Die zeitlichen Verzögerungen durch Stress und Überlastung die letztlich zu Lasten des zu Behandelnden gehen wären dadurch auch teilweise zu verbessern.
Und zuletzt dass allerwichtigste - Menschen und dazu zähle ich auch Ärzte(Götter in weiss) sind Menschen die wieder dazu fähig sein sollten Probleme zu besprechen-der Ort wo dies geschieht ist dabei zweitrangig!

Freundliche Grüße und noch eines - es zu wissen, dass man möglicherweise anders hätte handeln sollen ja fast müssen zeichnet Sie als Mensch und Arzt schon aus und hebt Sie von anderen ab. Hier kommt das Wort Gewissen ins Spiel.

Huber Christian
Steyr
Punzerstrasse 30/10
Österreich

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