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Aktueller Fehler des Monats



"Bei allen Oberbauchbeschwerden ein EKG?"

Reportnummer:
669
Diesen Bericht erhielten wir aus einer Praxis.
Was ist passiert?
Patientin stellt sich mit Übelkeit in der Nacht in der Mittagszeit vor. Durchfall bestehe nicht, keine Schmerzen, nun sei wieder alles in Ordnung, vielleicht das Abendessen... Abdomen unauffällig, RR 150/80, Herztöne regelmäßig, rein.
Beim Herausgehen aus dem Sprechzimmer dreht sich die Patientin noch einmal um: "Übrigens, Rückenschmerzen hatte ich auch". Die Patientin hat einen Hypertonus, jedoch keinen Diabetes, raucht nicht, keine Hypercholesterinämie, nicht übergewichtig, lediglich früher Alkoholprobleme.
Auf den Kommentar hin entscheide ich, ein EKG zu machen und identifiziere dort Zeichen eines nicht mehr akuten Herzinfarktes.
Was war das Ergebnis?
Einweisung der Patientin; ohne "zufälligen" Hinweis hätte ich keine Chance, daran zu denken.
Mögliche Gründe
Das Symptom Übelkeit und Herzinfarkt zusammenzubringen, ist für Patienten nicht naheliegend.
Wie hätte man das Ereignis verhindern können?
Jeden Patienten mit Übelkeit mit EKG untersuchen?
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Patient, Unbekannt,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig


Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Eine Konsultation aufgrund von Übelkeit und Oberbauchbeschwerden gehört zum Alltag in der hausärztlichen Praxis. Ursache für die Beschwerden kann auch ein kardiales Geschehen sein. (Bei Diabetes-Patienten ist dies hinreichend bekannt.)

Welche Faktoren veranlassen Sie, bei Oberbauchbeschwerden ein EKG zu schreiben?



Kommentare

Hilfe
03.02.2012
09:28:48
tanne115
Übelkeit und Oberbauchbeschwerden und sonst nix? Das bedeutet eine minimale Vortestwahrscheinlichkeit für einen Infarkt, somit kein Ekg. - Rückenschmerzen dabei: Vielleicht doch ein Hinterwandinfarkt möglich? Denkt man beim Ekg, wenn man es dann macht, auch an die Ableitungen V7-9?

Problem: Es gibt so viele Infarkte, dass jeder Hausarzt irgendwann auch völlig untypische Verläufe sieht. Trotzdem macht es wohl keinen Sinn, bei jedem "Bäuerchen" Ekgs zu schreiben. Der Patient trägt immer das Restrisiko....
03.02.2012
05:44:37
DocStrange
In der Klinik muss EKG Standard sein, in der Praxis koennte man wegen der geringeren Hauefigkeit und Ausstattung vielleicht Risiko-statifizieren mit Alter, Geschlecht und Risikofaktoren. Allerdings sind doch um die 50% aller Herzinfarkte in Patienten ohne Vorerkrankung und oftmals ohne (bekannte) Risikofaktoren...
Auch bleibt die Frage, wieso kommt die Patientin zum Arzt, wenn es ihr doch schon wieder besser geht und sie nur etwas "Uebelkeit" hatte - vielleicht hatte sie selbst die Sorge und das Bauchgefuehl, dass es eben doch mehr war - und lag wie so oft richtig.
02.02.2012
22:19:59
3005
Bauchbeschwerden "ohne abdominalen Befund" und ohne Durchfall == EKG
02.02.2012
19:25:04
ursulaolga
Sowas habe ich auch schon erlebt: da sagte der Patient beim Hinausgehen, als wir uns schon auf Übelkeit infolge Lösungsmittelbelastung bei seiner Arbeit geeinigt hatten: aber irgendwie habe ich gedacht, ich sterbe. Im Ekg war ein frischer Infakt und ich hatte das Gefühl, wenn ich ihm das jetzt sage, fällt er mir vor die Füße. Ich sagte ihm, dass ich ihn dringend einweisen müsse. Er bestand darauf, sich unter allen Umständen vor der Klinik noch umzuziehen, wo ich damals nichts dagegenzusetzen hatte. Er fuhr nach Hause, zog sich um , fuhr zum Kardiologen und als ihm dieser sagte, dass er einen Infarkt habe, kollabierte er. Es ist alles gut gegangen, aber es hätte auch anders ausgehen können.
In meiner damaligen Unerfahrenheit hatte ich keine Strategie, wie ich im einem solchen emotional schwierigen Menschen umgehen sollte. Damals schwor ich mir, dass ich mich auf sowas nie wieder einlasse und überlegte mir, dass ich ihn mit Valium hätte sedieren müssen und ihn dann mit Notarzt abholen lassen müssen.
Seitdem ist mir eine solche Situation nicht mehr vorgekommen, und jeder sichere Verdacht geht ohne Skrupel mit Notarzt ins Krankenhaus.
Bei Oberbauchbeschwerden ohne sicheren Druckschmerz sollte man vielleicht doch immer ein EKG schreiben.
22.11.2011
14:43:01
ich
In der Klinik galt in der Ambulanz die Regel, daß bei allen Patienten mit Bauchschmerzen ein EKG geschrieben wird. In meiner eigenen Praxis veranlasse ich dies aus Kapazitätsgründen nicht so. Hier müssten noch andere Symptome hinzukommen. Gut, dass die oben geschilderten Rückenschmerzen dem Kollegen aufgefallen sind- so etwas kann einem durch die Lappen gehen.

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