Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

Der Gastkommentar

Gastkommentar zum Fehlerbericht 450
Iris Schluckebier Medizinische Fachangestellte Gemeinschaftspraxis (Allgemeinmedizin, Phlebologie), Kamen (Nordrhein-Westfalen)

Gaspedal und Bremse

Tja, beide Pedale werden benötigt - aber gleichzeitig ist das eben sinnlos. Die Multimedikation unserer Hausarztpatienten in Schach zu halten, ist wahrlich ein Problem. Wohl dem Patienten, dessen Hausarzt sich tatsächlich beim Hausbesuch die Mühe macht, mal einen Blick in den Medikamentenschrank zu werfen. Dabei bleiben allerdings trotzdem die Patienten auf der Strecke, die keinen Hausbesuch bekommen, weil sie noch regelmäßig selber die Praxis aufsuchen können.

Einige Patienten werden in regelmäßigem Turnus durch die MFA der Praxis besucht, für z.B. Routine-Blutentnahmen, dieses wäre ebenfalls eine gute Gelegenheit, um gleichzeitig einen Abgleich der Medikamente daheim zu machen. Die MFA sollte einen aktuellen Medikationsplan ausgedruckt dabei haben, um so genauestens abgleichen zu können und anschließend dem Arzt in der Praxis Rückmeldung zu geben.

Eine Aufklärung der Patienten, damit sie selbst Mitverantwortung übernehmen können - sofern geistig noch möglich - und Rückmeldung darüber geben, was die mitbehandelnden Ärzte verordnen, wäre hilfreich. Ein weiterer unterstützender Punkt wäre die Regel, dass alle Fachärzte dem Hausarzt einen Bericht/Kurzbericht auch über ihre Therapie zukommen lassen.

Auch der Hinweis, immer dieselbe Apotheke aufzusuchen, hat einen Sicherheitsaspekt. Manche führen inzwischen eine Kundendatei, in der dem Apotheker genau aufgezeigt wird, was der Patient hier per Rezept holt und was er sich selber noch so alles dazukauft. Eine besonders beneidenswerte Information, diese Super-Info bleibt dem Arzt leider vorenthalten. In diesem Punkt wird sicherlich in Zukunft die Gesundheitskarte einen positiven Effekt haben.

Unsere Patienten bekommen regelmäßig einen aktualisierten Medikamentenplan, insbesondere, wenn der Patient schon durch einen Pflegedienst versorgt wird. Gut organisierte Pflegeteams verlangen bei einer Medikamentenneueinstellung oder -umstellung immer nach diesem neuen und aktuellen Mediplan, da sie nur das neue Einnahmeschema anwenden dürfen, wenn der geänderte Plan vorliegt. Das ist keine "Schikane" des Praxisteams und auch keine Über-Bürokratisierung, sondern ein wunderbarer Nebeneffekt von QM. Denn hier zeigen sich dann direkt Resultate, nämlich eine zusätzliche Sicherheit für den Patienten im Bereich der Therapieumsetzung.

Iris Schluckebier
Dezember 2008