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Der Gastkommentar

Gastkommentar zum Fehlerbericht 458
Prof. Dr. med. Thomas O. F. Wagner, Leiter der Abteilung Pneumologie/Allergologie am Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dieser "Fehler" erscheint mir nicht wirklich ein Fehler dieser Tragweite zu sein.

Es wäre ein Fehler, einen Husten, der länger als zwei Wochen andauert, nicht ernst zu nehmen - aber das ist ja hier nicht passiert. Unter der zulässigen Annahme eines ACE-Hemmer induzierten Hustens wurde der ACE-Hemmer abgesetzt. In der Regel klingt der Husten innerhalb von drei Wochen ab. Die Deutsche Leitlinie [PDF] schlägt hier vor, weitere Diagnostik (Röntgenuntersuchung des Thorax, ggf. weitere) dann zu veranlassen, wenn die Beschwerden vier Wochen nach Absetzen noch persistieren.

Nach den Angaben in dem Fehlerbericht war der Husten ja gebessert bzw. für die Dauer eines Jahres verschwunden, zumindest konnte der Arzt davon ausgehen, da der Patient offenbar keine Beschwerden mehr angab. Ob der Arzt explizit nachgefragt hat, geht aus dem Bericht nicht hervor. Diese Konstellation ist nicht typisch für einen durch ein Lungenkarzinom verursachten Husten. Dieser geht in aller Regel nicht wieder weg, denn die Irritation durch den Tumor wird ja eher schlimmer als geringer. Wenn einmal ausnahmsweise Husten als ein frühes Zeichen einer bronchialen Irritation durch Tumorwachstum auftritt, weil der Tumor wirklich noch lokal begrenzt ist aber durch seine "besondere" Lokalisation den Husten auslöst, dann führt dieser Husten wegen Hartnäckigkeit und vielleicht auch wegen dann schließlich auftretender Hämopthysen zu weitergehender Diagnostik. Typischer ist aber, dass der Patient einen chronischen Husten ohnehin schon wegen inhalativen Zigarettenrauchens und chronischer Bronchitis gewohnt ist, und eine geringgradige Änderung nicht ernst nimmt - oder er gehört zu der großen Zahl von Patienten, die nicht husten und bei denen durch andere Erstsymptome die Diagnose eines Lungenkarzinomes gestellt wird.

Zusammenfassend ergibt sich für mich kein ernstzunehmender Hinweis darauf, dass man in der anfänglichen Situation bei dem Verdacht auf den ACE-Hemmer-Husten hätte weitergehende Diagnostik veranlassen müssen. Auch im Rückblick erscheint mir der damalige Husten mit der ein Jahr später diagnostizierten Tumorerkrankung eher nicht zusammen zu hängen.

Prof. Dr. med. Thomas OF Wagner
März 2009