Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

Der Gastkommentar

Gastkommentar zum Fehlerbericht 505
Dr. med. Matthias Frank, niedergelassener Allgemeinmediziner in Karlsruhe

Falsche Impfung

Dieser Fehlerbericht ist interessant, da die Problematik sicherlich in vielen Arztpraxen schon Thema gewesen sein dürfte. Impfstoffe werden vertauscht, es bestehen Unsicherheiten bzgl. der richtigen Lagerung von Impfstoffen, zur Impfaufklärung, zu Indikationen für Impfungen - um nur einige Fehlerquellen zu nennen. Kaum eine Präventionsmaßnahme ist medizinisch so sinnvoll wie Impfungen. Dennoch wird in Deutschlands Arztpraxen grundsätzlich zu wenig geimpft. Vielleicht sind Unsicherheiten, mögliche Fehler und Ängste wesentlicher Grund hierfür. Diese lassen sich aber beseitigen.

Der angegebene Fehler kann vermieden werden, indem die Impfampullen entsprechend einsortiert sind. Wir haben in unserem Kühlschrank längliche Plastikbehälter, in denen immer nur ein spezieller Impfstoff einsortiert wird. Die Behälter haben unterschiedliche Farben und auf der Vorderseite ist schriftlich der Inhalt aufgeführt. Erwachsenenimpfstoffe sind in den beiden obersten Ablagen des Kühlschranks eingelagert, Kinderimpfstoffe nur (!) in der untersten Ablage. Dort finden sich auch keine Erwachsenenimpfstoffe. So kann schon beim Öffnen der Kühlschranktüre gesehen werden, wo sich welcher Impfstoff befindet. Durch das Etikett auf dem Plastikbehälter, das den Inhalt des Behälters (Name des Impfstoffs und Verfalldatum) anzeigt und durch die Farbe des Behälters ist eine eindeutige Zuordnung des Impfstoffs möglich. Eine Verwechslung mit Kinderimpfstoffen ist nicht möglich, da sich diese eben in der "Kinderimpfstoffablage" befinden.

Im Rahmen des "Aktiven Impfmanagement" überprüft meine Impfassistentin monatlich die Impfstoffe auf Haltbarkeit, die Kühlschranktemperatur und die richtige Einordnung in den jeweiligen Impfbehälter. Diese Überprüfung wird - wie im QM üblich - durch Unterschrift dokumentiert. Darüber hinaus besteht die verpflichtende Arbeitsanweisung, unmittelbar vor jeder Injektion (ob Impfung oder andere Injektionen) nochmals die Ampulle auf Richtigkeit der Dosierung, Verfalldatum etc. zu überprüfen.

Um grundsätzlich die verschiedenen Abläufe rund ums Impfen effizient zu gestalten, gilt es, klare Strukturen zu schaffen und fest definierte Aufgaben und Zuständigkeiten in der Praxis zu etablieren. Die Lösung lautet "Aktives Impfmanagement". Damit ist gemeint, dass Impfungen eine wesentliche Leistung der Arztpraxis darstellen und sorgfältig und lege artis durchgeführt werden und keinesfalls so "nebenher". Impfen ist ständiges Thema in unserer Praxis. Hierzu gehören Fortbildungen, Checklisten, Fehlervermeidung, Teambesprechungen etc. Dabei kommt der weitergebildeten Praxisassistentin eine besondere Bedeutung zu. Sie sorgt dafür, dass die Praxisabläufe rund ums Impfen effizient und patientenfreundlich ablaufen. Idealerweise werden die Praxismitarbeiterinnen zu "Impfassistentinnen" ausgebildet.

Alle meine Mitarbeiterinnen haben an einer Fortbildung (organisiert von Sanofi MSD Pasteur) zu Impfungen teilgenommen und das Zertifikat zur Impfassistentin erworben. Dieses Zertifikat wird vom "Bildungswerk für Gesundheitsberufe e.V. (BIG)" vergeben. Eine der Mitarbeiterinnen hat dann die Verantwortung für unser Impfmanagement übernommen. Dennoch problematisch sind Routineabläufe. Durch die Standardisierung entstehen Routinen, die natürlich auch Fehlermöglichkeiten beinhalten. Dem versuchen wir durch regelmäßige Fortbildungen (intern wie extern) zu begegnen. Wenn Fehler entstehen, werden diese in der Teambesprechung diskutiert und ggf. auch Änderungen im Praxisablauf festgelegt.

Dr. med. Matthias Frank
Dezember 2009