Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

Der Gastkommentar

Gastkommentar zum Fehlerbericht 529
Dr. med. Armin Wunder, Facharzt für Allgemeinmedizin, Frankfurt

Wo ist der Befund?

Der Bericht und die bereits dazu geschriebenen Kommentare zeigen deutlich die Problematik, nicht alles kontrollieren zu können. Täglich unterschreiben wir Dutzende von Patienten angeforderte Überweisungen, bei denen wir nicht mit einem Befundbericht rechnen (wie ÜW an Augen, Gyn., Derma), andererseits erhalten wir dutzende Berichte, die ausführlich Normalbefunde beschreiben.

Welche Möglichkeiten haben wir, zeitnah pathologische Befunde zu erhalten und diese auch als solche zu erkennen?

Einerseits besteht die Möglichkeit, die Kolleginnen und Kollegen, mit denen man zusammenarbeitet, darum zu bitten, bei hochpathologischen Befunden, z. B. Malignomen sofort telefonisch, per e-mail oder Fax mit der Praxis Kontakt aufzunehmen. Ein Hinweis auf der Überweisung kann daran erinnern. Andererseits ist es per EDV möglich, an Befunde, die möglicherweise einen hochpathologischen Befund enthalten mittels der "to-do" - Liste zu erinnern.

Für alle Kolleginnen und Kollegen, die noch nicht mit PC arbeiten, kann ein Erinnerungseintrag in das Bestellsystem oder ein "post-it" eine Hilfe darstellen.

Ich halte es aber auch für wichtig, die Patienten einzubinden. Hier kann es hilfreich sein, mit den Patienten, bei denen wir einen wichtigen Befund erwarten, sofort einen Folgetermin zu vereinbaren und die Patienten zu bitten, von dem Kollegen, an den überwiesen wurde, einen Kurzbefund sofort einzuholen und diesen zu dem Folgetermin mitzubringen. Im besten Fall liegen bei der Folgekonsultation dann der Kurzbefund und der ausführliche Bericht vor.

Prinzipiell hat sich das Erfassen von Befunden bei uns dadurch verbessert, dass wir auf sämtliche Werbung verzichten und somit mehr Zeit für das Lesen der Befunde haben.

Da wir keinen Pharma-Außendienst empfangen, ist die Zusendung von nicht angefordertem Infomaterial ohnehin gering - außerdem werden die Firmen, die uns unaufgefordert anschreiben, durch eine Helferin telefonisch aufgefordert, uns aus dem Verzeichnis zu nehmen - einmalige Arbeit, die aber dazu führt, dass die Menge der zu ver/bearbeitenden Informationen deutlich abnimmt und wir mehr Zeit für das Lesen der Befunde und über 85% weniger Altpapier haben.

Die Helferinnen konnten wir durch den Aspekt der Arbeitsreduktion für sie selbst und den Umweltaspekt sofort mit ins Boot holen.

Dr. med. Armin Wunder
Juli 2010