Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

Der Gastkommentar

Gastkommentar zum Fehlerbericht 634
Von Dr. med. Jörg Schelling, Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin in Martinsried (München-Land)

Oval oder rund?

Der geschilderte Fehler gehört sicherlich zu den häufigsten Problemen in der hausärztlichen Praxis.

Nach unserer Einschätzung kommt dies sicherlich bei einer großen Zahl von Wiederholungsrezepten regelmässig vor. Leider ist es in der Praxis nicht möglich den Überblick über die bestehenden Rabattverträge zu behalten und zudem noch alle Apotheken im Umkreis in die Planung miteinzubeziehen.
Wir haben uns deshalb in unserer Praxis auf folgende Vorgehensweise geeinigt: Die Patienten erhalten generell ausschließlich ein Rezept mit der Wirkstoffbezeichung (ggf. mit passender Salzverbindung wie -tartrat oder -succinat), der Wirkstoffdosis und dem Einnahmeschema. Zudem werden die Patienten darauf aufmerksam gemacht, daß sie ihre alte Medikamentenpackung oder einen Zettel mit dem aktuellen Herstellernamen mit in die Apotheke nehmen sollen.

Dennoch sind Umstellungen wie im geschilderten Fall nicht zu vermeiden und aus hausärztlicher Sicht gefährlich und überflüssig. Die politische Entscheidung zum unkontrollierbaren Wildwuchs von Rabattverträgen wird von den Hausärzten, den Apothekern und vor allem aber von den Patienten selbst ausgebadet. Auch das AMNOG mit der Möglichkeit der Erstattung ab 01.01.2011 hat nach unserer Ansicht keine spürbare Änderung in der täglichen Praxis bewirkt.

Wenn Ärzte die Verantwortung für die von ihnen verschriebenen Medikamente tragen sollen, dann müssen Sie auch Einfluß auf die genau Form der Verabreichung ausüben können. Ein einfacher Hinweis auf die Möglichkeit des "nec aut idem" geht ins Leere, da dies nicht bei jedem Rezept machbar und sinnvoll ist. Es würde zu einer Ungleichbehandlung von Patienten und zu endlosem Diskussionsbedarf führen und zudem Konsequenzen für das Budget haben!

Dr. med. Jörg Schelling
August 2011