Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
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Medikationsfehler III

Orale Antikoagulantien - z. B. Marcumar©

Orale Antikoagulantien (meist Phenprocoumon = Marcumar©) sind häufig eingesetzte Medikamente mit einem erhöhten Risiko für die Sicherheit des Patienten - der Grat zwischen unzureichender Wirkung und Blutungsrisiko ist schmal.

"Typische" Fehler aus www.jeder-fehler-zaehlt.de
  • Patienten sind nicht ausreichend über die Risiken, notwendige Vorsichtsmaßnahmen z. B. bei Eingriffen und Überwachung der Blutgerinnung informiert.
  • In der Patientenakte ist kein deutlicher Hinweis auf die Marcumartherapie (z.B. auf jeder geöffneten Seite), ein Hinweis auf die Therapie wird übersehen bzw. der Patient wird z. B. vor Eingriffen nicht ausdrücklich danach gefragt. Folge: Kontraindikationen (i. m.-Spritzen, Impfungen) bzw. Wechselwirkungsrisiken (Antiepileptika, NSARs) werden nicht beachtet oder bei einer auftretenden Blutung wird zu langsam reagiert.
  • In der Praxis wird übersehen, dass Patienten zur INR-/Quick-Kontrolle einbestellt werden müssen. Es gibt keine automatische Erinnerung an diese Laborkontrollen.
  • Der Patient missversteht die Dosis-Angabe (0 für eine ganze statt gar keine Tablette).
Tipps - aus der Praxis für die Praxis
  • Ausführliche Aufklärung im Einzelgespräch und Nachfragen, ob Informationen auch angekommen sind. Inhalt (u. a.): Nebenwirkungen; Verhalten bei Nasenbluten, Teerstuhl, Verletzungen, Zahnextraktionen; Vermeidung von i. m.-Injektionen; Verhalten bei Abweichungen (Tabletteneinnahme vergessen, Termin versäumt, Urlaub)
  • Zusätzlich Informationsblatt mit den wichtigsten Informationen zusammenstellen, mit dem Patienten durchgehen und ihm aushändigen.
  • Patient hat zwei identische Marcumar-Pässe: Einen nehmen sie mit (und haben ihn stets bei sich), einer verbleibt beim Hausarzt. Aktuelle Dosierung jederzeit abrufbar.
  • Festen Termin für Blutabnahme (INR) und Befundmitteilung vereinbaren.
  • In der Praxissoftware eine Notiz über Marcumar-Therapie eingeben, die immer beim Öffnen der Karte als Erstes aufgeht.
  • Routinemäßige Verwendung eines kleinen Fragebogens vor jedem Eingriff, der wesentliche Risiken (z. B. Antikoagulation) abfragt.
Aus der Literatur
  • Aktuelle Dosierung immer vom Patienten wiederholen lassen.
  • Ausführliche Information des Patienten zu Beginn der Therapie, bei Entlassung aus der Klinik und während der Einstellung der Therapie (NPSA. Patient briefing. Alert 28.03.2007. Making it safer for patients taking anticoagulants). D. h. auch, wenn der Patient z. B: in der Klinik auf Marcumar eingestellt wurde.
  • Die hausärztliche Leitliniengruppe Hessen hat eine Leitlinie zum Thema Antikoagulation herausgebracht, im Internet erhältlich unter [link].