Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
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"Notfall in der Praxis"

Reportnummer:
443
Aus dem Rettungsdienst wird uns folgendes Ereignis berichtet:
Was ist passiert?
Alarmierung von RTW und NEF in ländlicher Region in eine Allgemeinarztpraxis. RTW trifft als erstes Rettungsmittel mit 2 Lehrrettungsassistenten (LRA) besetzt ein. NEF Anfahrt über 20 min. Die beiden LRA finden einen Pat. mit massiver Anaphylaxie mit Glottisödem in einem Behandlungszimmer vor, sowie einen völlig nervösen jungen Arzt. Der Arzt ist dem Team von diversen gemeinsamen Einsätzen bekannt und wird als kompetent "beurteilt".
Am auffälligsten ist ein massiver inspiratorischer Stridor (schon im Flur zu hören gewesen). Der Patient zeigt nur noch ungezielte Reaktionen auf Schmerzreiz. Der Arzt hat massive Probleme eine halbwegs adäquate assistierte Beatmung durchzuführen (aufgrund der Patientenstatur). SpO² unter 80%, HF tachykard über 140, RR 90/60. RettAss übernahm sofort die Beatmung, auch dieser hatte Problem bei immer mehr anschwellendem Glottisödem. Fragestellung durch LRA: Koniotomie??
Antwort des Arztes: Kann ich nicht!
Antwort beider LRA: Aber ich!
Arzt: Dann macht es!

Koniotomie wurde durch RTW Team erfolgreich durchgeführt. Anstieg der SpO² auf 95%, bei Ankunft NA mußte Narkose eingeleitet werden.
NA fragt wer die Koniotomie durchgeführt hatte, worauf der Arzt antwortete: "Die Jungs haben meinen Arsch gerettet!!!
Was war das Ergebnis?
Das allerwichtigste: Der Patient überlebte!!
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Gutes Training der LRA und kollegiale Zusammenarbeit zwischen Arzt und den Rettungsdienstlern.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Lediglich durch Training des Arztes
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Ausbildung und Training, Ausbildung und Training,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Eine notwendige Koniotomie außerhalb der Klinik ist ja eher ein seltenes Ereignis und die wenigsten Ärzte dürften eine solche schon selbst durchgeführt haben. Hier geht es aber eher um eine gelungene kollegiale Zusammenarbeit über Berufsgrenzen hinweg.

Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
11.04.2013
01:11:59
w.weibchen
was ist denn wenn der sani keinen vernebler an bord hat?
10.06.2011
14:19:52
Auslandssani
Wie war das in 2010 in Bayern - Rettungsassistenten hafteten für die Fehlintubation des Notarztes...
Ich denke, dass Problem, liegt hier beim Beherrschen der erlernten Fähigkeiten und nicht am Berufstitel.
Der Arzt kann hier als Garant genauso wie die LRA zur Haftung hinzugezogen werden, wie in einem kürzlich gefällten Urteil Rettungsassistenten mit in die Haftung genommen wurden, wegen der mangelnden Leistung des Arztes.
Leider wird es mit zunehmenden Bildungs- und Kenntnistand der Rettungsassistenten mit der Haftung nicht einfacher.
13.01.2011
15:29:39
Anonym
Was mich darüberhinaus sehr interessieren würde(wohl aber leider nicht mehr beantwortet werden wird): War die Ursache für die Anaphylaxie bekannt? Wurde das entsprechende Agens, sofern noch möglich, entfernt? Welche Medikamente hat der Arzt schon vorher verabreicht?
Und wieso kommen zwei RettAsse, die sich beide zutrauen, eine Koniotomie notfallmäßig durchzuführen, nicht auf die Idee, weitaus weniger invasive Maßnahmen durchzuführen, wie das schon genannte Adrenalinvernebeln oder eben Adrenalin 1:100.000 i.v.(wirkt schneller, als man "Abrakadabra" sagen kann)

Die Behandlung, kurz zusammengefasst: Versuch, zu beatmen(Beutel-Maske?) - schwer bei "weiter anschwellendem Glottisödem?"(vorher hieß es, die Patientenstatur sei schuld an insuffizienter Beatmung. Wurde dabei laryngoskopiert? wenn ja, wieso ohne Narkose und Intubationsversuch?) - Frage: Koniotomie?

In Verbindung mit der etwas "heldenhaften" Berichterstattung und dem Fehlen wichtiger Details, die das therapeutische Vorgehen erklären würden, ist der Ablauf des Falls so für mich sehr unglaubwürdig!

Weiterhin: "Bei Ankunft NA musste Narkose eingeleitet werden!"
Soll das heißen, die Rettungsassistenten trauen sich, eine Koniotomie durchzuführen, sehen es aber nicht als notwendig, den Patienten vorher oder zumindestens nachher zu sedieren?

Ich glaube, dass deutschlandweit nur sehr sehr wenige Rettungsassisten eine Koniotomie "beherrschen"(bedeutet nicht: "ein paar Mal gemacht haben") und dass es sich dabei um hochgradig erfahrenes und qualifiziertes Personal handelt. Umso unwahrscheinlicher, dass der Fall sich so abgespielt hat.

Im Übrigen wäre es auch zu verurteilen, wenn der Arzt in der Situation(insofern diese hier beschrieben ist) koniotomiert hätte, ohne vorher weniger invasive Maßnahmen zu ergreifen.

Ein Vorschlag an das Homepage-team: Wieso nicht mal eine Stellungnahme eines ÄLR und eines Experten für Medizinrecht erbitten und diese dann hier veröffentlichen? Ich bin sicher, das wäre für viele hier interessant!
13.01.2011
14:38:15
NRW-Großstad-
tretter
Hallo Guy,

irgendwie erscheint mir dieses Thema sehr "brisant" zu werden.
Der RettAss darf sicherlich Maßnahmen ergreifen, die eigentlich den Arztvorbehalt, unterstellt sind. Allerdings muss er (sie) diese Maßnahme auch beherrschen. Und welcher RettAss beherrscht diese Maßnahme, der der sie geübt hat. Und an welchen Schulen wird die Koniotomie geübt. Wenn an dieser Schule eine Appendektomie am Phantom geübt wird, darf der RettAss, diese dann lebensrettend auch durchführen? Ich glaube NEIN.

Das Ausüben der Heilkunde im umfassenden Sinne ist dem Arzt vorbehalten. Hierzu bedarf es der Approbation als Arzt oder einer ärztlichen Berufserlaubnis. Die Entscheidung darüber, welche konkreten Leistungen dem Arztvorbehalt unterliegen, hat der Gesetzgeber nur in Einzelfällen ausdrücklich selbst getroffen.
Meist hat der Gesetzgeber jedoch keine ausdrückliche Entscheidung über den Arztvorbehalt getroffen. Ob eine bestimmte Leistung unter Arztvorbehalt steht, hängt in diesen Fällen nach der Rechtsprechung davon ab, ob das Erbringen einer bestimmten Leistung oder die not­wendige Beherrschung gesundheitlicher Gefährdungen ärztliche Fachkenntnisse und damit das Tätigwerden eines Arztes erfordert.

Eine Koniotomie untersteht aus meinem Sachverstand heraus dem ARZTVORBEHALT, die nicht an Nichtärzte deligierbar ist. Eine Koniotomie ist ein ärztlicher Eingriff und auf keinen Fall eine Maßnahme des RettAss.

NUR nach Ausschöpfung ALLER alternativen Möglichkeiten ist eine Koniotomie erlaubt! Und ich glaube hier wurden noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Eine Adrenalinverneblung hätte auch eine erfolgversprechende, aber weniger invasive, Maßnahme dargestellt.

Interessant wäre hier die Stellungnahme des Ärztlichen Leiters Rettungsdienst zu diesem Einsatzgeschehen. Und die Meinung des Haftpflichtversicherers der beiden RettAss.

Dieser Einsatz stellt sicherlich einige Besonderheiten dar, aber auf keinen Fall rechtferetigt dieses "positive" Beispiel die regelhafte Koniotomie durch einen RettAss !!!

mfg
NRW-Großstadtretter
11.01.2011
12:23:07
Guy
Ist ja schon etwas älter, aber ich möchte das hier doch mal wieder aufgreifen.
Die hier gerne zitierte oder herangezogene Notkompetenz ist als STELLUNGNAHME durch die BÄK rechtlich ungefähr so verbindlich ist wie eine Rolle Papier die in gefliesten Räumen zu finden ist.

Soll heißen, nur weil da nicht drin steht das der RettAss eine Koniotomie machen "darf" darf er es auch wirklich nicht.
Eine wirklich bindende Rechtsgrundlage für das Handeln von RettAss ist z.B. der §3 RettAssG in dem geschrieben steht das der RettAss "am Notfallort bis zur Übernahme der Behandlung durch den Arzt lebensrettende Massnahmen bei Notfallpatienten durchzuführen, die Transportfähigkeit solcher Patienten herzustellen, die lebenswichtigen Körperfunktionen während des Transports zum Krankenhaus zu beobachten und aufrechtzuerhalten" hat.

Im Zweifelsfall gehört da eben auch eine Koniotomie zu.

Und ja, ich weiß es gibt noch viele andere Paragraphen die da reinspielen. Aber eben nicht dieses Notkompetenz-Pamphlet.

________
Add:
Gute Leistung der beiden Rettungsassistenten!
24.08.2010
22:02:37
Chir
Okay, ich kenne nur zu gut die Situationen, wo man panikt und irgendjemand ein Stichwort in den Raum ruft (In diesem Fall kam der Vorschlag der Koniotomie vom LRA!) und man sich dann dankbar an jedem Strohhalm klammert.
Gerne werden dann von umstehenden Personal sehr dramatische Maßnahmen vorgeschlagen, weil die besser im Gedächniss bleiben.
Simple Ideen, Vorschläge zu einfachen Diagnostik etc bleiben an dieser Stelle fast immer aus, besonders von eher jüngeren Kollegen, Pflegern, Sanis whatever. Die alten Hasen haben natürlich das verinnerlicht, was ich so langsam lerne: Immer zuerst den eigenen Puls fühlen.


Dennoch hätten diese heldenhaften LRAs, nachdem sie offensichtlich in ihrer Weiterbildung so fortgeschritten waren, dass sie akute Asphyxie behandelt haben vielleicht netterweise auch den Teil der Unterichtsstunde rekapitulieren können, in der ihnen gesagt wurde, was man alles VORHER machen kann, bevor man eine Koniotomie durchführt

Wer die dann macht, ist Haarspalterei. Aber die Indikation dazu ist halt der Knackpunkt, und in diesem Fall gabs nun mal das ein oder andere, was man hätte vorher tun können, Adrenalin, Solu-Dec, Tavegil, Intubationsversuch (ich nehme mal an, es war eher allergisch als eine Epiglotitis)
Da finde ich es einen schlechten Rat, als erstes und einziges die Koniotomie vorzuschlagen.


05.02.2009
21:28:08
RA und jetzt
PJ
aus eigener Erfahrung sind diese Diskussionen in der Notfallmedizin um ´wer darf was´ sehr schwierig bis problematisch. Noch problematischer wird es, wenn man im Nachhinein diskutiert und Maßnahmen, die nicht wieder des Fachwissens sind außerhalb der Situation beurteilt. Und absolut schwierig wird es, wenn man dann noch keine Erfahrung mit dem Bereich der präklinischen Notfallmedizin hat, aber die Handlungen dennoch kommentieren möchte.
1. da amn im Nachhinein in Ruhe am PC in einem warmen Raum usw. weder dem Stress ausgesetzt ist, noch einen möglicherweise in den nächsten Minuten den Arsch zukneifenden Patienten vor sich hat, sondern nur ein Fallbeispiel.
2. die Notfallsituation ist ein plötzliches unerwartetes und unvorhergesehenes Ereignis mit unklarem Verlauf, die man zumindest zu einem Teil nur dadurch retten kann, indem man versucht soviel wie möglich (aber natürlich auch nur soweit wie nötig) in eine Richtung zu bringen, die beherrschbar ist, da man sowieso von Anfang an der Zeit hinterherläuft.
3. sollte sich jeder, der eine allzu kritische Meinung zu dem geschilderten Fall hat mal überdenken wie das Urteil aussähe, wenn es ein Angehöriger gewesen wäre, dem vermutlich (nach Ansicht eines Arztes und erfahrener RettAss) hier das Leben gerettet wurde.
4. gibt es RettAss, die über eine sehr große praktische und auch theoretische Kompetenz verfügen, die nicht unterschätzt werden darf, sondern (wie vielleicht in diesem Fall) durchaus genutzt werden sollte.
Ich habe fast zehn Jahre Erfahrung als RettAss in der Landrettung und musste doch eher regelmässig meinen rechtlich unklaren Handlungsrahmen strapazieren. Da einerseits die Eintreffzeiten eines Notarztes zuweilen deutlich länger als die vermutliche Überlebenszeit des Patienten ist und andererseits auch ab und an einfach kein Notarzt zur Verfügung steht.
Ich habe auch ähnliche Situationen erlebt, in denen sich der ärztliche Kollege nicht zu schade war meine praktische Erfahrung und Wissen zu nutzen. ...leider aber auch die Kollegen, die mit veraltetem Wissen und Überheblichkeit einer nichtärztlichen Zunft gegenüber die Situation...ich möchte sagen nicht gerade verbessert haben.
Ich möchte hier um mehr Verständnis und eine bessere Zusammenarbeit miteinander FÜR UNSEREN PATIENTEN werben. Schließlich steht das Wohl und das Überleben im Mittelpunkt unseres handelns, ob Arzt oder NichtArzt!!!

@ Allgemeinärztin
ein Pat der NOCH eine SpO2 von 80% hat nicht mehr allzuviel Zeit, da die Reserven an diesem Zeitpunkt bereits erschöpft sind.
Nicht zu vergessen die Klinik - nicht ansprechbar, Puls 140 RR 90/60 und anschwellendes Glottisödem.
Manche Rettungsassistenten besuchen gelegentlich auch ärztliche Symposien, Fortbildungen etc.
Zu guter Letzt: wie oben schon angesprochen, wenn es Ihr Mann/Kind/sonstiger Angehöriger gewesen wäre, wäre es Ihnen nicht lieber ein Rettungssanitäter oder Rettungsassistent hätte diesem das Leben gerettet auch wenn er es nicht gedurft hat??? Das mit dem `was darf oder muss ein RettAss` ist eine nicht rechtlich geklärte Sache!
Ich wäre froh wenn mein Angehöriger oder auch Patient gerettet worden ist!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
27.10.2008
09:25:24
Notärztin
Vielen Dank an dieser Stelle für den Kommentar von Notarzt vom 28.4.2008! In meinem letzten Dienst hatte ich einen Patienten mit einem massiven Glottisödem unklarer Genese zu versorgen, dem Dank der Adrenalin-Verneblung die Koniotomie erspart werden konnte!! Ohne den Tipp von hier, wäre ich sicher nicht so schnell auf diese Idee gekommen.
09.10.2008
14:54:18
Allgemeinärz-
tin
Wenn Rettungssanitäter das, was sie nicht tun dürfen, dann auch nicht tun, wird ihnen niemals ein Staatsanwalt ans Bein pinkeln. So"n Quatsch. Da könnte man ja auch von jedem Laien erwarten, dass er im Notfall eine Koniotomie macht -frei nach dem Motto: Hauptsache geholfen!
Ich möchte mal die Schule sehen, wo Rettungssanitäter das Durchführen einer Koniotomie lernen...
15.09.2008
14:43:07
Dr.xyz
Koniotomie vor einem Intubationsversuch oder wurde selbiger versucht? 0,5-1mg Adrenalin im. bewirken auch oft "wunder" und machen solche Invasiven mAßnahmen überflüsseg.

aber wenn die koniotomie nötig war und der Pat. somit gerettet wurde - Gratulation
21.08.2008
09:23:40
Micha
Gratulation an die Rettungsassistenten: sie haben dem überforderten Arzt zur Seite gestanden und aus ihrer Sicht das Notwendige getan, was sie offenbar auch korrekt beherrschten! Kompetenzüberschreitung hin oder her, wie groß wäre das Geschrei gewesen, wenn sie tatenlos zugesehen und sich auf ihre "Nichtkompetenz" berufen hätten? Dann hätte sich vielleicht ein eifriger Staatsanwalt eingeschaltet im Hinblick auf "unterlassene Hilfeleistung".
02.08.2008
18:01:32
M. Ruppert
Zur Technik der Adrenalin-Vernebelung:
Sie brauchen eine Sauerstoffflasche mit einem Druckminderer, der mindestens einen Flow von 8l/min ermöglicht (viele im hausärztlichen Bereich vorgehaltenen O2-Systeme arbeiten mit einem Fix-Flow von 4l/min). Die Verneblermasken haben eine Zerstäubungskammer zwischen Schlauch und eigentlicher Maske, in die das Adrenalin kommt. Dosierung nach Wirkung, eine Menge von 5mg (5ml der sog. "1:1000-Lösung") reicht in der Regel aus (die Menge bestimmt dabei vorallem die Zeitdauer, über die das Adrenalin verabreicht wird). Formal handelt es sich um einen "off-label-use" (individueller Heilversuch), mit der Methode besteht im anästhesiologischen Bereich große Erfahrung. Das Ausmaß der Resorption und systemischen (Neben-)wirkung (die Katecholaminwirkung im Schock kann ja durchaus erwünscht sein) unterliegt einer hohen interindividuellen Schwankungsbreite - engmaschige Puls- und Blutdrucküberwachung! Das Schöne an der Methode: bei Nebenwirkungen (z.B. bedrohlich erscheinende Tachykardie) führt die Unterbrechung der Applikation (dann reine Sauerstoffinhalation) zur raschen Normalisierung innerhalb von Minuten; Wiederholung der Therapie möglich.

Zum Fall:
Ich halte das Vorgehen des nicht-ärztlichen Rettungsdienstpersonals ebenfalls zumindest für diskussionswürdig, weil hier potentiell eine immer wieder zu beobachtender Hang zu invasiven Methoden ohne kritische Nutzen/Risiko-Abwägung vorliegt und die Frage berechtigt erscheint, ob alle konservativen Methoden hier ausgeschöpft wurden. Der Bedrohungsgrad lässt sich aus der Schilderung nicht im Detail nachvollziehen, so dass m.E. unklar bleibt, in wie weit man tatsächlich "an der Wand" stand. Ein sicheres Zeichen für einen tatsächlichen, unmittelbaren Handlungszwang wäre z.B. gegeben, wenn die Tachykardie hypoxiebedingt in eine Bradykardie umschlägt und ein brady-asystoler Herz-Kreislauf-Stillstand droht.
23.06.2008
11:08:16
Anfänger
Frage an Notarzt:
" gibt O2-Verneblermasken, Adrenalin aus der Ampulle rein, Sauerstoffflasche auf maximalen Fluss aufgedreht und dem Patient auf die Nase" -

wo genau kommt das Adrenalin dann rein? einfach in die Maske träufeln oder hat die Maske ein Resevoir dafür?
09.05.2008
08:58:45
Barbara L.
Lieber Grossstadtarzt,
in der Realität sehr oft! Wobei die Prüfungssituation vor der Kammer und die anschließende Realität zwei Paar Schuhe sind! Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir O2 auch erst jahrelang nach Praxiseröffnung (die ich nicht mehr habe) zugelegt hatte.
Im hausärztlichen Notdienst ist meiner Erfahrung nach auch nur ausnahmsweise O2 an Bord, wenn dieser mit Begleitung (ich fahre meist mit Sani) gefahren wird, da hier in der Region wegen Ärztemangels inzwischen auch Psychotherapeuten, Laborärzte, kurz, jeder, der niedergelasen ist (außer den Pathologen) herangezogen wird. Wenn ich eine Vertretung übernehme (ohne eigenen Koffer und Praxis) bin ich meist froh, wenn die internistischen Basics an darin sind.
08.05.2008
18:38:26
Grossstadtar-
zt
Danke für den Tipp mit der Verneblermaske, die werde ich mir gleich zulegen.
Liebe Barbara L., wieviele Hausärzte haben denn keinen O2? Ich hoffe das hat jeder, weil es bei fast allen Notfällen DAS Medikament ist.
Flasche geht glaube ich auf Sprechstundenbedarf, Füllung sicher nur das Füllen muss man selbst bezahlen (ca 15 Euro).

Sauerstoff muss in jeder Hausarztpraxis sein.
Wenn ich Facharztprüfungen abnehme und bei einem Herzinfarkt kein Sauerstoff gegeben wird, hat der Prüfling bei mir aber einen schweren Stand!!
03.05.2008
09:31:47
Barbara L.
Es muss nicht mal Infectokrupp sein? Wie viele Docs haben denn Sauerstoff in der Praxis (o.K. der RTW sollte schon). Und wegen Infectokrupp: Mir schwante was und ich habe mal im häuslichen Arzneischrank gekramt: da fiel mir wegen das wegen Pseudokrupptöchterlein irgendwann mal verordnete Infectokrupp entgegen, ist natürlich nicht im Kühlschrank gelagert und muss auch vorher angemischt und in den Zerstäuber gefüllt werden. Für meinen Notfallkoffer also nicht zu gebrauchen.
Anscheinend gibt es keinen Bedarf für ein leicht zu handhabendes Adrenalin-Inhalatorsystem? Die FCKW-Begründung für die Rücknahme des Medihalers in D ist doch auch vorgeschoben?
30.04.2008
17:52:52
Notarzt
Es muss wegen der Lagerung nicht mal Infectokrupp sein. Es gibt O2-Verneblermasken, Adrenalin aus der Ampulle rein, Sauerstoffflasche auf maximalen Fluss aufgedreht und dem Patient auf die Nase. Effekt: 15 Liter O2 helfen dem Patient mit einer 80%Sättigung sicherlich auch... Das vernebelte Adrenalin wirkt annähernd sofort vasokonstriktiv im Rachenbereich. Damit kann ich mir die notwendige Zeit verschaffen, weitere konservative Maßnahmen zu ergreifen bevor ich invasiv an eine Koniotomie rangehen. Übrigens, Adrenalinapullen sind auf jedem RTW, Verneblermaskenn sollten auf einem RTW sein, zumindest dann, wenn er Koniotomiebesteck dabei hat... Der Preis der Verneblermaske liegt bei etwa 5 ? deshalb denke ich, dies Notfallausstattung sollte auch zum Equipment in einer Praxis gehören, da ich auch in der Praxis immer mit dem Auftreten einer schweren Anaphylaxie rechnen muss.
30.04.2008
17:08:18
Apothekerlein
Adrenalin Medihaler ist nicht mehr im Handel wegen der FCKW-Bestimmungen. Es gibt aber mit Infectokrupp Inhal ein Ersatzpräparat, das ebenfalls Epinephrin enthält, nur in der Anwendung etwas umständlicher ist (muss im Kühlschrank aufbewahrt werden.
30.04.2008
13:04:27
Barbara L.
Ich dachte, dass der Medihaler vor mehreren Jahren vom Markt genommen wurde. Gibt es denn inzwischen eine Alternative?
30.04.2008
01:23:49
Hauptstadtch-
irurgin
Muss ebenfalls dem Notarzt zustimmen...
Da die Vitalparameter halbwegs i.O., hätte ich mich für eine kons. Maßnahme (siehe Adrenalingabe) entschieden um erst dann im Falle der Unwirksamtkeit invasiv vorgegangen...
Und man hat was zu verlieren, wenn man die Koniotomie versaut...Und da stellt sich doch die Frage, ob 80er SpO2 nicht besser wäre als z.B. akute arterielle Blutung mit allen darauffolgenden Problemen..
29.04.2008
11:28:53
Allgemeinärz-
tin
Notarzt hat es auf den Punkt gebracht. Genau der Meinung bin ich auch.
28.04.2008
18:42:35
Notarzt
Warum Koniotomie, ist auch für Lehrrettungsassistenten keine Maßnahme, die durch die Notkompetenz abgedeckt ist. Warum wurde kein Adrenalin hochdosiert vernebelt (schneller Wirkungseintritt ohne viele Nebenwirkungen, hält oftmals soweit die Atemwege frei, dass eine adäquate Ventilation möglich ist)?? Ich denke im vorliegenden Fall wurden Kompetenzen überschritten. Auch das für den Patienten positive Ergebnis sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es suboptimal gelaufen ist. Wie ist dieser Fall eigentlich weitergegangen?? Was sagt der Ärztliche Leiter RD zu diesem Vorgehen?
25.04.2008
10:04:00
Allgemeinärz-
tin
Natürlich kann man nicht zuschauen wie der Patient gerade erstickt, wenn man noch eine Handlungsoption hat -das steht außer Frage! Das soll auch nicht Gegenstand der Diskussion sein.
Diskutieren könnte man aber die Hypothese, ob eine Koniotomie in diesem Augenblick wirklich zwingend erforderlich gewesen ist. Der junge Arzt war hochgradig nervös, möglicherweise unerfahren und die Angst saß ihm im Nacken. In solch einer Situation kann man dann schnell überreagieren. Eine Sauerstoffsättigung von etwa 80% klingt ja trotz der geschilderten Dramatik noch ganz gut, so dass es wahrscheinlich kein Fehler gewesen wäre, das Eintreffen des Notarztes noch mit konservativen Maßnahmen zu überbrücken. So viel später als die Rettungsassistenten kann er ja nicht eingetroffen sein!
Es gibt nämlich leider auch immer wieder Patienten, die es dann vergessen haben, dass man ihnen helfen wollte und nur noch damit beschäftigt sind, mögliche Behandlungsfehler mit Schadenersatzforderungen einzuklagen.
24.04.2008
20:14:31
Soll, Christ-
ian
Frage an die anderen: Hätten Sie sehenden Auges und tatenlos zugeschaut, wie der Patient erstickt??? Was bitte schön hätte denn noch schlimmeres passieren können??? Die Koniotomie ist die ultima ratio gewesen, was hätten HA und RTW Besatung noch zu verlieren gehabt? Nichts! Jedoch der Patient hätte was verlieren können: Sein Leben!!!!
Notfallmedizin ist nichts wo man Zeit zum zweifeln hat, oder sich über mögliche Haftungsfolgen großartig Gedanken machen sollte! Wer das tut sollte lieber Amtsarzt werden! Das wichtigste ist, dass der Patient überlebt hat. Die LRA haben nicht dem Kollegen den A.... gerettet, sondern dem Patient das Leben!!!
23.04.2008
11:54:59
Allgemeinärz-
tin
Notärzte haben ja den Patienten nicht gerettet, sondern Rettungsassistenten -und zwar, weil die etwas konnten, was der Arzt nicht konnte! Das ist schon ein interessantes Problem.
Eine Frage wäre in diesem Zusammenhang schon diskussionswürdig und deshalb wiederhole ich sie: Wäre der Arzt in Haftung gewesen, wenn die Rettungsassistenten das "versaut" hätten?! Sie unternahmen ja den Eingriff auf seine Einwilligung hin, also hat er auch die Verantwortung.
22.04.2008
22:16:34
Grossstadtar-
zt
Wo ist der Fehler aus dem gelernt werden kann? Toll daß die Notärzte den Patienen gerettet haben, aber was lernen wir daraus?
Gehen den Betreibern der Seite die Fehlermeldungen aus??
21.04.2008
15:02:10
Allgemeinärz-
tin
Welcher niedergelassene Arzt beherrscht schon eine Koniotomie?! Ja, bei Emergency Room macht das schnell mal die Schwester von sich aus mit einem Kuli...geht ja so einfach...kriegt dann eins auf die Mütze wegen Kompetenzüberschreitung...

Schön, die Zusammenarbeit des Rettungsteams. Aber was, wenn die Koniotomie schief gelaufen wäre?? Wäre der Arzt in Haftung??

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