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"Husten unter ACE-Hemmer, oder?"

Reportnummer:
458
Dieser Bericht erreicht uns aus einer Hausarztpraxis
Was ist passiert?
Im Sommer 2007 Klagen über Reizhusten.
Da wegen Hypertonie und Diabetes Lisinopril gegeben wurde, erfolgte Umstellung auf Kinzal (Hydrochlorothiazid und Telmisartan). Danach keine Beschwerden mehr angegeben. Es folgten mehrere Kontakte im Rahmen des DMP und wegen Gelenkbeschwerden (massive Adipositas). Im August wieder Beschwerden. In der Spirographie wurde eine Obstruktion festgestellt und mit Symbicort behandelt. Vorstellung beim Pneumologen fiel aus wegen eines sehr späten Termins. Deshalb wurde von mir ein Thorax und eine CT veranlasst. Hier wurde der Tumorverdacht gestellt, der jetzt bronchoskopisch- histologisch bestätigt wurde.
Was war das Ergebnis?
Die Diagnose hätte u.U. ein Jahr früher gestellt werden konnen.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Ein dicker Diabetiker bekommt unter ACE Hemmer Reizhusten. Sagt dann lange nichts mehr, bis nach einem Jahr wieder Beschwerden geäußert werden.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Der Reizhusten vor einem Jahr hätte, weil er über Wochen ging, direkt radiologisch weiterverfolgt werden müssen.

Normalerweise gilt für mich: Jeder Husten, der länger als drei Wochen anhält, muss abgeklärt werden. Hier habe ich mich durch den ACE Hemmer ablenken lassen
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Abweichen von selbst gestellten Regeln, ,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Das Naheliegende ist nicht immer das Zutreffende - manchmal ist der Blick aber dadurch verstellt. Es scheint alles zur Diagnose "Reizhusten durch ACE-Hemmer" zu passen. Alles?
Überprüfen Sie Arbeitsdiagnosen regelmäßig? Hatte die Kollegin/der Kollege einen Anhaltspunkt, der für eine andere Genese des Hustens sprach?


Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
04.11.2008
17:39:08
Barbara L.
Sehe ich genauso, erst war die Laus und dann kam der Floh.
03.11.2008
23:14:09
OTS
Bei genauen Lesen stolpere ich über Sommer 07 und dann August.
Also 1 Jahr Beschwerdefrei, also vielleicht ACE Husten und NPL. Die Wachsen rasch. Ob bei einem Rö Bild 2007 der TU schon da war? und gesehen worden wäre? Teile den Kommentar vom Institut nicht. Sie gehören auch getröstet. sonst sehe ich es wie die Vorkommentare
28.10.2008
17:48:11
Allgemeinärz-
tin
Mal ehrlich: Klärt wirklich jeder konsequent jeden Husten ab, der länger als drei Wochen dauert?? Gerade postviraler Reizhusten kann schon mal gut sechs Wochen gehen. Und dann gleich Röntgen und CT und so?

Im vorliegenden Fall muss der Patient darüber informiert werden, dass bei Beschwerdepersistenz eine Abklärung notwendig ist. Dazu soll er sich wieder melden. Hat er das nicht getan, kann man sich nichts vorwerfen. Eigenverantwortlichkeit muss man dem Patienten schon zugestehen. Er muss zwar seine Chipkarte beim Betreten der Praxis abgeben, nicht aber seinen Verstand.
26.10.2008
22:10:34
Assistenzarzt
Der Verlauf ist natürlich bedauerlich. Ich halte es aber gerechtfertigt, auch bei Überschreitung der drei Wochen zunächst auf weitere Diagnostik zu verzichten, vorausgesetzt,
1) zeitlicher Verlauf passt zu ACE-Hemmer als Ursache,
2) Patient weiss, um die Abklärungsbedürftigkeit, falls nach Absetzen des ACE-Hemmers der Reizhusten nicht verschwindet.
3) Verlaufskontrolle (aktiv)



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