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"Entlassung zum Wochenende"

Reportnummer:
459
Bei diesem Bericht wurde der Kollege zum Ausfüllen einer Todesbescheinigung gerufen, da die Notärzte nicht die Leichenschau durchführen, sondern nur eine kurze Todesfeststellung ausstellen.


Was ist passiert?
Sonntagmittag: Ich sollte Todesbescheinigung nach erfolgloser Reanimation ausstellen. Entlassung aus Krankenhaus 2 Tagen zuvor (Freitagmittag).
Multimorbider, bettlägerige Patient, Oberschenkelamputation wegen pAVK 13 Tage zuvor, Sekundärheilung. Sei plötzlich verstorben (Ehefrau: "Ich hatte ihm wenige Minuten vorher gesagt, dass es gleich Essen gibt"). Langjähriger Diabetes mellitus, Adipositas per magna, KHK, Vorhofflimmern.
Entlassungbrief (junger Kollege, interdisziplinäre Abteilung großer Klinik): Handvollweise Tabletten, wurden in Dispenser bis Montagabend mitgegeben. Empfehlung Arztbrief: Orale Antikoagulation, bei Sturzgefahr evt. ASS. Niedermolekulares Heparin noch am Freitagmorgen verabreicht, wurde aber weder für Samstag noch weiter mitgegeben. Hausarzt erhielt Freitagmittags Bescheid, dass Patient mit häuslicher Krankenpflege und Medis übers Wochenende entlassen wurde und dass es ausreichend sei, einen Hausbesuch am Montag durchzuführen, da alle Medikamente vor Ort seien.
Pat. in Rückenlage, schaumiges Sputum, livide Gesichtsfarbe, beginnende Totenflecke am Rücken.
Was war das Ergebnis?
Wegen des Verdachts einer Lungenembolie aufgrund eines Behandlungsfehlers durch Unterlassen Hinzuziehung der Kripo, folgend Überstellung in die Rechtsmedizin, Obduktion.
Negativ: Aufregung bei den Angehörigen.
Positiv: Kein Fremdverschulden (keine weitere Auskunft an mich weder durch Rechtsmedizin noch durch Staatsanwaltschaft, da kein rechtliches Interesse des ingangsetzenden Arztes vorliegt - die Verdachtsdiagnose Lungenembolie wurde mir insofern weder bestätigt noch ausgeschlossen).
Positiv auch, da der junge Kollege und die an der folgenden Dienstbesprechung beteiligten anderen Assistenten wahrscheinlich nie wieder vergessen werden, die Antikoagulation zu organisieren.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Überlastung in der Abteilung, schnelle, nicht ausreichend vorbereitete Entlassung, fragliche und unübersichtliche Medikamentenliste (braucht jemand dieses Alters und dieser Ausprägung einer Krankheit wirklich noch einen CSE-Hemmer?), Entlassungzeitpunkt Freitagmittag.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Siehe auch oben.
Außerdem: Ist die Entlassung 13 Tage nach einer solchen Operation in einem solchen Gesundheitszustand mit einer großen klaffenden, stark sezernierenden Wunde am Oberschenkelstumpf gerechtfertigt?
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Kommunikation, Ausbildung und Training, Unbekannt
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
jährlich

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Ein weiterer Bericht zur sog. Schnittstellenproblematik, der Fall ist komplex, aber die grundsätzliche Problematik ist klar und nicht selten: Entlassung eines schwer kranken Patienten aus dem Krankenhaus zum Wochenende ohne dass die weitere (hausärztliche) Versorgung sicher gestellt wurde. Auch unser Gastkommentar ("Schnittstelle kommt von "in den Finger schneiden"?) beschäftigt sich mit diesem Thema.
Ein andererer interessanter Aspekt betrifft die vom Berichtenden veranlasste Obduktion über die Kripo. Wie sind Ihre Erfahrungen mit diesem Vorgehen?

Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
19.10.2016
20:38:44
Barbara L.
Ich möchte den Fall nochmal hochholen und zwar wegen einer Entwicklung in den letzten Jahren hier in der Region:
Vom rechtlichen Aspekt ist durch den Gastkommentar alles geklärt, auch wenn sich anscheinend einige darüber hinwegsetzen.
Die 2. Leichenschau vor der Kremierung (und das ist hier die mehrheitliche Bestattungsform), machen hier nur noch ausschließlich die Rechtmediziner. Und die halten die Leiche rigoros an.
Neulich Leiche im Notdienst, betagter Herr, 3 Wochen zuvor mehrere kardiale Stents, die anscheinend alle ganz schnell zugingen. Entlassung nach Hause auf eigenen Wunsch, inkl. SAPV. Er wollte nicht mehr. Es waren von weiterhin multiple Hämatome zu sehen (Handgelenk UND Leiste, sowie von Venenpunktionen). Ich hatte ausführlich die Epikrise geschildert, extra fest für den Rechtsmedizindurchschlag draufgedrückt, alles gut zu lesen. Unterstrichen, dass kein Tod als Op-Folge (also Todesart weder ungeklärt, noch unnatürlich), sondern die Schilderung des Eingriffs als letzter Versuch, das Leben des schwerst Koronarkranken zu retten. Trotzdem wurde die Leiche angehalten, Trauerfeier musste verschoben werden. Anruf durch den Chef der Rechtsmedizin, der erst nach diesem Gespräch zu überzeugen war, dass die Todesart natürlich.
Eine Kollegin ließ 5 gerade sein und hatte ein Ordnungswidrigkeitsverfahren am Hals. Tod 14 Tage nach Schenkelhalsfraktur darf halt nicht vom Leichenbeschauer als natürlich bezeichnet werden (konnte mit Anwalt auf eine geringe Summe reduziert werden).
08.07.2014
09:54:55
Praktikerin
Richtig (damit wollte ich nicht mehr auf den Fall eingehen, sondern auf den Kommentar meines Vorschreibers): Frau X. fühlt sich mit 91 am Tag zuvor nicht wohl. Hausärztin war noch dort, internistische Basisdaten waren Tag zuvor in Ordnung (auch Labor einschließlich CRP). Aß, trank, Miktio war in Ordnung und verstirbt am nächsten Samstagvormittag. Ich soll als Hausärztlicher Bereitschaftsdienst die Todesbescheinung einschließlich Diagnosenkaskade ausfüllen. Medikation war nur ein ACE-Hemmer und ein wenig Diuretikum.
Woran ist nun der hochbetagte Mensch verstorben?

Auch ich bin immer wieder erleichtert, wenn sich so jemand wenige Tage zuvor zum Sterben hingelegt hat und z.B. die Flüssigkeitsaufnahme eingestellt hat, in der Pflegedokumentation geschrieben wurde, dass die Vorlage bereits 12 h zuvor trocken war und ich Nierenversagen bei Exsikkose aufgrund von Altersschwäche schreiben darf. Auch wenn dies bereits einmal dazu geführt hat, dass ich einen Anruf der Rechtsmedizin erhalten hatte (machen hier im Wechsel mit den Amtsärztinnen die Leichenschau vor der Kremierung), ob hier ein Behandlungsversäumnis wegen nicht durchgeführter intravenöser Flüssigkeitssubstitution vorliegen könnte. Hier prallen dann Welten aufeinander!
Die Frage bleibt also, woran verstirbt ein Mensch und wieso sollen wir das immer klären müssen, auch wenn wir zweifelsfrei davon überzeugt sind, dass der Tod aus innerer Ursache (oft endlich!!) eingetreten ist.
29.01.2009
19:06:13
Zum Thema Obduktion:
Unser aller Dilemma ist ja, daß wir die innere Leichenschau (Obduktion) als endlich Ende des Mittelalters wieder eingeführte Methode der Qualitätssicherung unser (aller) ärztlichen Arbeit praktisch nicht (mehr) haben. Und das ist sicher in allen Bundesländern und nicht nur im ambulanten Bereich sondern auch in der Klinik so.
Eine Hilfe wäre sicher, wenn die Formulare der ärztlichen Leichenschau ein Feld hätten, in dem wir ankreuzen könnten: "Ich weiß nicht warum der Mensch gestorben ist!"
26.01.2009
21:19:08
HausarztNord
Ärzte sind gott sei Dank auch nur Menschen.

Das das Thema hier so hart diskutiert wurde, zeigt doch eigentlich nur, wie unsicher wir in solchen Situationen sind.
Auch spiegelt sich hier wieder, dass an der Arztschule in keinster Weise unterrichtet wird, wie man mit solchen oder ähnlichen Situationen umgehen könnte.

Halten Sie mal in solcher Situation inne, schauen Sie sich um, und Sie werden sehen, alle schaun einen an, und erwarten irgendwas.

Wer das Umgehen mit solchen Situationen auf der Uni oder wo auch immer beigebracht bekommen hat, wurde sicherlich nicht in Good Old Germany ausgebildet.

Mit freundlichen Grüßen
20.01.2009
17:14:45
Berichtersta-
tter
Bereits kurz nachdem ich hier von einigen Kollegen abgewatscht wurde, hatte ich angefangen, meine ?Hausaufgaben? zu machen.
Ein Teil davon führte mich mit Konfekt und Herzklopfen bepackt zu den Angehörigen. Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, so begrüßt zu werden, es war zwar nicht so wie ?Klinikarzt? annimmt, dass die Angehörigen damals in Wehklagen wegen meines Ergebnisses ausgebrochen waren, es waren lediglich Annahmen von mir. Sie konnten über die Todesursache nur sagen, dass sie angesichts der schweren Erkrankungen die Amputation nicht überlebt hatte, waren aber auch erleichtert, dass niemand schuld daran war. Auf der einen Seite war man froh darüber, dass zu Hause gestorben werden durfte, es wurden aber auch Zweifel geäußert, ob eine Entlassung angesichts der Gesamtsituation hätte sein müssen. Da die Obduktion und anschließende Freigabe relativ schnell erfolgt ist, konnte die Bestattung auch rasch erfolgen. Die von der Kollegin Allgemeinärztin vermutete psychosoziale Belastung wurde hier also weniger schlimm empfunden, wie ich es angesichts des wochenlangen Wartens auf eine Bestattung bei ?normalen? Todesfällen bei meiner Tätigkeit in einer Großstadt bei meinen Patientenangehörigen erfahren habe. Ich wurde wegen meiner Befürchtungen über ihre Sorgen richtiggehend ?getröstet?.

Die nochmalige Kontaktaufnahme mit dem Staatsanwalt (den ich auf den zeitweise ?steifen Wind? hier aufmerksam machte) erbrachte zwar keine inhaltlich neuen Aspekte, bestätigte mich jedoch in meinem Verhalten in der Vergangenheit.
Auch die Stunden, die ich in der Bibliothek verbracht hatte (und in deren Folge sich Literaturregal gefüllt hat) zeigten mir, dass ich auch in Zukunft genau so handeln werden. (Besonders empfehlenswert: Madea: Die ärztliche Leichenschau, eingeschränkt: Forster/Ropohl: Rechtsmedizin). Ich danke auch Herrn Prof. Bratzke und Herrn Dr. Bilger für die Kommentare. Zum Fachlichen ist meinerseits momentan alles gesagt, eine Schuldzuweisung oder ein Kreuzzug war hier weder geschildert, noch gedacht. Die Klärung obliegt mir als Arzt nicht.

Einige Klarstellungen: Ich war der Notdienstarzt, nicht der HA. Vom ?jungen Kollegen? weiß ich, dass er jung (unter 30) ist und inzwischen auch, dass er den Brief nicht geschrieben hat. Der Ausdruck war nicht wertend, sondern nur beschreibend gemeint, ich würde ihn niemals mit ?junger Kollege? ansprechen, das wäre abwertend, ich weiß. Das sollte man hier einfach glauben. Leider sind hier - wie in vielen Häusern ? alle überlastet, die Assistenten schlecht betreut, sogar nachts bekomme ich die Ersten Dienste meist nur an die Strippe, wenn ich mit jemandem wegen der Notwendigkeit der stationären Behandlung streiten muss (weil sich z.B. die Assistentin im Weiterbildungsjahr, die nachts die Notaufnahme schmeißen soll, mit der Entscheidung überfordert fühlt).
Es gab eine Dienstbesprechung, sie soll sehr sachlich und ohne Kreuzigung verlaufen sein.
Wie bei einem anderen Schreiber ist es hier im Bundesland genauso: In dem Moment, in dem ich ungeklärt oder sogar unnatürlich ankreuze, MUSS ich die Polizei anrufen. Hier werde ich vom Polizeiposten direkt mit der Kripo verbunden. Da die aber in der Kreisstadt ist, kommen zunächst uniformierte Polizisten (im o.g. Fall war es sogar eine Bekannte der anwesenden Enkelin). Dies war auch während meiner langjährigen Tätigkeit in einer Großstadt so, nur dass da die Uniformierten sofort da waren (dort war aber auch gelegentlich Sicherung notwendig). Auch von Vertretungen in einem weiteren BL kenne ich es nicht anders.

Auf der einen Seite bin ich froh, dass einige Teilnehmer in der damaligen Situation genauso gehandelt hätten, bin aber zutieft bestürzt über die Wertungen, Vorverurteilungen, Mutmaßungen und Annahmen, die hier über mich als anonymen Berichterstatter abgegeben wurden, und damit meine ich nicht den Komplex um die Wortwahl über den ?jungen Kollegen?. Ich meine den Eifer, die Vorwahl, das Schulterschließen der Menschenfreunde gegen einen vermeintlich ?Andersgläubigen?.
26.11.2008
07:41:01
Dr. Stefan B-
ilger (Mitgl-
ied des Prax-
isbeirats)
Da sich die Diskussion zugespitzt hat auf die Frage, ob ein Tag ohne Heparin genügen könne, eine Lungenembolie auszuösen, sei daran erinnert, dass eine Embolie auch unter Heparin auftreten kann. Es gibt keine Sicherheit, wie wir vielleicht oft wünschen.

Schwierig ist in diesem Falls besonders, das zwei unterschiedliche, jeweils für sich schon schwierige Themen, das der Leichenschau und das der Schnittstellenproblematik, zusammen kommen.

Der berichtende Kollege hat aus meiner Sicht völlig korrekt gehandelt, als er "unklarer Tod" angegeben hat. Ein Tod innerhalb einer bestimmten Frist nach einem operativen Eingriff muss nach Meinung der Rechtsmediziner zwingend so beurteilt werden (die frühzeitige Festlegung "V. a. Lungenembolie" ist allerdings falsch; dies ist nur eine der denkbaren Möglichkeiten). Ob man unter solchen Umständen zugunsten der Angehörigen therapeutische Milde walten lassen darf, um denen Aufregungen zu ersparen, ist eine Frage des Stils und der ethischen Überzeugung. Ich persönlich bezweifle sehr, ob es einer korrekten Berufsausübung entspricht und zulässig ist, hier "Schicksal zu spielen".

Was den Ärger des Klinikkollegen hervorgerufen hat, ist die Kritik am Entlassungsmanagement des Krankenhauses. Sicher sollte man hier vorsichtig mit Vorwürfen gegen "den jungen Assistenzarzt" sein. Aber die Praxis der kurzfristigen Entlassungen vor dem Wochenende, die eine ordentliche Weiterbehandlung durch den Hausarzt erschweren, ist nun mal ein Ärgernis für alle und verbesserungswürdig. Warum der Praxis nicht zwei Tage vorher mitteilen, dass eine Entlassung ansteht? Geht auch per Fax in vielen Fällen und habe ich schon oft als hilfreich erlebt.

Ich sehe es als problematisch in dieser bisherigen Diskussion, dass mit Vermutungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen argumentiert wird. Es hätte sowohl so wie anders sein können. Da (vermutlich auch durch die Rechtsmedizin) in solchen Fällen nie eindeutig festzustellen ist, welche Faktoren am Verlauf schuld sind (im konkreten Fall wissen wir ja nicht einmal definitv, ob die vermutete Lungenembolie bestätigt wurde), ist eine klare Aufgabenverteilung und Kommunikation besonders wichtig. Es ist für einen Hausarzt immer schwieig (insbesondere am Freitag-Nachmittag), einen Arzt in der Klinik zu erreichen. Hier ist anscheinend von Seiten der Klinik eine Übergabe an den ambulanten Pflegedienst vorgenommen worden (insofern hat man sich bemüht); dem verantwortlichen Hausarzt blieb aber der kritische Zustand des Patienten unklar (die Angabe, ein Besuch am Montag sei ausreichend; sowas würde ich immer hinterfragen).
18.11.2008
17:46:16
Klinikarzt
Danke für das beherzte Eingreifen, Allgemeinärztin!

Ich bin keinesfalls dafür, bei einem 93-jährigen multimorbiden Patienten im Zustand nach OP generell "Altersschwäche" als Todesursache zu bescheinigen. Viel zu oft hatte auch ich als Notarzt mit vermeintlichen "Treppenstürzen" zu tun, die sich bei näherer Betrachtung als Tötungsdelikt herausstellten(War jemand vehement hinter dem Erbe her? Wurde der Platz in der Wohnung des Großvaters gebraucht???). Und ich habe in solchen Fällen ebenfalls schon oft die Polizei eingeschaltet.
In einem Falle wie diesem jedoch erscheint es mir anders zu sein, ich würde weder den Angehörigen noch dem entlassenden Arzt hier eine Schadens- oder gar Tötungsabsicht unterstellen.
Sicherlich hat hier jeder seinen persönlichen Ermessensspielraum, ich hätte hier anders entschieden.
17.11.2008
19:33:46
Allgemeinärz-
tin
Darf ich an dieser Stelle zur allgemeinen Auflockerung einmal salopp zusammenfassen? (Gleichwohl möchte ich betonen, dass ich mir darüber bewusst bin, dass es sich um ein ernstes Thema handelt!)

Wie es scheint, existieren zwei Lager. Die einen -ich möchte sie mal die "Regelrechten" nennen -pochen unter allen Umständen auf das Einhalten der Regeln und wenn es sein muss, schicken sie auch eine 93-jährige wegen eines "ungeklärten" Todes auf den Obduktionstisch, weil man mit 93 nicht nach einer schweren OP zu versterben hat (Vielleicht hat einer heimlich, still und leise die Prothese falsch rum eingebaut?! Vielleicht war es Mord?!).
Die anderen -ich nenne sie mal die "Abweichler"- würden unter bestimmten Umständen darauf verzichten, die Regelkaskade in Gang zu setzen. Dieser Verzicht jedoch ist in den Augen der "Regelrechten" an sich schon ein krimineller Akt, weil die "Abweichler" weder befugt noch kompetent sind, den Verzicht durchzuführen. Wird dadurch doch der Nährboden für jedweden Wildwuchs bereitet, der da beginnt beim Nichteingestehen eines Behandlungsfehlers und über das Vertuschen von Schlampereien reicht bis am Ende gar das perfekte Verbrechen steht in Form eines übersehenen Mordes!

Tja.
16.11.2008
15:36:07
Klinikarzt
Noch wenige Anmerkungen.
Anonymus, Sie sehen da keine Wertung bei "junger Kollege"? Jeder sieht verschiedene Sachverhalte anders, ich bin mir sicher herauszulesen, dass für den Autor das Alter des Arztes eine Rolle spielt. Und von "Missionierung" habe ich zu keiner Sekunde gesprochen.

Dass Sie es desweiteren geschafft haben, einen guten Umgang mit den Angehörigen von Verstorbenen zu pflegen, finde ich sehr löblich und - für die heutige Zeit - sicherlich nicht selbstverständlich.
Der Autor jedoch gibt selbst an, die weiteren in Bewegung gesetzten Schritte haben negative Auswirkungen auf die Angehörigen gehabt. Somit ist dies im vorliegenden Falle von mir sicherlich ein mit Recht zu kritisierender Punkt.
Er hat den Spagat zwischen Professionalität und verständnisvollem Umgang mit den Angehörigen wohl nicht geschafft(und dies soll keine Kritik am Autor sein, Angehörige reagieren eben oftmals emotional!).
In welcher Reihenfolge jedoch genau welche Instanzen aktiviert wurden,(Sie zweifeln hier an, der Autor habe sofort die Kripo eingeschaltet, laut dessen Berichterstattung, auf die wir uns im vorliegenden Fall stützen MÜSSEN, war dem aber so!)kann niemand genau beurteilen und meines Erachtens ein zumindest kritisch anzusehender Aspekt.
Mit freundlichen Grüßen
15.11.2008
22:23:30
HausarztNord
@Allgemeinärztin

Richtig und danke!!!

Gruß HausarztNord
15.11.2008
21:40:18
Anomymus
Bezüglich des "jungen Kollegen", kann ich keine Wertung sehen, ich würde aber auch davon ausgehen, dass der Entlassungsbrief, erst recht zum Wochenende, nicht vom Abteilungsleiter verfasst wird, das wird doch eher an die Assistenten delegiert. Auch kann ich im Bericht keinerlei missionarische und schadenfrohe Anteile erkennen, wie es "Klinikarzt" vordem unterstellt hatte.

Zudem ist unklar, ob das Versäumnis der Antikoagulationsorganisation (die ich hier auch sehe) überhaupt beim Verfasser des Arztbriefes lag!

Ich bin aber bestürzt über die Freiheiten, die sich manche trotz eindeutiger Rechtslage zu nehmen wagen (und das reflexhafte Einschlagen auf die Kritisierung von Kollegen). Es besteht doch für Ärzte kein rechtsfreier Raum, in dem nach Gutdünken entschieden werden kann, was zu tun ist und dessen Größe wird auch nicht durch diese definiert! Der Berichterstatter hatte nach Kenntnis der Situation (kurzfristig nach Op, Versäumnis der adäquaten medikamentösen Therapie) keine andere Möglichkeit, als "ungeklärt" anzukreuzen ("nicht natürlich" nur, wenn er sich diesbezüglich sicher gewesen). Die weitere Klärung obliegt aber nicht dem leichenbeschauenden Arzt. In allem Bundesländern, in denen ich bisher tätig war, führt bereits das Feld "ungeklärt" zwingend zum Einschalten der Behörden, der Verfasser des Berichtes hat also wahrscheinlich nicht frohgemut die Kripo gerufen, sondern die örtliche Polizeiwache, die an das zuständige Komissariat weitergibt (dies ist hier und an meinen bisherigen Standorten so), andernfalls hätte es der Bestatter getan.
Abgesehen von der Tatsache, dass hier kein Raum für "Toleranz" ist, setzt sich der Arzt, der den Kollegen auf dem kleinen Dienstweg informiert (oder tadelt oder was auch immer), dem Verdacht aus, er habe zugunsten dieses Kollegen gehandelt und macht sich somit strafbar.

Meiner Erfahrung nach sind die Angehörigen (ich war längere Zeit auf einer unfallchirurgischen Station tätig, bei der selbstverständlich auch beim Tod einer 93-jährigen nach Duoprothese ungeklärt angekreuzt wurde und die behördliche Kaskade in Gang gesetzt wurde) durchaus an der Klärung des Todes interessiert waren. Der Weg lässt sich durchaus schonend und auch frei von Schuldzuweisungen erläutern (z.B. "da ich Ihren Mann nicht kenne und auch noch eine Operation voranging, bin ich verpflichtet, ...anzukreuzen. Normalerweise entscheidet aber die Behörden nach Aktenlage und Telefonaten...Ihr Mann verbleibt auch solange im Bestattungsinstitut").
Ich empfehle dringend eine Auffrischung rechtmedizinischer Grundsätze.

Frau Otterbach: Vielleicht könnten Sie zu diesem Thema einen Gastkommentar eines Experten erbitten?
15.11.2008
11:41:57
Klinikarzt
Ich möchte mich natürlich dafür entschuldigen, wenn ich jemanden angegriffen oder gar fälschlich beschuldigt habe!

Da in diesem Bericht jedoch eine ernste Schuldzuweisung ausgesprochen wird, die einen Mediziner wegen einer Unachtsamkeit die Approbation kosten kann(von anderen Sanktionen mal abgesehen), muss in diesem Fall "tabula rasa" gemacht werden.
Wir haben keine Möglichkeit der Kontrolle, ob der Tod wegen der nicht verordneten Antikoagulationstherapie eingetreten ist.

Was wir tun können ist, aus diesen Fehlern zu lernen. Das bedeutet für die entlassenden Ärzte, sich feste und genaue Muster anzueignen. Ob das nun Checklisten sind oder ob man sich am Tag die 10 Minuten mehr nimmt, um die Entlassungspapiere nocheinmal gründlich durchzusehen, sei mal dahingestellt. Wichtig ist das Bewusstsein zur Gründlichkeit. Und erst recht an solchen Tagen, wo es mal "drunter und drüber" geht, schleichen sich doch die gefährlichen Fehler gerade dann ein.
Für beide Parteien, Klinikärzte und Hausärzte, bedeutet dies, dass eine gegenseitige Toleranz, Akzeptanz und vor allem das Miteinander eines höheren Stellenwertes bedürfen!
Es geht nur, wenn beide am selben Strang ziehen. Und genau das kommt dann auch der Gesundheit der Patienten zugute, was, so lernt man im Studium, oberstes Gesetz sein sollte, und nicht etwa die Tatsache, dass man es noch rechtzeitig auf den Golfplatz schafft, oder freitagnachmittags pünktlich die Türe zur Privatpraxis verschließen kann!
In diesem Sinne spreche ich mich absolut für Fehlererfassungssysteme wie dieses aus und hoffe, dass viele Kollegen wenigstens ihre Arbeitsabläufe überdenken!

Mit kollegialen Grüßen
14.11.2008
20:05:05
Allgemeinärz-
tin
Da der Berichtende anonym ist, wird er es sicher verkraften, wenn ihm hier mal eine steife Brise entgegenweht.

Dennoch haben Sie natürlich Recht, Frau Otterbach.

Danke, Klinikarzt. Ich stimme mit Ihrer Meinung überein und kann auch Ihren Frust nachvollziehen (trotz dass ich als Hausärztin "auf der anderen Seite" stehe...).
14.11.2008
18:01:20
Isabelle Ott-
erbach
Wir verfolgen die lebhafte Diskussion mit Interesse und danken Ihnen allen für Ihr Engagement. Schade finden wir, dass der Berichtende zum Teil persönlich angegriffen wird und bitten um einen fairen und freundlichen Umgang miteinander! Bitte keine persönlichen Schuldzuweisungen, die weder hilfreich noch angemessen sind.
Isabelle Otterbach
für das Team von jeder-fehler-zählt
14.11.2008
17:15:57
Klinikarzt
Ich möchte neben den von Ihnen angesprochenen Punkten einen weiteren ansprechen, der mich enorm gestört hat.
Sie beschreiben den entlassenden Mediziner als "jungen Kollegen". Sie senden damit eine starke Wertung seiner Fähigkeiten, sie werten vor allem nach dessen Alter. Woher wissen sie denn, wie alt der Kollege ist/war? Woher wissen sie, dass er unerfahren ist? Dies zeugt meiner Meinung nach nicht von "kollegialem Respekt" oder "kollegialer Hochachtung"(die der "junge Kollege" ihnen jedoch sicherlich im Entlassungsbrief mitteilte).

Vielmehr "erfreuen" sie sich gar daran, dass den "Tagedieben" in der Klinik wohl für einen Moment etwas heiß wurde, weil eine Anzeige wegen Unterlassung drohte.
Ich bin mir sicher, sie haben in ihrer medizinischen Karriere noch keinen einzigen Fehler gemacht. Wie kämen sie denn sonst in die Lage, die Kriminalpolizei in einem solch lächerlichen Falle einzuschalten.

Was hätten sie denn davon gehalten, den Herrn Klinikarzt in dessen Klinik anzurufen, ihm zu berichten dass Herr x verstorben sei und dass sie einen Behandlungsfehler vermuten? Ersteinmal dessen Meinung zu diesem mit
Sicherheit tragischen Vorfall anzuhören?
Hätte dieser sich uneinsichtig gezeigt, hätten sie immernoch erwähnen können, dass sie mit dem Gedanken spielen, die Kripo oder von mir aus auch Interpol einzuschalten, ich bin mir sicher, der Effekt bei ihm und dessen Kollegen wäre der selbe gewesen wie die Überstellung des Patienten in die Gerichtsmedizin, das Auseinandernehmen(ich spreche im Jargon des kleinen Mannes, denn so muss es der Familie des Menschen vorgekommen sein) des Leichnams und das verzögerte Begräbnis mitsamt einer Befragung der Angehörigen durch die Behörden.
Mir kommt es so vor, als seinen sie auf ihrem privaten Kreuzzug gegen diese jungen Klinikärzte("Positiv auch, da der junge Kollege und die an der folgenden Dienstbesprechung beteiligten anderen Assistenten wahrscheinlich nie wieder vergessen werden, die Antikoagulation zu organisieren.")

Und wegen genau solche Vorfälle, liebe/r Frau/Herr Berichterstatter/in, genießen Hausärzte bei uns in der Klinik ein bescheidenes Ansehen.

Guten Tag!
14.11.2008
10:27:53
Allgemeinärz-
tin
Korrektur (da hatte sich ein Wort zuviel eingeschlichen):
Ungeklärt heißt, dass man es nicht erklären kann.

Ungeklärt ist ein Tod, wenn zum Beispiel ein völlig gesunder, junger Mensch tot aufgefunden wird. Bei einem schwerstkranken Menschen einen ungeklärten Tod anzukreuzen, geht eigentlich gar nicht...
14.11.2008
10:09:48
Allgemeinärz-
tin
"Richtig, das kann nur der Rechtsmediziner, und genau dafür sind die auch da (u.a.)."

Er kann es eben nicht! Kein Rechtsmediziner auf der Welt kann sich in diesem konkreten Fall festlegen, ob der Tod durch das fehlende NMH eingetreten ist oder nicht.
Es war ein sogenannter "schicksalhafter Verlauf" und um das herauszufinden, braucht es keinen Rechtsmediziner. Soviel Wissen über Medizin und Rechtsmedizin hat man.
Und "aus den Fingern saugen" muss man sich im vorliegenden Fall die Todesursache wahrlich nicht.


"Es musste "ungeklärt" sein, er konnte es nicht klären."

Ungeklärt heißt nicht, dass man es nicht erklären kann! Ein ungeklärter Tod ist ein Tod, der weder durch Anamnese noch durch Leichenschau begründet werden kann.

Sie müssten "nicht natürlicher Tod" ankreuzen. Das sollte bei Verdacht auf Fremdverschulden oder auch bei vorliegender Spätfolge nach Behandlungen gemacht werden.
Sollte!
Ich bin im konkreten Fall anderer Meinung (und das betrifft ausschließlich den konkret vorliegenden Fall!): Um der Familie die psychosoziale Belastung in Verbindung mit polizeilicher Ermittlung und Obduktion zu ersparen, hätte ich davon abgesehen. Hier sollte man eher mit Vernunft, Augenmaß und Mitgefühl reagieren als das sture Einhalten von Regeln zu praktizieren. Regeln, die am Ende nichts bringen - es ist ja auch folgerichtig im Sande verlaufen.


"Ich möchte mal bezweifeln, dass Anhänger einer ungesunden Lebensweise eine grundsätzlich Selbsttötungsabsicht haben."

Ich bezweifle das auch.


"Man sollte sich auch klarmachen, wie die eigene Haltung wäre, würde es sich um die Lieblingstante o.ä. handeln und der Verdacht auf einen Behandlungfehler läge vor."

Wenn es sich bei dem konkret vorliegenden Fall um meine Lieblingstante gehandelt hätte, wäre meine Entscheidung auch nicht anders gewesen.



13.11.2008
13:03:29
Barbara L.
Samstag nicht erhalten und Sonntag morgens auch nicht. Die übliche Verabreichung war bei uns auf der Chirurgischen morgens, zuletzt also vor mehr als 48 Stunden erhalten.

"Und nun machen Sie mir doch einmal einen Vorschlag, Frau Barbara L., wie man bei solch einem multimorbiden Patienten nachweisen will, dass der Tod genau aufgrund dieses Tages ohne NMH eingetreten ist."
Richtig, das kann nur der Rechtsmediziner, und genau dafür sind die auch da (u.a.).


"Und dann sagen Sie mir noch, wer wen warum mit welchem Ergebnis verklagen sollte. Denn das soll ja Ihrer Meinung nach alles mit der Anzeige angestoßen werden."
Der die Leichenschau durchführende Doc stellt ja keine Strafanzeige, das macht evt. der Staatsanwalt, der aufgrund der Aktenlage entscheiden muss, ob überhaupt eine Obduktion durchgeführt wird (ist ja zunehmend auch eine Kostenfrage zumindest bei uns in der Gegend.

"Wem ist am Ende mit dem Schwingen der ethischen Keule geholfen?"
Mit Verlaub, wenn dies die Grundlage einer Entscheidung ist, dürfte in einer Vielzahl nicht zivilrechtlicher Auseinandersetzungen kein Verfahren eingeleitet werden. Nicht nur bei Tötungsdelikten, auch bei Körperverletzungen, u.a. Geschehen ist geschehen, oder was?

"Die wirklich wichtigen Entscheidungen hat in diesem konkreten Fall nicht der Aussteller des Totenscheins getroffen, sondern andere:
Gott?
Schicksal?
Oder vielleicht sogar der Patient selbst? (Adipositas per magna...Lebensweise)..."
Ich möchte mal bezweifeln, dass Anhänger einer ungesunden Lebensweise eine grundsätzlich Selbsttötungsabsicht haben. Als schicksalhaft hat es sich wohl herausgestellt, wenn ich denbericht richtig versehe (kein Fremdverschulden).
Und der die Leichenschau durchführende Arzt hat keine Entscheidungen zu treffen über Schuld oder Unschuld, das ist Sache der Juristen!

Der Doc hat meines Erachtens richtig gehandelt, falsch wäre gewesen, "natürlich" anzukreuzen und sich dafür eine Todesursache aus den Fingern zu saugen. Es musste "ungeklärt" sein, er konnte es nicht klären.

Man sollte sich auch klarmachen, wie die eigene Haltung wäre, würde es sich um die Lieblingstante o.ä. handeln und der Verdacht auf einen Behandlungfehler läge vor.

Ich echauffiere mich deshalb auch, bin ich wegen meiner Tätigkeit (ausschließlich Notdienste; in 2008 bisher 27 Leichenschauen durchgeführt) gelegenlich auch in der Zwickmühle, da die wenigsten hier im Hospiz versterben. Gerade im Zeitalter der DRGs erlebe ich, dass Patienten sehr früh nach einer Operation nach Hause wurden, oft in unsägliche Zustände entlassen werden, mit Komplikationen, die m.E. durch wenige Tage länger andauernde KH-Behandlung vermeidbar gewesen wären (Wundheilungsstörungen, Immobilisierung durch häusliches Umfeld nach vorheriger erfolgreicher Mobilisation, Komplikationen einer Antibiose,etc.). Gottseidank treffe ich diese Patienten meist lebend an.
13.11.2008
09:24:48
Am Freitag vor der Entlassung hatte er noch NMH bekommen, am Sonntag Mittag war er tot. Das ist bei mir 1 Tag ohne NMH.

Und nun machen Sie mir doch einmal einen Vorschlag, Frau Barbara L., wie man bei solch einem multimorbiden Patienten nachweisen will, dass der Tod genau aufgrund dieses Tages ohne NMH eingetreten ist. Und dann sagen Sie mir noch, wer wen warum mit welchem Ergebnis verklagen sollte. Denn das soll ja Ihrer Meinung nach alles mit der Anzeige angestoßen werden.

Wem ist am Ende mit dem Schwingen der ethischen Keule geholfen?

Die wirklich wichtigen Entscheidungen hat in diesem konkreten Fall nicht der Aussteller des Totenscheins getroffen, sondern andere:
Gott?
Schicksal?
Oder vielleicht sogar der Patient selbst? (Adipositas per magna...Lebensweise)...

Für Kollegoid und Gefäßwrack entschuldige ich mich. Aber ich war halt wütend, als ich das lesen musste.
12.11.2008
12:24:15
Barbara L.
Vielleicht sollte Allgemeinärztin bezüglich ihrer Wortwahl auch nicht die Kirche ums Dorf tragen ("Gefäßwrack", "Kollegoid"), insbesondere über das Krähen-die-Augen-heraushacken-Stadium sollten wir hinwegsein.

Zum Fall @Allgemeinärztin:
- Sie können am Bett eines unbekannten Patienten mit entsprechender Symtomatik entscheiden, dass KEIN Behandlungsfehler vorliegt und der Ehefrau erklären, dass jeder halt mal sterben muss?
- Sie sind sich nicht sicher, aber entscheiden aus dem Bauch raus, dass angesichts eines multimorbiden Patienten dessen evt. vermeidbarer Tod zum jetzigen Zeitpunkt nicht so relevant wäre (wie bei wem sonst)?
- Sie wissen, welcher Lebenswille beim multimorbiden Patienten vorliegt?
- Sie sehen es als Ihre Aufgabe an, über medizinische, rechtliche und ethische Aspekte mal eben zu entscheiden?
- Sie sind sich sicher, dass sie sich mit fehlender Antikoagulation und deren Konsequenzen auskennen (abgesehen davon waren es laut Schilderung 2 Tage ohne NMH)?

Beim obigen Fall sehe ich das zwingende Ankreuzens des Kästchens "ungeklärt" oder sogar "unnatürlich" aus zwei Aspekten: Die Amputation ist gerademal 2 Wochen her (Tod als möglicher Folge einer Operation; was die klassische Falldarstellung im Rechtsmedizinkurs ist) und der aus dem Arztbrief, Anamnese und Befund herzuleitenden möglichen Lungenembolie.
Wenn nur eine 41-jährige Pat. mit Osteosynthese des Sprunggelenks oder ein 51-jähriger nach Op einer Baker-Zyste oder ein 71-jähriger nach Vorfußamputation in Zukunft diese Abteilung verläßt und aufgrund dieses Vorfalls keine LE bekommt ist schon was erreicht.
11.11.2008
14:17:02
Allgemeinärz-
tin
Man stelle sich mal die Situation vor: Der Patient schwerstkrank! Gefäßwrack! Hohes Sterberisiko. Und dann holt der Kollegoid die Kripo wegen eines vermuteten Behandlungsfehlers --- = 1 Tag ohne Clexane!!!! Da kann ich nur sagen: Was sollte damit erreicht werden?! Er hätte auch den jungen Kollegen in der Klinik anrufen können. Man muss doch mal die Kirche im Dorf lassen.
Und anstatt die Verwandten mit einer Obduktion verrückt zu machen, hätte er ihnen erklären sollen, wie schwer krank der Patient eigentlich war und dass der Tod keinesfalls "plötzlich und unerwartet" kam!

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