Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
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"Dringlicher Hausbesuch"

Veröffentlicht/Dokumente:   praxisnah  

Reportnummer:
480
Dieses Ereignis wird von einer Medizinischen Fachangestellten (MFA) berichtet:
Was ist passiert?
Ein Patient Mitte 40 stellte sich mit Fieber und Erkältungssymptomen in der Akutsprechstunde vor und wurde vom diensthabenden Arzt untersucht. Diagnose: grippaler Infekt. Der Patient wurde arbeitsunfähig geschrieben und es wurde Paracetamol und Bronchicum Tropfen verordnet. Am nächsten Tag rief die Ehefrau des Patienten an und bat um einen Hausbesuch. Ihrem Mann gehe es zunehmend schlechter und er würde bestimmt sterben, das Fieber sei auch nicht besser geworden. Ich stellte das Telefongespräch weiter zum behandelnden Arzt. Der entschied, dass ein Hausbesuch nicht erforderlich sei, da er den Patienten am Vortag erst gesehen und hielt die Reaktion der Ehefrau für völlig überzogen. Trotz mehrerer Anrufe und Bitten von Seiten der Ehefrau war der Arzt zu keinem Besuch zu bewegen, im Gegenteil, er wurde sogar richtig sauer. Meine Kollegin, eine sehr erfahrene MFA, thematisierte diesen Fall in der Teambesprechung am folgenden Tag, da sie den Eindruck hatte, dass es besser wäre, wenn doch jemand nach dem Patienten sehen würde. Der Kollege des zuvor behandelnden Arztes führte noch am selben Tag einen Hausbesuch durch. Er fand einen hochfieberhaften Patienten vor mit einer schweren beidseitigen Lungenentzündung.
Was war das Ergebnis?
Stationäre Einweisung. Nach Genesung und Entlassung teilte uns die Familie des Patienten mit, dass sich von ihnen keiner mehr bei uns behandeln lassen würde.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Völlige Fehleinschätzung des Arztes, sowohl was den Krankheitszustand des Patienten angeht als auch was die Telefonate der Ehefrau angeht.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Ja. Einfach mal hinfahren, auch dann wenn man glaubt, es ist nichts ernstes.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Kommunikation, Angespannte Arbeitssituation, Unbekannt
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Ein Bericht, bei dem offenbar die Dringlichkeit eines Hausbesuchs vom Arzt unterschätzt wurde, obwohl Angehörige und MFA den Hausbesuch als dringlich erachteten.

Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
12.11.2009
20:24:47
Hausarzt HW
Ich bin heute beim Surfen auf den Gastkommentar zum Fehlerbericht 480 gestoßen. Ich habe dann den Original-Fehlerbericht und die Kommentare dazu gelesen. Seit dem 19.2.09 gibt es leider rund 20 Kommentare, die sich nicht mit dem Fehler und dessen Vermeidung beschäftigen. Erst am 19.3.09 wird dies von "Patient" reklamiert, aber in der Folge nicht weiter von den Kommentatoren beachtet. Der letzte Kommentar vom 31.5.09 hebt sich da wohltuend ab.

Ist das Abschweifen vom Thema nicht auch ein diskussionswürdiger Fehler?

Und um noch etwas zum eigentlichen Fehlerbericht beizutragen:
Auch ich frage mich häufig, ob ein angeforderter HB tatsächlich erforderlich ist. Aber im Zweifelsfall fahre ich hin, denn "im Zweifel für den Patienten".
31.05.2009
10:58:24
amateur
warum wurde denn nicht der notarzt gerufen? das wäre doch die einfachste lösung gewesen, bzw. war es sogar notwendig! ich verstehe die patienten nicht.
27.03.2009
17:59:28
Medizinstude-
nt
@patientIII:
Es wird jetzt immer lächerlicher. Um es mal konkret auszudrücken: Keiner hier interessiert sich für irgendwelche bösen Bemerkungen oder schlechte Witze, die ein Arzt mal gemacht hat. Dass Sie glauben, zum Schluss eine solche absolut wertfreie Anekdote anzufügen, zeigt, dass Sie den Sinn dieses Portals einfach nicht verstanden haben.
Man soll hier Systemfehler erkennen, besprechen und versuchen, diese in Zukunft zu verhindern.
Es geht hier nicht um Patienten, die sich der gerade aktuellen Diskussion um Dr. Maßlos anschließen wollen bzw. (wohl aus Neid?) hier mal Luft ablassen wollen, weil sich der Hausarzt schon wieder daneben benommen hat.
Das interessiert hier einfach nicht!
Übrigens, was Ihr Status als Kassenpatient mit Ihrer oder meiner Aussage zu tun hat, kann ich nicht nachvollziehen!
Ich bitte Sie dringendst, sich über den Sinn dieses Forums zu informieren!
25.03.2009
17:21:22
Allgemeinärz-
tin
@ Patient III

Wie kommen Sie eigentlich zu dieser Seite? Neugierig, was Ärzte so für Fehler machen?? Oder was wollen Sie hier lernen?

25.03.2009
16:47:56
Patient III
@Medizinstudent
Nicht weil ich unbedingt das letzte Wort haben möchte, aber als Kassenpatient kann ich Ihre Antwort so nicht stehen lassen.

Der Vergleich der Arbeit eines Dr. med. und dessen Bezahlung mit der Arbeit eines Handwerkers kommt doch nicht von mir. Dass der Dr. med. mit Personen (Menschen) und der KFZ-Mechaniker mit Sachen zu tun hat, das weiss ich.

Noch kurz ein Beispiel:
Nach dem Lesen des Beipackzettels für von einem FA verordnete Tabletten habe ich mich entschlossen, diese nicht zu nehmen und dies dem FA gesagt, worauf dieser meinte, ein Autokauf kann auch schwere Nebenwirkungen, ja sogar tödliche haben..... (Lächerlich??!??)

Alles klar.
22.03.2009
09:15:54
Medizinstude-
nt
Bei allem Respekt PatientIII, Sie selbst sagen, Sie können die Vergleiche zu anderen Berufen bzgl Bezahlung nicht mehr hören, jedoch bzgl der Haftung und der Garantie vergleichen sie Ärzte mit Mechanikern, Menschen mit Autos! Sie machen sich doch lächerlich!
Die Krone ist dann Ihre Milchmädchenrechnung, die so vorne und hinten nicht stimmen kann, aus bereits geschrieben Gründen.
21.03.2009
21:55:43
Barbata L.
@ Patient III: Ihre Rechnung könnte stimmen, wenn denn ein jeder der 9 Patienten nur 1x/Quartal da wäre und selbst dann ist der Einwand meiner Vorschreiberin zu berücksichtigen.
Präventionsleistungen und Impfungen sind bezüglich des Aufwandes ausgesprochen schlecht honoriert (wenn ich mal so an die letzte ASU denke...) und es gibt auch ausgesprochen viele Ärzte, die nur sehr zurückhaltend IGeLn.

Und nein, erfolgsabhängig sind die Honorare gottseidank noch nicht.

Zur Trennung: Es werden auch Ehen geschieden, obwohl das seeehr viel teurer ist als das zusammenbleiben.
21.03.2009
19:34:53
Allgemeinärz-
tin
@ Patient III

Ich will jetzt nicht das missliche Abrechnungssystem mit Pauschalen, Regelleistungsvolumen und Budget erklären (das verstehen nicht mal die, die sich das ausgedacht haben), aber Sie können davon ausgehen, dass der Arzt mit Sicherheit nicht für jeden Patienten, der in seiner Praxis aufkreuzt, am Ende etwas bezahlt kriegt. Also Ihre Rechnung mit dem Durchschleusen und dem Stundensatz funktioniert nicht. Und in der Gegend, wo ich praktiziere, kommt maximal ein Privatversicherter pro Woche, da kann man richtig reich werden!! Was den Rest betrifft, da verweise ich auf den Kommentar von "Medizinstudent".
21.03.2009
19:12:28
Patient III
Ich kann das Dilemma nicht nachvollziehen:

Die ständigen Vergleiche, was eine Waschmaschinenreparatur, ein Frisörbesuch oder kürzlich habe ich im Wartezimmer eines Facharztes auf einem Infoblatt bezüglich der neuen Pauschalen die Frage gelesen, was man für die dem Arzt vergütete Pauschale pro Vierteljahr und Patient in einer KFZ-Werkstatt bekommt (?) .... ich kanns nicht mehr lesen und hören.

Zum Zeitvertreib hab ich dann die Patienten gezählt. die während der 15 Minuten Wartezeit beim Arzt durchgeschleust wurden:
ganze 9 Personen. Die Stunde hat 60 Minuten, nun rechnen wir mal den Stundensatz aus....

Der Mechaniker muss für seine Arbeit garantieren und evtl. dann kostenlos nachbessern. Und der Arzt? Von den vielen zusätzlichen Einnahmequellen der Ärzte spricht keiner, wurde in der Sendung "Hart aber fair" auch nur kurz gestreift - Prävention, Impfungen, IGEL-Leistungen und und und natürlich auch die Privatpatienten.

Und dass bei einer noch besseren Bezahlung die Ärzte nicht auch einmal nachts raus müssen und dann ausgeschlafener in die Praxis kommen und sich dann für den Patienten mehr Zeit nehmen würden, wie soll das denn gehen? Der Tag hat für uns alle gleich viele Stunden. Die Lösung wäre die Einrichtung extra dafür zuständiger Einsatzzentralen bzw. MVZ, aber diese will auch keiner. Gemeinschaftspraxen werden von Hausärzten kaum gegründet, sondern man trennt sich wieder und jeder hat seine eigene Praxis - so zumindest bei uns am Ort letztes Jahr geschehen. Das würde doch keiner machen, wenn nichts zu verdienen ist.

21.03.2009
18:38:17
Medizinstude-
nt
@auch nen patient:
Ich glaube, Sie haben diesen Beitrag missverstanden.
Wie ich das lese, will die Allgemeinärztin sich nicht über diese Notdienste beschweren, sondern lediglich verdeutlichen, wie anstrengend diese sind, und dass eventuelle Luxusgüter wie teuere Autos eine entsprechende "Entschädigung" für die eigene Psyche sein können. Wenn auch wohl nicht alle sich sowas leisten können.
Man liest aber meistens das, was man lesen will.
Übrigens ist es nicht fair zu schreiben, "Sie haben sich diesen Beruf ausgesucht...".
Wenn sich jemand für einen Beruf entscheidet, jedoch über längere Zeit die Arbeitsbedingungen immer schlechter werden, darf man sich sehr wohl darüber beschweren.
Und wenn es Menschen gibt, die das Prinzip "Hausbesuch" frecherweise ausnutzen, dann darf man sich darüber ärgern und diese das spüren lassen. NICHT aber, wenn wie vielleicht in Ihrem Fall, es anders nicht möglich war!
Aber vielleicht hatte dieser Arzt damals auch einfach nen schlechten Tag/Nacht erwischt?
21.03.2009
18:26:36
auch nen Pat-
ient
@Allgemeinärztin
Ich kann das Dilemma im Gesundheitssystem und die Konsequenzen auch für die Ärzte durchaus nachvollziehen. Aber vorzuhalten, während des Bereitschaftsdienstes frecherweise von einem Patienten in der Nachtruhe gestört zu werden, finde ich schon ziemlich daneben. Wir waren auch mal in der misslichen Situation nachts die Bereitschaftsärztin zu rufen, weil unser Auto dummerweise in der Werkstatt war. Diesen Widerwillen hat uns die Ärztin bei ihrem Besuch auch spüren lassen. SIE haben sich diesen Beruf ausgesucht und müssen auch mit den unangenehmen Dingen zurechtkommen. Und dazu gehört nun mal auch der Bereitschaftsdienst.
20.03.2009
10:14:28
Barbara L.
Frau Kollegin, auf Diskussionen und Vorwürfe dieser Ebene sollten wir nicht weiter eingehen. Die Vorwürfe sind altbekannt, Off-Topic und obendrein unzutreffend (bin Golffahrerin, 230.000km).
20.03.2009
09:23:10
Allgemeinärz-
tin
@Patient
Ihr Kommentar ist der Beweis dessen, wie platt und oberflächlich eine Sichtweise sein kann. Auch Sie sind darauf hereingefallen, was die Medien propagieren. Fragen Sie doch mal Herrn Plasberg, was der für ein Auto fährt. Der kriegt 17.000 Euro pro Sendung und muss keine Bereitschaftsdienste machen. Sind Sie schon mal nachts zwei Uhr vom Telefonklingeln aus dem Schlaf gerissen worden und mussten sich dann ins Auto setzen, um 20km entfernt einen Hausbesuch machen?! Dann nach dem Hinlegen zwei Stunden später wieder Telefonklingeln? Und dann früh "ausgeruht" in der übervollen Praxis arbeiten? Es wäre nicht mal verkehrt, wenn man sich dafür mit einem Porsche Cayenne belohnen könnte. Schade nur, denn leider ist es nicht so!
19.03.2009
19:50:03
HausarztNord
@Patient

Was halten Sie eigentlich mal von einer Website, wo Patienten mal ihre Fehler bzw. ihr Verhalten selbst reflektieren.
Sowas wäre doch auch einmal sehr interessant zu lesen!

Ich würde sehr gerne in einem System arbeiten, in dem ich mir innerhalb einer 40-Stunden-Woche bei Festgehalt pro Patientenkontakt 20 min Zeit nehmen MUSS.

Wo ich keine Sorge um Umsatzeinbrüche, Konkurrenz,Gehaltszahlungen an Angestellte, Versicherungen, Kredite, Liquiditäten, Investitionen usw. haben muss.

Dann würde eine Diskussion unter uns Hausärzten auf so einer Website natürlich ganz anders verlaufen, ach was, sie könnte dann ja auch öffentlich geführt werden.
Aus welchem Land haben Sie eigentlich Ihren Beitrag hier gepostet, Deutschland kann es nicht sein.

Gruß
19.03.2009
12:19:11
Kommentatorin
Also ich stimme zu, dass es sich hier keineswegs um Schuldzuweisungen usw handeln soll, sondern dass man aus Fehlern lernen soll.
Aber gerade in diesem Fall ging es darum, wann ein Hausbesuch indiziert ist und wann nicht.
Da Hausbesuche beispielsweise aus Erfahrung auch mal ausgenutzt werden, um eine AU zu bekommen oder einfach um eine Wartezeit in der Praxis zu umgehen, weiß man als Arzt und Hilfspersonal eben nicht immer, ob ein Hausbesuch so dringend nötig ist.
Deswegen wurde von verschiedenen Menschen diskutiert, wie man denn verhindern kann, dass eben solche Hausbesuche ausgenutzt werden. Und dadurch kam man dann auf die Diskussion über eine "Hausbesuchsgebühr", die auf lange Sicht vielleicht verhindern würde(ich will keineswegs das pro oder contra wiedergeben), dass Hausbesuche ausgenutzt würden und dadurch wirklich wichtige Hausbesüche nicht als solche erkannt werden!
Deswegen finde ich diese Diskussion definitiv angebracht, auch wenn ich mich weder für noch gegen diese Gebühr ausspreche, es geht lediglich um die Diskussion!
Der Beitrag von Patient hingegen lässt mich schmunzeln.
Allein der Titel der Sendung "Wer stoppt Dr. Maßlos" usw. lässt blicken, dass es keineswegs "fair" zugeht. Glauben Sie, alle Ärzte in Deutschland fahren einen Luxuswagen? LÄCHERLICH!
Ärzte müssen ihrer Ausbildung entsprechend bezahlt werden und SELBST WENN alle Mediziner einen Porsche fahren WÜRDEN, würde dies NICHTS über Abzocke aussagen, angesichts 6 Jahre Studium, 4-6Jahre Facharztausbildung und ständiger Weiterbildung, alles auf anspruchsvollstem Niveau!
Dass jedoch solche Kommentare wie Ihrer in einem solchen Forum vorkommen, DAS war wirklich abzusehen!
19.03.2009
10:42:38
traurig
Als ich vom Bestehen dieser Website "jeder- fehler -zählt" erfuhr, war ich geradezu euphorisch, daß endlich eine für den verantwortungsvollen Arzt brauchbare Übersicht über häufig oder selten - (man kann manchmal nicht so schräg denken, wie es kommt) - auftretende Fehler zusammengetragen werden soll. Soetwas braucht gerade der/die junge Kollege/in, um den in der Medizin vorhandenen Erfahrungsschatz anzuzapfen.
Nun bin ich traurig, denn die Diskussionsbeiträge bewegen sich im alten Feld der Schuldzuweisungen, um die es hier doch gar nicht gehen kann, sofern die Seite dem L E R N E N und V E R M E I D E N von Fehlern dient. Welcher Mediziner soll denn in diesem Forum einen selbst "verbrochenen" Fehler vorstellen, wenn gleich mit dem Staatsanwalt gedroht wird, bzw. die Diskussion sich dann um Praxisgebühr/Hausbesuchsgebühr u.ä. dreht, statt um sachliche Information, wie der Fehler vermieden werden kann. Daß unser inzwischen völlig verrottetes Fließbandgesundheitssystem dringend einer Umorganisation in Richtung Empathie und Mitmenschlichkeit bedarf, ist an anderer Stelle zu diskutieren. Hier geht es darum, daß bei versehentlicher intraarterieller Injektion die Nadel belassen wird, um Antidote direkt in die betroffene Arterie zu spritzen, darum, daß durch die hochfahrende ärztliche "Sauklaue" (unleserliche Handschrift) gravierende Patientenschädigungen eintreten können, darum, wann der Praktiker den Notarzt anzufordern hat, wenn er schon selbst nicht in Reanimation geübt ist u.s.w.
Hier geht es um Ursache - unerwünschte Wirkung - Verbesserungsvorschlag, sonst nichts! Weder Verurteilung noch Verteidigung haben hier Platz und schon gar nicht abrechnungstechnische Überlegungen! Dafür wäre ein zweites Forum einzurichten und regelmäßig Frau Ulla Schmidt zur Lektüre anzuempfehlen nach dem alten Reanimationsschema ABCS:

A= Atemwege frei machen ----------- Systemstau beseitigen
B=Beatmen ------- dem Pat. geben, was er dringend braucht
C=Cardiale Wiederbelebung ------------- Medizin aus Empathie
S=Schuldigen suchen ------- persönliche und systembedingte
Fehlerquellen unterscheiden.
19.03.2009
10:26:52
Patient
Ein Patient kommt aufgrund eines völlig unverantwortlichen Fehlverhaltens seitens des Arztes fast ums Leben und die häufigsten Kollegenkommentare, von denen man erwarten würde, das sie sich kritisch mit diesem Fehlverhalten, dessen Ursachen und dessen Vermeidung auseinandersetzen würden, drehen sich mal wieder um nichts anderes als um die nötige Zuzahlung bei Hausbesuchen und andere Gelddiskussionen. Das ist das Dilemma in dem ein ehemals angesehener Berufsstand steckt. Blind für den hier dargestellten Sachverhalt, unfähig zur kritischen Selbstreflektion und in ständiger Abwehr- und Forderungshaltung. Egal was passiert, sofort wird der Kostenhammer als Allroundverteidigungswaffe hervor geholt. Das Bild, das gestern bei Plasbergs Hart aber Fair in der ARD gezeigt wurde, in dem Ärzte in Bataillonsstärke mit ihren Porsche Cayenne, Mercedes M-Klassen und BMW 7er den Parkplatz des Kongressgeländes einnehmen um an einer (Vorab-) Demonstration teilzunehmen, deren Sinn und Zweck noch keinerlei Basis hat, da erst im Juni klar sein wird ob die Ärzte im Zuge der neuen Reformen überhaupt Nachteile habe werden, fügt sich harmonisch in das Bild, was viele Ärzte mit ihren Kommentaren auf dieser Seite von sich abgeben.
04.03.2009
09:10:30
Allgemeinärz-
tin
Deshalb plädiere ich ja für eine wie auch immer geartete Zuzahlung! Natürlich nicht nur, um das Ausnutzen einzuschränken, sondern auch, um finanziell wenigstens etwas auf den grünen Zweig zu kommen... ;-)
Die Anfahrtpauschale der Telekom war, glaub ich, damals bei mir um die 50 Euro...
Und wieviel rechnen wir nochmal für den gesamten Hausbesuch ab?!?
-Genau!
04.03.2009
08:57:18
HausarztNord
Hallo Assistenzarzt,

natürlich geht es uns Ärzten nur ums Geld!!
Da sind wir nicht anders als unsere Patienten!!!

Wir werden es in diesem System keinem Recht machen können. Fahren Sie einen Hausbesuch, dann wollen Sie da wahrscheinlich abzocken, bleiben Sie in der Praxis, dann wollen Sie den Hausbesuch nicht machen, weil Sie in der Praxis mehr verdienen.
Mir wurde in geselliger Runde mal gesagt, dass es ja eigentlich schon anrüchig sei, als Arzt überhaupt ein Gehalt beziehen zu wollen, also quasi mit oder durch das Leid Anderer Geld verdienen zu wollen.:-)

Und natürlich achte auch ich immer darauf alles was möglich ist, aus der Abrechnung herauszuholen. Zeigen sie mir das Gewerk, die Firma, die Organisation, die das nicht macht.

Wenn Hausbesuche statt der bisherigen 17,00 Euro pro Besuch ich sage mal 60,00 Euro bringen würden, dann würde ich selbstverständlich auch wieder die Kaffeekränzchenbesuche machen. Und nun bin ich mal auf die Antworten gespannt! ;-)

Mit freunglichen Grüßen
03.03.2009
09:40:58
Assistenzarzt
@ PP
..."Von dieser Zentrale kann dann ganz neutral ohne Hintergedanken dass durch die Anwesenheit in der Praxis mehr verdient ist, entschieden werden ob ein Hausbesuch notwendig ist oder nicht und dann MUSS evtl. auch der Hausarzt kommen."...

Liebe(r) PP,
Geben wir Ärzte denn eigentlich ein so Geld-versessenes Bild ab? Glauben Sie wirklich, dass es bei diesen Überlegungen um ein Abwägen vom Sessel aus ginge, ob der Hausarzt mehr über den Hausbesuch verdienen könnte oder über die Patienten in der Praxis? Ich weiß nicht, ob Sie sich vorstellen können, wie ein ärztlicher Arbeitstag abläuft. Ein Arzt hat leider nicht die Fähigkeit überall gleichzeitig sein zu können, wo kurzfristig Not am Mann ist. Mich würde sehr interessieren, wie Sie dazu stehen, wenn Sie neben 15 anderen kranken Patienten im Wartezimmer sitzen, die alle nicht aus Luxus in die Praxis gekommen sind, - anstatt sich um Sie zu kümmern ist der Hausarzt aber noch auf einer langen Tour dringlicher Hausbesuche unterwegs und lässt Sie alle zwei Stunden warten. Was würden Sie denken? Womöglich, dass der Arzt sich durch die Hausbesuche stattdessen gutes Geld verdienen wolle?
02.03.2009
20:14:29
PP
50 Euro Kaution, Pfand oder "Erziehungspauschale" zu bezahlen, na ja. Wenn jemand gerade dieses Geld nicht griffbereit hat, soll dann die Behandlung verweigert werden und der Arzt fährt ohne Behandlung wieder und lässt den Patienten unverrichteter Dinge zurück? Und wer entscheidet darüber, ob der HB notwendig war oder nicht? Für meine Familie kann ich sagen, dass wir bestimmt noch n i e aus Luxus einen Arzt gerufen haben.

Ich würde die Hausbesuche insofern beschränken, dass nur noch bei Akutfällen ein Hausbesuch gemacht werden darf, ausser die Notwendigkeit regelmäßiger Hausbesuche wird vom Medizinischen Dienst im Zuge der Begutachtung ob Pflegefall oder nicht bescheinigt bzw. bei Krankenhausentlassung könnte dies vorläufig vom Krankenhaus angeordnet werden. Und diese Hausbesuche braucht nicht der Hausarzt zu machen, sondern kann genau so gut ein extra dafür zuständiger Arzt welcher von der Kassenärztlichen Vereinigung (oder wer dafür zuständig sein könnte?) angestellt ist, machen. Denn wenn jemand schon jahrelang nicht mehr beim Frisör war, dann wird diese Person bestimmt von einem Pflegedienst oder von den Angehörigen versorgt und ich kann mir nicht vorstellen, dass durch den Arztbesuch die Lebensqualität für diese Patienten steigt. Es wird diesen Patienten wahrscheinlich auch nichts ausmachen, ob der Hausarzt oder ein anderer Arzt kommt, die Hauptsache es kommt einer. Während der Urlaubszeit, am Wochenende oder wenn der Hausarzt selbst einmal krank sein sollte, kommt sowieso eine Vertretung und dies stört nicht bzw. der Patient hat dann auch keine freie Arztwahl.

Bei einem Akutfall sollte nicht beim Hausarzt, sondern bei einer Zentrale anzurufen sein. Von dieser Zentrale kann dann ganz neutral ohne Hintergedanken dass durch die Anwesenheit in der Praxis mehr verdient ist, entschieden werden ob ein Hausbesuch notwendig ist oder nicht und dann MUSS evtl. auch der Hausarzt kommen.

Vielleicht sollten sich die Ärzte selbst einmal bei der Nase nehmen, ob sie nicht manchmal auch zu schnell ins Krankenhaus abschieben um keine Hausbesuche machen zu müssen?? Von den Patienten oder den Angehörigen wird jedoch erwartet die Situation richtig einzuschätzen, ob der Patient einen Hausbesuch braucht oder nicht. Es könnte doch einmal sein: Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt.




01.03.2009
11:07:49
anonym
@ Allgemeinärztin

Zuzahlung, z.B. 10 Euro Hausbesuchsgebühr, ist okay, wird aber über die Zuzahlungsbefreiungen wieder ad absurdum geführt.

Ich glaube nicht, dass es politisch durchsetzbar wäre, Hausbesuche IMMER zuzahlungspflichtig zu machen, hätte diesbezüglich bei dem ein oder andere Patienten (z.B. auch Palliativ-Patienten) enorme Bauchschmerzen.

Ich plädiere schon lange dafür, grundsätzlich die Praxisgebühr nicht zu erlassen, den Zuzahlungs-befreiten Patienten stattdessen 4 Gutscheine im Jahr zu geben. Damit können sie jedes Quartal ihren Hausarzt aufsuchen und sind denjenigen, die überhaupt erst das System finanzieren, gleichgestellt hinsichtlich unzähliger Facharztbesuche, Zweit- und Dritt-Meinungen sowie Ärzte-Hopping, wenn das gewünschte Medikament nicht verschrieben oder die AU nicht lange genug ausgestellt wird, etc..
28.02.2009
23:45:02
Allgemeinärz-
tin
@anonym

Dem kann man nur aus dem Weg gehen, wenn eine Zuzahlung bei jedem Hausbesuch fällig wird (ähnlich der Praxisgebühr).

Man wird bei sowas immer Für und Wider diskutieren können. Ich fände das Einführen einer gewissen "Hemmschwelle" gegen das eben-mal-anfordern-eines-Hausbesuchs wäre schon nicht schlecht.











28.02.2009
13:37:03
anonym
Ich halte den Vorschlag, Versicherte an "Luxus"-Hausbesuchen mit 20 oder auch 50 Euro zu beteiligen, durchaus für wünschenswert, sehe allerdings bei einer Umsetzung aus meinen Wunschvorstellungen hinaus in das tatsächliche Leben deutliche Barrieren:

1.) Ich befürchte, dass ausgerechnet die Sorgsamen, die wirlich medizinische Hilfe benötigen, aus Sorge den notwendigen Hausbesuch nicht mehr anfordern.

2.) Ich denke, dass bei bestimmten Patienten, zu denen ich "mit der Faust in der Tasche" fahre, nichts zu holen ist, zumindest nichts für Luxus-Hausbesuche.

3.) Als niedergelassener Arzt werde ich es mir nicht erlauben können, tatsächlich einen Hausbesuch als "nicht notwendig" und damit für den Patienten kostenpflichtig zu deklarieren. Das mache ich 2 oder 3 mal, dann hat sich das rumgesprochen (und in der Regel geht es in der Mundpropaganda ja nicht um die tatsächlichen medizinische Fakten!) und mir bleiben die Patienten weg.

4.) Und zuletzt wird es eine Flut von Sozialgerichtsprozessen geben, und ich wage die Voraussage, dass - selbst wenn zig Experten die medizinische Notwendigkeit eines Hausbesuches verneinen würden - "im Zweifel" ein Richter dem Patienten als medizinischem Laien es zugestehen wird, sich in der Schwere und Tragweite der erlebten Symptome geirrt zu haben.
22.02.2009
16:45:43
Barbara L.
Da bin ich aber erleichtert, dass Sie mir und anderen nicht die Regeln vorschreiben können! Da ich in erster Linie Patienten behandele und Kollegen nur ausnahmsweise, ist mir die Dankbarkeit ersterer auch wichtiger, die Frage der Kollegin Augenärztin vom Notfalldienst, die ich im letzten Februar rufen musste, war meine Dankbarkeit einfach wegen der Nachfrage, ob ich eine AU bräuchte gewiss.
Nebenbei: es geht auch den hiesigen Kollegen beim Hausärztestammtisch so, der Konsensus darüber wurde vor einiger Zeit mal klar: Wo nötig macht man auch das Nötigste, AU ist für viele notwendig.

Wenn Sie KollegInnen, die ihren Beruf und die Art der Ausübung einfach ein wenig anders sehen als Sie, aufgrund solcher Banalitäten gleich ein Helfersyndrom unterstellen und Sie Ihre (Un-)Tätigkeit davon - wenn das Helfersyndrom denn zuträfe - angegriffen fühlen, lässt bei mir erhebliche Zweifel an der Richtigkeit Ihrer Berufswahl aufkommen, auch im Hinblick darauf, dass Ihr gewähltes Pseudonym mit dem der "Allgemeinärztin" und deren sehr salopper Ausdruckweise in anderen Threads hier identisch ist.

Ich nehme an, dass Sie das letzte Wort haben wollen, ich steige hier aus (brauche meine Energie für die lästigen Kranken und die wenigen Simulanten heute nacht).

Sie können
22.02.2009
11:57:45
Allgemeinärz-
tin
Es geht hier nicht um den Zacken in Ihrer Krone, es geht um die Sache schlechthin. Das ist wie mit der leidigen i.m.- Spritze bei Rückenbeschwerden. "Aber der Doktor, bei dem ich letztens war, der hat es gemacht!"

Es muss generell die Regel gelten: Keine AU- Scheine oder andere Gefälligkeiten bei Hausbesuchen!
Für die weiter unten beschriebene 50-Euro-Regel (meinetwegen auch zwanzig Euro...) bin ich nach wie vor. Nur so kann man den Missbrauch einigermaßen begrenzen.

Aber frönen Sie Ihrem Helfersyndrom nur weiter. Die Kollegen danken es Ihnen.
22.02.2009
01:04:41
Barbara L.
Ich breche mir doch wirklich keine Zacken aus der Krone für Gefälligkeiten, aus meiner Krone jedenfalls. Ich spreche ja nicht von Dexra-Gängen. Nicht nur Ärzte sind stets im Streß und unterbezahlt, die Nachbarn und Angehörigen doch auch!
Und meine Befriedigung bei der Arbeit beziehe und bezog ich nicht nur aus der Kohle, die ich verdiene. Die Praxis habe ich nur aus familären und Umzugsgründen aufgegeben, meine Omis und die damit verbundenen Besuche fehlen mir sehr.

Die AU ausstellen sehe ich übrigens nicht als Gefälligkeit. Wenn ich als Vertragsärztin zugelassen bin, haben die von mir untersuchten Patienten m.E. das Anrecht darauf, dass ich Ihnen die AU auch bescheinige (natürlich bei den objektiven Gegebenheiten).
Und seien Sie versichert, ich bin wirklich keine, die mit dem gelben Schein schnell zur Hand ist, ich schreiben niemals Gefälligkeits-AU aus, die Sumpfer kann ich auch nicht ab!
21.02.2009
23:38:59
Allgemeinärz-
tin
Na klar, der Arbeitgeber hätte Sie natürlich umgehend rausgeschmissen, wenn Sie einmal den AU- Schein nicht am ersten Tag abgeliefert hätten! Vollkommen gesetzeskonform!

Auch Patienten leben nicht auf einer grünen Insel, liebe Kollegin und haben in der Regel Familie oder Nachbarn (zum Beispiel für den Gang zur Apotheke).


21.02.2009
22:20:11
Barbara L.
Entschuldigung, warum wird sich was nicht ändern?

Der Vertrag meines letzten abhängigen Jobs in einer Reha-Klinik beinhaltete genau diesen Passus, dass die AU am ersten Tag vorzulegen ist. Diese Regelung ist gesetzeskonform und wid hier in der Region mit über 15% Arbeitslosenquote von den noch kein Lohn und Brot-Stehenden auch befolgt. Anscheinend leben Sie auf einer grünen Insel!

Und wieso stellt es für Sie eine Zumutung dar, einem Kranken, der mit was weiß ich glaubhaft darniederliegt, den gelben Schein auszustellen? Meist muss ich noch nicht mal das ICD-Buch bemühen, da die Diagnosen zu 90% A09, J06.9 oder vielleicht noch J18.9 sind.
Während meiner Niederlassungzeit haben mir meine Mitarbeiterinnen in die Karte das Formular mit den Stammdaten bedruckt und - ja, manchmal bin ich sogar vorher in der Apotheke vorbei und habe das Antibiotikum gleich mitgebracht (was sich wegen der unteschiedlcihen Zuzahlung heute zugegebenermaßen schwierig gestaltete).

Und ja, bei der letzten Noro-Attacke auf mich konnte ich keinen Schritt mehr gehen, nicht zum Arzt, bicht zur Apotheke und auch nicht aufs Klo. Soll es nicht nur bei Ärzten geben!
21.02.2009
19:04:33
Allgemeinärz-
tin
@Barbara L.

Genau deshalb wird sich nichts ändern und die besch... Vergütung für Hausbesuche bleibt auch. Natürlich auch das Ausnutzen.

Klar, mal eben einen AU-Schein ausfüllen? Kein Problem! Was darf"s denn noch sein? Vielleicht noch die Medikamente aus der Apotheke holen, weil doch der arme Patient keinen Schritt vor die Tür kann. AU-Schein ab erstem Tag?! Dann lassen Sie sich nur weiter veräppeln! Und selbst wenn es so wäre, ist es nicht die Sache des Arztes, das auszubaden.

Ich bleibe dabei: Hausbesuche sind so gut WIE NIE nötig!
21.02.2009
01:25:53
Barbara L.
Ich halte Hausbesuche (nicht nur die Notdienst-Hb) bei einem bestimmtem Patientengut sehr wohl für notwendig, nicht nur bei Akutereignissen betagter Patienten. Z.B. eine Diuretikaerhöhung mache ich lieber nach meiner Einschätzung und nicht nach der der Angehörigen. Während meiner früheren Tätigkeit in einer Großstadt wären viele meiner "Omis" aufgrund der Wohnsituation gar nicht in der Lage gewesen, ohne Krankentransport meine Praxis aufzusuchen, weil sie auch mit Hilfe selbst eine Treppe nicht mehr bewältigen konnten. Beim Friseur waren die schon Jahre nicht mehr. Und eine regelmäßige (heißt ja nicht 14-tägliche) ärztliche Betreuung kann eine deutliche Lebensqualitätserhöhung für diese Menschen bedeuten. Hier im ländlichen Raum sind diese Besuche für viele unverzichtbar: Schlechte Verkehrsanbindung, Angehörige 30km weit weg und große Wege (auch für Taxis; diese sind schlecht zu bekommen; obendrein kleine Rente).
Auch während meiner früheren Hausarzttätigkeit (heute mache ich nur Vertretungen und Notdienste) habe ich durchaus AUs bei Hausbesuchen ausgestellt, wie sollte z.B. auch eine junger Mensch mit einer hochakuten Gastroenteritis meine Praxis aufsuchen, bzw. warum solltse ich die nicht ausstellen, wwenn ich schon dort bin?
Heute und hier hat sich die Situation insofern verschlimmert, dass viele Pat. schon am ersten Tag eine AU vorlegen müssen, sich z.B. während hier vorliegenden Infektwelle (50:50 grippale Infekte/Magen-Darm) manche Sonntags Notdienstpatienten schon insofern entschuldigt hatten, dass sie unmöglich morgen ihren Hausarzt aufsuchen könnne, aber dem Arbeitgeber morgen vormittag die AU faxen müssen. Bei glaubhaften Pat. sehe keinen Grund, die Arbeitsunfähigkeit nicht zu bescheinigen, bei den "Faulen" verweise ich an den morgen aufzusuchenden Hausarzt.
20.02.2009
20:12:46
Allgemeinärz-
tin
Was ist denn mit der Praxisgebühr von 10 Euro?! Auch die hat sozial Schwache schon davon abgehalten, zum Arzt zu gehen. Diesen von der Politik ausgedachten Unfug machen aber alle niedergelassenen Kassenärzte fein mit und kassieren brav. Wieso wird jetzt auf einmal die ethische Keule geschwungen? Weil es 40 Euro mehr sind? Ein Hausbesuch ist im Grunde genommen so gut wie nie nötig und für wirkliche Notfälle gibt es immer noch den Notarzt.



20.02.2009
14:10:25
HausarztNord
Eine hohe Gebühr für die Hausbesuche einzufordern, das halte ich auch aus sozialen Gründen nicht für angebracht. Eventuell würden dann sozial schwächere Familien den Arzt erst viel zu spät zum dann doch notwendigen Hausbesuch anfordern.
Wir dürfen nicht vergessen, dass es durchaus die Möglichkeit gibt, unnötig angeforderte Hausbesuche der Krankenkasse zu melden. Diese hat dann die Möglichkeit, das dann angefallene Honorar vom Patienten zurückzufordern. Die entsprechende Meldung kann man über die zuständige Kassenärztliche Vereinigung tätigen.

Formalismen, wie eine au-Bescheinigung, stelle ich im Hausbesuch grundsätzlich nicht aus. Die haben da nichts zu suchen. Zum Hausbesuch habe ich Rezepte, Krankenhauseinweisungen, Transportbescheinigungen, Notdienst- und Vertreterscheine und Todesbescheinigungen in der Tasche, mehr nicht. Alle anderen Bescheinigungen können in der Praxis des zuständigen Hausarztes bzw. dann bei mir in der Praxis hinterher ausgefüllt werden.

Nach meiner Praxisübernahme vor 6 Jahren habe ich erst einmal ein Jahr benötigt, um die von meiner Vorgängerin eingeschliffenen Selbstverständlichkeiten auszumerzen. Da gab es Dinge, dass von mir erwartet wurde, bei Patienten einen regelmäßigen Hausbesuch durchzuführen und dabei den Überweisungsschein für den Neurologen, Augenarzt, Orthopäden etc. mitzubringen, zu denen man dann selbstverständlich in die Praxis fahren konnte.
Auch hatte ich schon das Erlebnis, dass man mich um einen neuen Hausbesuchstermin gebeten hatte, da die Patienten einen Frisörtermin habe und zu dieser Zeit nicht zu Hause sei.

Und man glaubt nicht, wie einsichtsvoll die Patienten sind, wenn man ihnen diese Situationen sachlich und deutlich vor Augen führt.
Auf einmal konnte die Praxis doch aufgesucht werden.

Bei notfallmäßig angemeldeten Hausbesuchen bin ich sehr vorsichtig geworden. Da habe ich auch schon böse Überraschungen erlebt, die vielleicht mit einer rechtzeitigen Intervention so nicht verlaufen wären.

Lieber die sogenannten Routinehausbesuche von den Unnötigen "entmüllen", dafür einmal mehr notfallmäßig losfahren, auch wenn es kein Notfall aus medizinischer Sicht war. Für die Patienten ist es meistens vom subjektiven Erleben her einer.

Für meine Routinehausbesuche habe ich die 3-B-Regel aufgestellt.
"1. Blind, 2.Bein ab, 3. Bettlägerig. "
Patienten, die in das Raster fallen, besuche ich regelhaft.

Eine zweite Regel: "Wer es bis vor die eigene Haustür schafft, der schafft es auch in ein Taxi, und damit in die Praxis."

Mit freundlichen Grüßen
19.02.2009
15:22:48
Allgemeinärz-
tin
KV- Dienst ist der "kassenärztliche Bereitschaftsdienst" (nicht zu verwechseln mit Notarzt)
19.02.2009
13:40:37
Norbert S.
und was ist ein KV-Dienst?
19.02.2009
13:39:49
Norbert S.
was passiert denn, wenn ein arzt zu einem hausbesuch kommt und es handelt sich um etwas absolut nicht schlimmes, sondern der patient hat einfach keine lust gehabt, in die volle praxis zu gehen? können sie dann irgendwie nicht vielleicht die behandlung verweigern? oder zumindest das ausstellen eines krankenscheines? verdienen sie an sowas viel?
wenn man sich anhört, welche probleme wohl viele ärzte hier mit solchen patienten haben, wären die 50 euro vielleicht gar nicht unangebracht.
nur was machen sie bei sozialschwächeren famileien, wo nicht immer so viel geld im haus ist?
würde es dann solche menschen nicht härter treffen, da sie nicht immer, wenn es dringlich wäre, den hausarzt rufen würden oder könnten?
Norbert S.
19.02.2009
11:36:32
Allgemeinärz-
tin
...nicht "für die Kasse", sondern "von der Kasse" zurück...

;-))
19.02.2009
11:34:54
Allgemeinärz-
tin
Das ist eben eine Gratwanderung, der man sich immer wieder bewusst werden muss. Einerseit die wirklich Kranken, die einen "auf dem falschen Fuß" erwischen können, andererseits -ich möchte fast sagen, die Verursacher-, nämlich die, die Hausbesuche als bequeme Serviceleistung in Anspruch nehmen, bloß weil sie keine Lust haben, sich auf den Weg zur Sprechstunde zu machen. Für den Arzt, der eine volle Sprechstunde hat, ist es natürlich sehr ärgerlich, wenn er sich noch zu eigentlich unnötigen Hausbesuchen aufmachen muss.
Ich bin für das Zahlen von 50 Euro für jeden Hausbesuch und auch für jeden in Anspruch genommenen KV- Dienst! Falls der Arzt die Notwendigkeit der Inanspruchnahme bescheinigt, dann gibt"s das Geld für die Kasse zurück...

So, jetzt warte ich mal auf das Echo...
18.02.2009
17:38:51
Grossstadtar-
zt
Eine telefonische Triage ist extrem schwierig. Ich gebe dem HausarztNord recht, dass es deswegen wichtig ist, den PAtienten selbst zu sprechen. Ausserdem kann man über das Telefon nicht nur schon mal anbehandeln wie von Hausarzt Nord angegeben und nahc 2 Stunden nochmal anrufen. MAn kann auch ganz einfach Pulsfrequenz, Fieber, und bei pfiffigen Angehörigen auch die Atemfrequenz messen lassen.
Ich gehe im Zweifel hin.
Heute erst hatte ich den dritten Hausbesuch bei einer Patientin, die seit einer Woche aus der ReHa entlassen wurde (schwere COPD). Die ersten Male habe ich sie "angepfiffen" dass diese Hausbesuche absolut unnötig weil übertrieben waren. Heute war ich schon auf demWeg, sie richtig "in den Senkel zu stellen " und fand eine blaue Patientin in Atemnot die ich eiligst in die Klinik einwies.
Vorschnelle Urteile sind halt gefährlich (für unsere Patienten...)
18.02.2009
14:50:58
MFA Frankfurt
Ich finde es wirklich schwierig, wenn wir immer zunächst die Schuld beim Patienten oder deren Angehörige suchen. Sicherlich hätten es einige von uns "besser" gemacht, aber was bringt das schon? Heißt das, wir müssen nicht mehr nachdenken und "wo gehobelt wird, da fallen Späne"? Damit machen wir uns meines Erachtens das Leben etwas einfacher aber wir verlieren dabei die Patienten aus den Augen.
Mit freundlichen Grüßen
18.02.2009
13:57:15
Klinikarzt
Den Angehörigen hier Schuld zuzuschieben halte ich für falsch. Selbst wenn eine gewisse Teilschuld durch mangelhafte Darstellung("Der stirbt gleich") vorliegt, sollte man denen keinen Vorwurf machen. Man kann von Angehörigen keine absolut realistische Situationseinschätzung erwarten oder sich immer darauf verlassen.
Dass hier keine weiteren Schritte gegangen wurden(Notarzt, andere Arzt...) zeugt vom großen Vertrauen, welches die Familie wohl in ihren Arzt hatte. Umso trauriger, dass dieses enttäuscht wurde.
17.02.2009
21:05:00
Arztfachhelf-
erin
Also ich muss sagen wenn ich doch merke dass es nicht gut geht dann warte ich doch nicht ruf einen Notwagen oder fahre selber zum Notarzt oder zu einem Niedergelassenen im schlimmsten fall (Wenn man verrückt genug ist) lasse ich d. Hausarzt die Sprechstunde unterbrechen wie auch immer.... aber da auf jemanden zu warten also reine gemütlichkeit....wenn das jemand aus meiner familie wäre ich hätte keine minute gezögert
15.02.2009
23:45:53
Barbara L.
Habe gerade einen 24h-Dienst (seit 7 Uhr) mit bereits 19 Besuchen, noch nie so viele Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen müssen wie heute. Der Letzte (Husten, Temp.38.2, rauchte heute nur 10 statt wie sonst über 20/d) brauchte eine AU für den 1-Euro-Job morgen und fühlte sich nicht in der Lage, morgen den HA aufzusuchen ("außerdem ist es montags da immer sehr voll").
ca. 1/3 der Pat. heute hatten banale Infekte der oberen Luftwege und hätte m.E. auch die örtliche Notdienstpraxis aufsuchen können, während sich eine andere Pat. zwischen der Spuckerei mehrfach für die Belästigung am Sonntag entschuldigte, die alte Dame mit der Pneumonie auch. Das Auftreten einzelner Kollegen als "Dienstleister" für gerade bei jüngeren Pat. auch eher zum Versuch, Hausbesuche als Serviceeinrichtung zu benutzen, die moderne Art der Auftragsvergabe über Multifunktionshandys durch einen Disponenten in der KV individualisiert die Pat. auch nicht gerade.

Klar, dass man unter solchem Stress etwas dünnhäutiger wird und gerade auf solche Dramatisierungen, dass der Mann sonst sicher sterben würde eher abwehrend reagiert.
Es ist zwar unklar, was denn die Ehefrau nach dem Gespräch mit der Fachanstellten dem Doc erzählt hat, es ist jedoch auch m.E. fahrlässig, angesichts der Schilderung der Verschlechterung des Gesamtzustandes. Besonders tragisch ist natürlich, dass es sich auch noch um einen Familienarzt handelt.
15.02.2009
17:32:57
HausarztNord
In solch eine oder zumindest ähnliche Situation bin ich auch schon geraten.

Meine seit einigen Reinfällen nunmehr für mich angenommene Regel ist, den Patienten immer selbst zu sprechen. Da kann man dann viel besser abschätzen ob nun eine Hausbesuchsdringlichkeit vorliegt oder nicht.
Informationen über Dritte ( Angehörige und oder Arzthelferin ) sind nicht immer so gut, als wenn man selbst mit dem Patienten spricht. Da bekommt man schon eher mit, ob Dringlichkeit geboten ist.

Oft kommt man hier auch zu einem Kompromiss ( wie z.B.: Nehmen Sie erst einmal eine Paracetamol, und wenn das Fieber runter ist, dann kommen Sie in meine Nachmittagssprechstunde. )

Das Gefühl der "inneren Wut" des Kollegen kann ich gut nachvollziehen, wenn man selbst vollgedröhnt mit NSAR und Antibiotika die Sprechstunde für weniger leidende Menschen aufrechterhält, und diese dann auch noch in die bezahlte Krankschreibung für ein paar Tage schickt. Man hat ja selbst diesen Luxus gegen die Selbständigkeit eingetauscht.

Mit freundlichen Grüßen
15.02.2009
13:34:38
Anonym
Ich stimme da meinem Vorredner 100%ig zu. In eine solche Situation zu geraten, ist wirklich nicht sehr schwierig. Um so wichtiger war es, dass die MFA den Fall am nächsten Tag thematisiert hat.
Man weiß natürlich nicht, inwiefern die Person am Telefon den Fall genau geschildert hat. Jedoch als Grund für den Nicht-Hausbesuch anzugeben, er habe den Patienten am Vortag gesehen, ist grob fahrlässig.

Ein weiterer Aspekt dieses Falles ist das Verhalten der Angehörigen, als der Arzt den Hausbesuch abgelehnt hat.
In einem solchen Fall - man "fühlt", dass es etwas ernstes ist, der Arzt will aber nicht kommen - muss man eben den Notruf wählen und diesen Weg gehen. Leider ist dies in der Bevölkerung auch nicht allzu weit verbreitet.

Andere Sache: Warum hat die Ehefrau den Patienten nicht ins Auto gebracht und zum Arzt hingefahren? Nach dem Motto "Wenn der Arzt nicht zum Pat kommt, muss eben..."
Aber natürlich möchte ich die Verantwortung nicht den Angehörigen zuschieben, der Arzt hat hier wie bereits gesagt, falsch gehandelt.
15.02.2009
11:11:40
anonym
Den geschilderten Fall kann ich gut nachvollziehen und "erklären", wenngleich das keine "Entschuldigung" ist: ´

Erkältungszeit, volle Praxis, Hausbesuchsanforderungen, die "mit etwas gutem Willen" nicht nötig wären (fernsehschauender junger Patient mit 38.5 Grad Fieber, der "einfach keine Lust hat, in die Praxis zu kommen"), katastrophisierende Patienten und Angehörige ("so schlimm war es noch nie" ... "das kann doch nicht sein, dass die Erkältung nach 3 Tagen nicht weg ist, da muss man doch endlich mal genauer untersuchen" u.v.a.m.), permanente Fremdbestimmung des Arztes durch (medizinisch nicht immer sinnvolle) Erwartungen und Anforderungen von Patienten, Pflegediensten, ... vielleicht selber nicht ganz fit, aber welcher Arzt leistet sich tatsächlich eine Auszeit bei eigener Erkrankung ?

Ich weiß nicht, was dem Kollegen alles durch den Kopf gegangen ist, dass er auf die mehrfachen Hausbesuchs-Anforderungen nicht reagiert hat ... ich vermute, dass er in eine "innere Falle" im Sinne der oben aufgeführten Aspekte geraten ist.

Um ein Abgleiten in solche Fehler frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden eignen sich z.B. Balint-Gruppen oder andere Supervisionen.

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