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"Depression"

Fehler des Monats 07.2009


Reportnummer:
497
Folgendes Ereignis wurde uns berichtet:
Was ist passiert?
Ein Patient litt unter einer Depression, einen Monat nach Beginn der Depression wurde er neben psychosomatischen Gesprächen mit Citalopram (1. Woche 10 mg, dann 20 mg) behandelt. Drei Wochen später berichtete er über anhaltende Depressionen, wollte aber wieder arbeiten gehen.
Was war das Ergebnis?
Einen Tag später brachte sich der Patient in seiner Wohnung um. Es gibt keinen Abschiedsbrief.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Medikamenten-NW: Aktivierung vor Eintritt einer Stimmungsaufhellung.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Konkret nach Suizidgedanken fragen, Pat. Handy-Nr. für den Notfall aushändigen. Klinikeinweisung anbieten (Pat. wünschte nicht einmal psychiatrische Mitbehandlung).
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Medikamente, Kommunikation, Patient
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Ob dieser Fall aus dem hausärztlichen Bereich stammt, ist unklar. Ebenso lässt sich nicht wirklich beurteilen, ob hier ein Fehler vorliegt. Trotzdem ist die Frage nach der Behandlung und Betreuung depressiver Patienten in der Hausarztpraxis ein wichtiges Thema. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht. Bieten Sie Patienten Ihre Handynummer für den Notfall an?

Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
03.03.2014
16:07:14
-k
Natürlich sollte der Arzt / die Ärztin sich nicht die Schuld am Suizid des Patienten geben. Trotzdem ist doch die Frage wichtig, was man hätte besser machen können.
z.B.
- genauere Aufklärung des Patienten über die Wirkweise von SSRI
- vorher gut abwägen, welches AD gegeben werden soll - Citalopram führt meines Wissens nach öfter zu Suizid als beispielsweise Fluoxetin. Vielleicht wäre auch ein MAO-Hemmer gut gewesen (mittlerweile gibt es da quasi keine Einschränkungen mehr und unter Umständen weniger Nebenwirkungen als bei SSRI)
- besser noch: Überweisung an Fachärzt_in, außer eben, wenn der Patient das partout nicht will
- den Patienten über weitere Hilfsmöglichkeiten aufklären (Krisentelefon u.ä.)
- Anti-Suizid-Vertrag


Diese "Wenn sich jemand wirklich umbringen möchte, dann schafft er es auch."-Sätze sind hier jedenfalls wirklich fehl am Platz. Natürlich kann man nicht jeden Suizid verhindern, aber Fakt ist doch, der Suizid ist hier eine Krankheitsfolge, und nicht das, was der Patient im gesunden Zustant seinem freien Willen nach tun würde.
19.09.2011
08:31:43
privatperson
O.k., ich kram jetzt mal wieder was aus, was hier schon lange diskutiert wurde - für mich aber leider mehr als aktuell ist.

Eine mir sehr nahestehende Person hatte vor wenigen Tagen versucht, sich mit einem Insektizid das Leben zu nehmen. Diese Person hatte das Medikament Citalopram gerade mal ca. 2 Wochen genommen, bis es zu diesem Versuch kam. Die eingenommene Menge hätte eigentlich dafür locker ausgereicht - es ging hier also nicht um Aufmerksamkeit. Denoch kommt mir das Ganze suspekt vor: Denn so wie ich diese Person kenne, hätte diese niemals versucht, sich mit einer solchen Brühe das Leben zu nehmen, sondern wäre lieber mit dem geliebten Auto an eine Wand gefahren ...

M.E. sollte ein solches Mittel nur unter strenger Aufsicht verabreicht werden. Wenn es also zuvor zu einer zu einer Zwangseinweisung keinen Grund gibt, dann sollte die Einnahme des Medikaments wenigstens alle paar Tage kontrolliert und hinterfragt werden. Dazu sollte man immer diese Art der Nebenwirkungen im Augenschein behalten - es gibt genügend Alarmzeichen, die auf einen solchen Hilferuf hindeuten.

Und wazur Geschichte mit der Handy-Nr.:
Die hatte ich selbst nach einer ambulanten OP von meinem Orthopäden erhalten, dieser operiert mehrere Patienten Tag für Tag - glaubt Ihr, dass er das tun würde, wenn bei ihm alle 5 Minuten das Telefon klingeln würde?
22.07.2010
22:54:48
bella schmidt
ich selber habe das medikament citalopran genommen es ging mir danach sehr gut aber ich habe sehr viel an gewicht zugenommaber dieser hunger als wäre mann ein nimmersatt deshalb werde ich es jetzt langsam abzetzenund werde sehen ob das ohne klappt oder ein andres medikament
04.01.2010
17:57:32
Hp Psych Düs-
seldorf
Wer die antriebssteigernde Wirkung von SSRI AD`s (z.B. Citalopram) kennt, weiß auch um die absolute Notwendigkeit einer engmaschigen Betreuung in den ersten drei bis vier Wochen vor Stimmungsaufhellung. Das Suizidrisiko ist unglaublich hoch. Kommt der Klient drei Wochen nach Einnahmebeginn in die Praxis, berichtet von anhaltender Depression und gleichzeitig von Wiederaufnahme seiner Arbeit, müssten alle Alarmglocken schrillen. Den kann man nicht einfach wieder nach Hause gehen lassen. Hier ist die medikamenteninduzierte Suizidgefahr in einem ausführlichen Gespräch ebenso zu thematisieren wie der, im Forum leider häufig heruntergemachte "Suizidvertrag", der von den Klienten in aller Regel gerne angenommen und in fast allen Fällen auch tatsächlich eingehalten wird. Dieser Vertrag beinhaltet im Prinzip auch nur die Vereinbarung, vor Durchführung einer Suizidhandlung Kontakt mit dem Behandler aufzunehmen. In schriftlicher Form fixiert, denkt jeder, vor einer suizidalen Handlung stehende Mensch, an diesen Vertrag. Ein Mißbrauch von Telefonnummern kommt, entgegen den Befürchtungen der meisten Ärzte, in der Praxis praktisch nicht vor. Klingelt tatsächlich das Telefon, kann man von einem akuten Notfall ausgehen. Dann liegt auch eine erhebliche Selbstgefährdung seitens des Klienten vor, so dass eine Einweisung in die Psychiatrische Klinik auch gegen den Willen des Klienten erfolgen kann. Und noch eine herzliche Bitte an alle: beschäftigt euch doch auch mal mit dem wirklich spannenden Thema Psychophatologie + Psychopharmakologie, denn manch ein Suizid lässt sich durch euer Wissen verhindern. LG
28.12.2009
02:09:44
Pampfi
Letztlich gibt es hier immer eine Selbstverantwortung, die man auch achten sollte. Den Fehler sehe ich hier eher darin daß man nicht an einen Psychiater überwiesen hat, der das vielleicht etwas besser im Gefühl hat und eine ausführlichere Anamnese durchführen kann. Aber auch der kann nicht in seinen Patienten hineinschauen Suizide und SSRI sowie bestimmte andere ADs sind einfach ein Risiko, wenn man sich die Studien anschaut sind sie aber eben auch gut wirksam und verträglich und "sicherere" AD bedeuten dann wieder eine schlechtere Compliance.
18.12.2009
17:45:35
Bernd Heinem-
ann
Wertes Team JVZ,

solche Leute wie docbayern sind es doch die Fehler machen weil sie von dieser Gesellschaft dazu gezwungen werden(Geld)
Davon habe wir genug! Ich meine nicht die Mediziner, die in diesem Portal zu Ihren Fehlern stehen und sich an Ihren Eid halten und damit noch ein Gewissen haben! Leider!

17.12.2009
18:21:48
Team JFZ
Sehr geehrte Diskutanten,

wir haben einige Kommentare dieser Diskussion gelöscht, da sie nichts mit dem berichteten Fehler zu tun hatten und auch nicht hilfreich waren.

Mit freundlichen Grüßen
Das Team von "jeder-Fehler-zaehlt"
09.10.2009
11:11:33
Sani
Citalopram fällt unter die SSRI, die ihre antidepressive Wirkung später als die antriebssteigernde Wirkung entfalten.
Hier wäre vielleicht eine stationäre Aufnahme zur medikamentösen Einstellung sinnvoll gewesen.

Leider ist es bei vielen Antidepressiva so, dass sie erstmal antriebssteigernd wirken.
06.10.2009
18:29:34
Sam
@ docbayern meinen sie nicht es ist etwas hart zusagen, jemand der den suizit äußert tut das nicht? hier geht es nicht um die theorie aus einem lehrbuch, sondern um die praxis! evt. äußert der pat. diesen gedanken, weil er hilfe will und nicht weiss wie er sie sonst bekommt oder weil er sie eben nicht bekommen hat auf nachfrage. und wenn man diesen gedanken äußert und man dann immer noch keine hilfe bekommt, kann es durchaus sein das der pat. wirklich suiziet begeht, da er keinen anderen ausweg sieht!. ich denke, wenn man eine suizit äußerung immer als wahrnsignal sieht, so hätte und könnte man wohl viele vom suizit abhalten!

menschen sind kein "satz" in einem theorie buch und jeder mensch handelt anders und nicht immer so wie es in büchern geschildert wird. es gibt durchaus menschen die man nicht der theorie zuordnen kann und daran sollte man denken.
28.07.2009
23:59:59
berater
Eine Bewertung, ob im konkreten Fall wirklich ein Behandlungsfehler vorlag, dürfte nach gegebener Sachlage kaum möglich sein.

Wichtiger erscheint mir folgendes:

Nach den von mir gesammelten Informationen habe ich den Eindruck, dass der Suizid als Nebenwirkungen von Antidepressiva vielen Ärzten nicht bekannt oder wenigstens zu wenig bewusst ist und daher diese Medikamente leider oft zu sorglos verschrieben werden.

Eine gute Aufklärung des Patienten, die Vorbereitung auf diese Möglichkeit der Nebenwirkung und die Sicherstellung, dass die Medikamenteneinnahme nur unter starker ärztlicher Kontrolle und Beobachtung durch Angehörige erfolgt, erscheinen mir sehr wichtig.

Es geht darum, die "Restquote" zu minimieren. Denn auch unter bester Kontrolle wird es immer eine Restsuizidquote geben, bei der wir nie sicher sind, ob der Suizid trotz oder gerade wegen der Medikamenteneinnahme erfolgt ist.


Siehe auch:

1. Kommentar im Forum vom 05.07.2009 20:02:41 Christian
2. Frontal 21, TEIL 1 die Pharmamafia-Selbstmord durch Antidepressiva

http://www.youtube.com/watch?v=mxgVf0IGvec&feature=PlayList&p=BE6D7D3BAA70B4D3&index=0&playnext=1
28.07.2009
14:02:26
Ex-Depri
Was ist einfach nur mit der Selbstreflexion?

Patienten- und Arztrolle mal außer Acht gelassen:
2 Menschen sind sich begegnet und haben sich doch nicht verständigen können, das ist traurig.
Aber sich deshalb persönlich davon abgrenzen zu wollen, es gar nicht wahr haben wollen, ist noch viel trauriger.

Verlagerung auf pure Sachebene
Ob Telefonnr oder nicht, das ist eine persönliche Entscheidung und ist auch wie fast alles im Leben nicht mit nur gut oder nur schlecht zu beantworten.

Da sich jemand selbst das Leben nimmt ist schlimm;
Hut ab vor Ärzten und Menschen die sich davon emotional berühren lassen...
24.07.2009
21:28:27
Allgemeinärz-
tin
@HausarztNord:
Absolut richtig. Da braucht man eigentlich nichts mehr hinzufügen.

@hausarzt bremen:
Die "Bestürzung" verstehe ich nicht.
22.07.2009
10:08:07
HausarztNord
Hallo Hausarzt Bremen,

für den absoluten Notfall haben wir Kassenärzte den Notdienst eingerichtet.
Was machen Sie, wenn Sie im Theater sind, wenn Sie mal einen Ausflug mit Ihrer Familie machen wollen, wenn Sie mal so weit weg gefahren sind, dass Sie nicht rechtzeitig intervenieren können.
Sicherlich muss das jeder Kollege für sich selbst entscheiden, ob er mit der Herausgabe seiner Handynummer auch die damit verbundene Dauerbereitschaft antreten will.
Ich habe damit keine guten Erfahrungen gesammelt.
Da vereinbare ich lieber fest vereinbarte Wiedervorstellungen der Patienten bei mir, wenns sein muss auch am Wochenende. Aber ich bin dann nicht in Dauerbereitschaft.
Und hinterfragen wir doch einfach mal, was haben die Menschen vor der Massenverbreitung des Telefones getan - sie sind zum Arzt gegangen, und am Wochenende dann eben zum diensttuenden Kollegen. Das Telefon ist nur der bequemer Weg, aus dem Sessel heraus den Arzt zu konsultieren.

Gruß
HausarztNord
21.07.2009
14:08:42
hausarzt bre-
men
ich bin etwas bestürzt über die Kollegen, die die Mitteilung einer Handynummer für den absoluten Notfall kategorisch ablehnen, wg. mutmaßlichem Mißbrauch. In entsprechenden Situationen gebe ich meine Nr. weiter und Versuche auch einen "Vertrag" zu schließen, einen Mißbrauch habe ich noch nicht erlebt. Für den patienten ist das sicher besser, als ein eher anonymer psychiatrischer Notdienst.
Allerdings glaube ich auch, das man in der hier geschilderten Situation nichts verhindern konnte, es gibt wohl Menschen die sich solche Pläne zurechtlegen und dann eben auch durchziehen, ohne sich etwas anmerken zu lassen
11.07.2009
08:28:24
Coder
Wenn ich mich so erinnere, sollten Patienten anfangs etwas beruhigendes mit verordnet bekommen(Melperon,Benzo o.ä.), wenn SSRI als Anti- depressivum gegeben werden. Zumal in der Literatur nicht wenige Fälle eines Suizides beschrieben sind.
Das Problem ist das man nie in eine Menschen schauen kann, wie es innerlich wirklich aussieht. Persönlich habe ich eine Krebs- patienten betreut, und er kam immer mit einem Lachen nach außen hin, welches einen wundern ließ. Erst Gespräche mit seinen Angehörigen zeigten uns, dass es von ihm nur so "gespielt" wurde.
Traurig aber wahr ...
08.07.2009
18:06:47
HausarztNord
Hallo Hausärztin Bonn,

ein zum Suizid entschlossener Mensch macht einen Suizid so oder so.
Ich habe einen ehemaligen Rettungssanitäter betreut, der mit Suizidgedanken in die Geschlossene kam. Irgendwann wurde er wieder entlassen, hat dann all seine Medis abgesetzt, gemörsert, aufgelöst, gefiltert und sich dann diesen Cocktail i.v. gegeben.

Wir waren alle schockiert, da er den Kollegen in der Psychiatrie zum Ende der Behandlung wohl ordentlich was vorgespielt hatte.

Ich glaube, da sind wir auch irgendwo machtlos, leider.

Mit Gruß
08.07.2009
14:52:59
Allgemeinärz-
tin
Natürlich schließt der "Vertrag" nicht aus, dass es doch passiert!
Aber man hat etwas gemacht!
08.07.2009
12:26:55
Hausärztin B-
onn
Ich frage mich immer wieder, was es bringt, diesen berühmten "Vertrag" mit einem Patienten für den Fall von konkreten Suicid-Gedanken zu schließen. Ich habe das im Akut-Krankenhaus (Innere Medizin) kennengelernt, aber immer bezweifelt, dass man damit etwas erreichen kann. Ob ein zum Suicid entschlossener Mensch an diesen "Vertrag" denken wird?

Was für Erfahrungen haben die Kollegen damit?
05.07.2009
20:02:41
Christian
Ich bin zwar kein Arzt, habe dieses Medikament allerdings selbst schon einmal genommen.
Ich denke hier sollte nicht vorschnell über die Beweggründe des Patienten geurteilt werden, denn Depressionen sind häufig nicht der einzige Grund für Suizidalität, sondern treten oftmals als Begleiterscheinung anderer schwerwiegender Störungen auf.
Medikamente wie Citalopram bewirken schliesslich neben der Stimmungsaufhellung auch eine starke Angstlösung und Enthemmung.
Vor allem bitte ich die Ärzte, das Potenzial dieses Medikaments nicht zu unterschätzen. Ich habe ebenfalls einen Suizidversuch auf dem Zeug unternommen (30mg) und wurde sogar vorsorglich mit 3mg Lorazepam/d und 75mg Levomepromazin vollgestopft (ohne jegliche Toleranz wohlgemerkt). Hat alles nichts genützt. Ich denke, dass "verbildlicht" auch noch einmal den extremen antriebssteigernden Effekt.
02.07.2009
11:10:26
ostschweizer
Ist ein Patientensuizid ein Behandlungsfehler? Mit den hier geschilderten Umständen sicher nicht! Eine stationäre Behandlung gegen den Willen des Patienten (fürsorgerische Freiheitsentziehung) darf in der Ostschweiz zwar jede/r Hausärztin/arzt für maximal fünf Tage verfügen, allerdings nur, wenn der Patient klare Suiziddrohungen macht, sich davon nicht distanziert und die Untersuchung des Patienten unmittelbar vor der Klinikeinweisung stattgefunden hat.

Persönlich denke ich nicht, dass ein Hausarzt keinesfalls die Handy-Nummer aushändigen soll. Es soll nur klar kommuniziert werden, dass die Nummer nicht weitergegeben werden soll.
01.07.2009
17:50:41
Landärztin
Ich finde es notwendig, sich selber zu hinterfragen.Das tun Sie in höchstem Maße, da Sie sich hier outen.
Sie haben alles so gemacht wie ich es selber getan hätte.Und ich finde alles korrekt abgelaufen- das sagen Sie sich bitte auch selber.
Den anderen Part in der therapeutischen Beziehung trägt der Patient. Das müssen wir ihm überlassen.
Es ist sehr schwer, den Tod eines Patienten nicht persönlich zu nehmen. Das wird unsere Aufgabe als Arzt lebenslang bleiben, falls wir nicht abgestumpft sind.
01.07.2009
17:01:28
Neurologe
Vorwürfe müsste man sich wohl eher machen, wenn die Depression unbehandelt geblieben wäre. Verantwortlich sind wir m. E. vor allem dafür, jemandem der leidet eine vernünftige Behandlung anzubieten. Dies haben Sie ja gemacht, mit einem guten Antidepressivum und noch dazu psychosomatischen Gesprächen. Nicht verantwortlich machen kann man sich letzten Endes für das Glück oder Unglück anderer. Ein Suizid kann leider nicht in jedem Fall verhindert werden, nicht einmal während eines stationären Aufenthaltes auf einer Psychiatrie, da auch die Fachärzte nicht in einen Menschen immer hinein sehen können.
Den Patienten die Handynummer zu geben halte ich für selbstschädigend, da rufen dann eher diejenigen an, die sicher keine Notfälle sind ("mein Kopfweh hat sich jetzt mehr auf die linke Seite verlagert", "soll ich die Schlaftabletten jetzt nach Mitternacht noch nehmen?").
Falls jemand in einer Krise Hilfe benötigt, gibt es rund um die Uhr Institutionen, an die man sich wenden kann. Wenn Ihr Patient jedoch zum Suizid entschlossen war, dann hätte er Ihre Hilfe zu diesem Zeitpunkt ebensowenig in Anspruch genommen.
01.07.2009
16:38:20
horst oswald
die mitteilungen über die "depression" sind nicht ausreichend, reaktiv ? entsprechender auslöser ? partnerkonflikt ? agitiert ? wurden suizidale gedanken geäußert ? wenn nicht, sollte man gezielt darauf ansprechen, und bei entsprech. angaben die initiative ergreifen und einweisen. der patient kam ja auch mit dem problem, er suchte also wohl doch nach hilfe. nach einer ähnlichen erfahrung mit letalem ausgang zu beginn meiner niederlassung bin ich jetzt entschiedener und bestimmender, was nach überwinden der depressiven phase von patienten auch positiv anerkannt wird.
01.07.2009
16:20:59
docnrw
Hat der Kollege aus Bayern noch keine Fachliteratur zum Thema gelesen. Ein Patient, der suizidale Absichten ankündigt, macht dies sehr wohl auch und will nicht nur Aufmerksamkeit erregen. Ist ja interessant wie Sie über vermeintlich Aufmerksamheit erheischende Patienten denken.
01.07.2009
15:39:13
OTS
Es ist schwer, mit dem Schuldgefühl umzugehen.
Ich trage selbst trage daran lange und frage als Konsequenz immer wieder und schließe mit den Patienten/in einen verbalen Vertrag, Bei Suicid-Gedanken und -Impulsen einen Termin auszumachen oder anders Hilfe zu suchen (Klinik)
Ob Händy oder nicht, glaube ich , der Entschluß war schon Tage vorher da.
01.07.2009
11:27:15
Michel Voss
Depressions-Umstände ergänzen! Danke für die Meldung.
01.07.2009
10:54:23
docbayern
Das sehe ich genauso . Wer wirklich einen Suizid vorhat, der macht das auch, und zwar ohne um Hilfe zu rufen. Wer um Hilfe ruft, will sich nicht umbringen, sondern Aufmerksamkeit erregen.
01.07.2009
08:17:06
HausarztNord
Handynummer herausgeben ist auch ein Fehler, vielleicht nicht gegenüber dem Patienten aber auf jeden Fall gegenüber der eigenen Gesundheit.

Ich sehe das genauso wie Allgemeinärztin.

Wer sich wirklich umbringen will, der tut das auch.

Depressionen muss ich schon mit behandeln, da der ambulante Termin für eine psychiatrische Mitbehandlung bei uns zumindestens ca. 6 Monate Terminvorlauf hat.
Vielleicht hätte man ihn stationär einweisen sollen, aber um das zu beurteilen, dazu sind die hier geschilderten Daten zu mager.

Mit Gruß
29.06.2009
15:34:15
Allgemeinärz-
tin
Patienten Handynummer für den Notfall anbieten?! NEVER!
Irgendwann kann man sich dann selbst einweisen -wegen Burn out bei permanenter 24-h-Bereitschaft! Und was ist, wenn man den Handynotruf überhört hat und hinterher feststellen muss, dass sich der Patient umgebracht hat? Macht auch kein gutes Gefühl, oder?

Lieber vorher mit dem Patienten die Ressourcen besprechen und gemeinsam mit ihm festlegen, was er im Notfall tun könnte.

Außerdem: Wenn sich jemand wirklich umbringen möchte, dann schafft er es auch. Wir sollten uns von dem Gedanken lösen, dass wir jeden retten können.
29.06.2009
14:46:01
docmatic
Leider wird die depressive Symptomatik nicht näher beschrieben. Die Handy-Nr. kann ja nur helfen, wenn der Patient auch anruft.
Am schwesten war es für mich, wenn ich eine Suizidneigung vermutete/befürchtete, der Patient aber eine stationäre Behandlung ablehnte.

Ihr Kommentar:


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