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"Rezeptpflichtiges Medikament ohne Rezept..."

Reportnummer:
628
Diesen Bericht erhielten wir aus einer Praxis.
Was ist passiert?
An einem Montag erscheint eine Mitarbeiterin eines Pflegedienstes in der Praxis und bittet um ein Rezept für einen Patienten über Atacand(R)16mg N 1. Der Patient sei am Samstag aus der Klinik entlassen worden. Dort war er zwei Tage wegen Prellungen (Z.n.Sturz, Frakturausschluß) behandelt worden. Dies Medikament sei neu (ich hatte ihm über mehrere Jahre ohne NW Ramipril 10 mg: 1/2 Tbl. verordnet) die Klinik habe 2 Tbl. für das Wochenende mitgegeben. Da der Pflegedienst aber für die gesamte Woche die Tabletten richten wolle, habe die Apotheke eine kleine Packung ohne! Rezept herausgegeben.
Was war das Ergebnis?
Da ich keine Notwendigkeit für eine Umstellung sah, rief ich den Klinikarzt an, der mir bestätigte, dass der Patient keine NW hatte, er aber der Meinung sei, dies Medikament sei besser zur Blutdruckeinstellung geeignet. Außerdem gebe "man immer" Sartane...
Ich habe mich geweigert das Rezept auszustellen, was zu gewissen atmosphärischen Spannungen zwischen der Apotheke und mir geführt hat.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
-keine Daten-
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Da die Medikation durch die Klinik bis Montag gewährleistet war, hätte der Pflegedienst am Montag Rücksprache mit der Praxis halten können.
Die Apotheke sollte keine rezeptpflichtigen Medikamente ohne Rezept herausgeben.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Aufgabenverteilung, ,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
monatlich

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Eine Apotheke gibt an einem Samstag ein rezeptpflichtiges Medikament ohne vorliegendes Rezept an den Pflegedienst heraus.
Am Montag weigert sich der Hausarzt dieses Medikament nachträglich zu rezeptieren, da offensichtlich kein Grund für die Medikamentenumstellung vorlag.

Wie verhalten Sie sich, wenn "nachträgliche Verordnungen" an Sie herangetragen werden?



Kommentare

Hilfe
28.07.2020
09:34:10
Ich habe zahn schmerzen und habe angst vonn Zahnarzt und ich brauche ledermix Tabelle für wurzel schmerzen
02.07.2011
11:59:46
AndererApoth-
eker
@Arzt_3005: Vielleicht sollte ich noch was anführen: Das Vorgehen ist mit den benachbarten Ärzten abgesprochen und es handelt sich um Einzelfälle. Wenn man weiß, dass der entsprechende Arzt das so nicht möchte, bekommt der Patient auch kein Medikament; dasselbe, wenn der Arzt unbekannt ist.

Im Interesse der Compliance wäre es aber gut, das Vorgehen bei solchen Einzelfällen auch in Deutschland auf eine rechtliche Basis zu stellen wie das in der Schweiz der Fall ist (da "JungeApothekerin" "Spitex" schreibt und nicht "Krankenhaus" nehme ich übrigens an, dass sie aus der Schweiz schreibt).

Vielleicht nochmal um Missverständnissen vorzubeugen: Der Regelfall ist "Ohne Rezept kein Medikament!"
01.07.2011
14:55:00
Arzt_3005
Naja, der eine reitet Prinzipien (oder "scheidet Korinthen rektal aus"), der andere sieht die Gesetze zu locker.

Prinzipiell freue ich mich über jeden Apotheker, der mit denkt. Und ärgere mich über jeden Pflegedienst, der so handelt wie beschrieben.

Manchmal möchte ich eine Blutdruckdosierung anpassen, mache das aber erst bei der nächsten Verordnung, wenn das bislang gegebene Medikament aufgebraucht ist. Dan ärgere ich mich doch sehr, wenn - wie auch immer - bei diesem Patienten wieder eine N3 die vorgesehene Umstellung erneut ein Quartal verzögert. Deshalb bin ich bei einer N1 durchaus nicht so eng, bei einer N3 aber durchaus.
29.06.2011
12:46:13
Nichtspezial-
ist
In manchen Arztpraxen gibt es eine sog. "Rezepthotline", welche n u r für Rezepte, Überweisungen u.ä. geschaltet ist und man lediglich auf dem Anrufbeantwortet das gewünschte Medikament bzw. die gewünschte Überweisung usw. spricht. So jedenfalls in einer Praxis am Ort. Wiederholungsrezepte werden ohne lange zu fackeln von der Arzthelferin ausgedruckt und vom Arzt unterschrieben und zwar wie ich selbst erlebt habe anscheinend ohne zu prüfen ob nicht einmal eine Laborkontrolle notwendig wäre. Die Apotheke verkaufte das Medikament dann natürlich auch ohne weiter nachzufragen. Die Unterschrift des Arztes war bei diesen Rezepten mehr oder weniger für die Katz (vielleicht gab/gibt es auch schon unterschriebene Blankorezepte???).
Hilfreich wäre für solche Rezepthotlines evtl. ein EDV-Programm, welches bei Wiederholungsrezepten nur nach Durchführung der lt. Beipackzettel notwendigen Laborkontrollen oder evtl. erforderlicher anderweitiger Kontrollen das Drucken des Rezeptes zulässt Verbesserungsvorschlag. Oder solche Rezepthotlines werden einfach nicht zugelassen, wenn nicht sichergestellt ist, dass der Arzt auch einmal ein Auge darauf wirft was er unterschreibt, denn sonst könnte auch die Apotheke lt. deren Karteikarte die Medikamente einfach verkaufen sobald das Medikament einmal beim Patienten notiert ist und der Patient spart sich den Weg zum Arzt.
29.06.2011
11:12:50
AndererApoth-
eker
@Allgemeinärztin: Sie haben, wie alle hier schreibenden Ärzte, im Prinzip recht: Ohne Rezept gibt es kein Medikament, das ist auch so rechtliche Vorschrift und daran hält man sich als Apotheker auch.

Als Arzt zu wünschen, dass die Apotheke nicht mitdenkt, halte ich aber für kontraproduktiv. Wenn auf einmal beim beta-Blocker 10 mg verschrieben werden und ich kann in der Kundenkartei sehen, dass der Patient seit 3 Jahren immer die 20 mg hatte, frage ich zunächst mal beim Patienten nach, ob der Arzt was von einer Umstellung erzählt hat. Hat er das nicht, rufe ich beim Arzt an und erkundige mich. In der Mehrzahl aller Fälle handelt es sich um einen Schreibfehler.

Was die Abgabe ohne Rezept betrifft: Wenn eine 70jährige Frau in der Apotheke steht, die ihr Blutdruckmedikament benötigt und mir erzählt, dass ihr Hausarzt in dieser Woche im Urlaub ist, aber in 7 Tagen wieder zurück ist und ich aufgrund der Kartei nachvollziehen kann, dass sie den Betablocker schon seit 2-3 Jahren in unveränderter Dosierung bekommt, geht der raus mit der Bitte, das Rezept nachzureichen. Da misch ich mich wirklich nicht in die Behandlungsfreiheit des Arztes ein.
Natürlich kann ich da "Korinthen ausscheiden" und sie auch zur Urlaubsvertretung ihres Arztes schicken, der ihr dann aufgrund der alten Schachtel dasselbe Medikament verschreiben wird. Eine Kundenkartei hat der dann GAR NICHT. Normalerweise wird sie aber dann halt eine Woche ihr Blutdruckmedikament nicht nehmen und dann wieder bei ihrem Hausarzt auftauchen, da ist die Compliance bzgl. ihrer Medikation dann nicht mehr vorhanden. Das scheint aber einigen der unten postenden Ärzte anscheinend egal zu sein, hauptsache der Arzt schreibt das Metoprolol auf und der BÖSE Apotheker mischt sich da nicht ein.

So etwas macht man natürlich nicht bei Benzos (oder anderen problematischen Arzeimitteln), sondern nur bei der Medikation, die regelmässig weiter geommen werden sollte.

Hier geht es wirklich nicht darum, dass man sich als Apotheker in die Behandlungsfreiheit des Arztes einmischen will.

Die Schweiz ist da übrigens weiter: In so einem Fall ist der Apotheker dort auch rechtlich in der Lage, eine derartige Medikation im Einzelfall abzugeben.
29.06.2011
11:07:54
xyz
Selbstständiges (Mit-)Denken anstatt sturer Befolgung von Regeln hat auch schon oft Schaden verhindert...
27.06.2011
10:46:42
Allgemeinärz-
tin
@Junge Apothekerin:
Bedenken Sie, dass Kliniken sehr gern Medikamente umstellen, die dann vom Hausarzt nach Entlassung wieder auf die alte Medikation "zurückgestellt" werden. Aus welchen Gründen auch immer. Es nützt dann auch nichts, zu denken, dass eine Umstellung für nur wenige Tage keinen Sinn mache -auch wenn diese Denkweise vom Prinzip her richtig ist.
Manchmal ist es besser, nicht so viel mitzudenken, sondern sich an Regeln zu halten. Eine Regel lautet: Ohne Rezept keine Herausgabe eines rezeptpflichtigen Medikaments!
26.06.2011
11:24:32
Junge Apothe-
kerin
Ich finde, in diesem Fall wurde der Schwarze Peter zu Unrecht der Apotheke zugeschoben. Ich finde es eher ein bisschen "frech" vom Spitalarzt, einfach die Medikation umzustellen...

Auch ich hätte das Sartan wohl abgegeben. Grund:
a) Falls es die Stamm-Apotheke des Patienten ist: Der Apotheker hat anhand der History im Computer gesehen, dass die BD-Medikation im Spital umgestellt wurde. Da eine Umstellung für nur wenige Tage wenig Sinn macht, hätte auch ich das Sartan zur Fortsetzung der Behandlung abgegeben.
b) Falls der Patient die Medis sonst von woanders hat (SD-Arzt, andere Apotheke): Im Sinne des Patientenwohls zur Fortsetzung der Behandlung würde ich abgeben, wenn Spitexmitarbeiterin mir genau sagen kann, welches Medikament der Patient jetzt neu hat.

Gut, man hätte vielleicht stutzig werden können, wenn die Apotheke gewusst hätte, weswegen die Person im Spital war (wegen etwas, das mit dem Sartan nichts zu tun hatte).

Ich bin noch eine junge Apothekerin und finde es wirklich manchmal schade, dass sich Apotheker und Ärzte oftmals als Gegner sehen. Wir ergänzen uns doch perfekt und ein bisschen Toleranz, wenn von einer Seite die Linie mal kurz überquert wird, würde nicht schaden (das gilt für beide Seiten).
23.06.2011
14:15:07
Ärztin
Ichhabe mit den Apotheken in der Umgebung eine klare Absprache: wenn kein Rezept vorliegt wird kein rezeptpflichtiges Medikament herausgegeben sondern der Patient aufgefordert, ggf. den Notdienst aufzusuchen. Daran halten sich alle und das führt nicht zu Ärger.
22.06.2011
23:51:57
ego
Auch mir ist schon der Kragen geplatzt, wenn eine Apotheke rezeptpflichtige Medikamente am Wochenende ohne Rezept an Patienten abgegeben hat. Ich stelle kein Rezept nachträglich aus, sage den Patienten ganz klar, dass die Apotheke einen Fehler gemacht hat und setze mich auch mit der Apotheke in Verbindung.
21.06.2011
09:00:02
Hausärztin S-
tadt
Ich stimme meinen Vorschreibern völlig zu. Rezeptpflichtige Medikamente nur auf vorliegende Rezept, daher der Name. Leider sieht es im Zweifelsafall immer so aus, als wolle man den Patienten etwas vorenthalten.
Hier ist es wichtig, den Apotheken, mit denen zusammengearbeitet wird, ganz klar zu sagen, dass es nachträgliche Verordnungen NICHT gibt!
21.06.2011
08:48:51
Allgemeinärz-
tin
Hie tragen so einige Schuld und der Hausarzt muss es am Ende ausbaden.

Ich finde es schonmal von der Klinik nicht richtig, ein jahrelang gut laufendes Medikament einfach durch ein anderes zu ersetzen. Und noch mit der Begründung, "man gebe immer Sartane". Zudem hat die Klinik die Tabletten offensichtlich nicht für das gesamte Wochenende mitgegeben. Wieso eigentlich?

Der Pflegedienst (und der Patient auch) hätten wissen müssen, dass hier kein "Notfall" vorlag und die Sache auch Zeit gehabt hätte bis Montag. Ramipril hatte ja der Patient sicher noch zu Hause in der Schublade.

Die Apotheke hat es wohl gut gemeint, aber es war dennoch falsch und das weiß sie auch.

Ich hätte das Medikament auch nicht nachträglich rezeptiert.

21.06.2011
08:34:59
Landarzt
Nachträgliche Verordnungen gibt es bei mir prinzipiell nicht- dies wissen auch alle Apotheken in der Umgebung. In unserem Land gibt es in allen! Landesteilen einen geregelten ärztlichen Notdienst, der sich auch darum kümmert.
Anfangs hatte ich viel Krach mit den Apotheken, mir wurde Verweigerungshaltung vorgeworfen und damit gedroht, die Patienten anzuhalten, einen anderen Arzt aufzusuchen. Dies hat sich aber durch Konsequenz und Klarheit geändert.

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