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"Oval oder rund?"

Fehler des Monats 08.2011


Reportnummer:
634
Dieser Bericht wurde uns aus einer Apotheke berichtete.
Was ist passiert?
Patientin erhält Torasemid Al 20 mg 100 Tab.

Die Patientin wird Mitte des Monats in der Apotheke auf veränderten Hersteller, d.h. verändertes Packungsdesign hingewiesen, da seit Anfang des Monats neue AOK-Rabattverträge gelten.

Ende des Monats legt die Patientin ein weiteres Rezept von demselben Arzt vor über ebenfalls Tora 20 mg.

Die Apotheke fragt bei der Patientin nach.
Es stellt sich heraus, dass die Tabletten des alte Rabattpartners rund waren, die des neuen aber oval. Die Patientin dachte, es wären verschiedenartige Tabletten und sie müsste beide nehmen.
Was war das Ergebnis?
Einnahme von 40 mg pro Tag statt 20 mg pro Tag Torasemid.
Mögliche klinische Folgen sind nicht bekannt.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Komplexität der Rabattverträge.
Verständnisprobleme bei älteren, multimorbiden Patienten.
Unaufmerksamkeit Arztpraxis.
Nicht ausreichende Erklärungen in Apotheke.
Zeitmangel allgemein.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Abweichungen von Rabattverträgen großzügiger gestatten von Seiten der Krankenkassen.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Medikamente, Patient, Arbeit und Umwelt
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
monatlich

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Durch einen neuen Rabattvertrag muss die Apotheke einen anderen Tablettenhersteller auswählen. Die Patientin wird durch die Apotheke auf die veränderte Verpackung hingewiesen.

Durch die auch noch veränderte Tablettenform geht die Patientin von zwei verschiedenen Medikamenten aus und nimmt beide parallel.




Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
11.06.2015
09:55:09
Bruno Pohl
Patient Ich war immer schon skeptisch bezüglich der Verfügbarkeit der Generika. Ich werde in Zukunft noch besser hinschauen und in Zukunft Ärzte und Apotheker mit solchen Fragen nerven. Mich stört vor allen Dingen, dass bei Generika wöchentliche Wechsel möglich sind. Das sieht erst einmal so aus, als ob die Kassen sich aktiv permanent um günstige Preise kümmern. Jetzt habe ich aber den "Verdacht", dass dieses alles nur ein Karussell ist, das vielen Generika-Herstellern ein Verkaufsmöglichkeit gibt. Wenn schon Verträge, dann doch bitte lägerfristig.
11.06.2015
09:51:40
Bruno Pohl
Patient Ich war immer schon skeptisch bezüglich der Verfügbarkeit der Generika. Ich werde in Zukunft noch besser hinschauen und in Zukunft Ärzte und Apotheker mit solchen Fragen nerven. Mich stört vor allen Dingen, dass bei Generika wöchentliche Wechsel möglich sind. Das sieht erst einmal so aus, als ob die Kassen sich aktiv permanent um günstige Preise kümmern. Jetzt habe ich aber den "Verdacht", dass dieses alles nur ein Karussell ist, das vielen Generika-Herstellern ein Verkaufsmöglichkeit gibt. Wenn schon Verträge, dann doch bitte lägerfristig.
06.08.2013
13:45:14
ingeborg rat-
hmann
die profitgier der industrie kennt keine grenzen. sie macht auch vor der pharmaindustrie nicht halt. ca. 80% aller medikamente werden heute in indien oder china hergestellt. die kontrollen, mehr als mangelhaft. gab es in den vergangenen jahren nicht genügend arzneimittel-skandale?
das ganze system ist krank. aus eigener bitterer erfahrung weiß ich, welche entsetzlichen nebenwirkungen gerade bei den neueren, sehr teuren medikamenten auftreten.
hier wäre der gesetzgeber gefragt. (ein hoffnungsloser gedanke) ich gehe sogar noch weiter. ist nicht vielleicht sogar das rapide anwachsen der demenz erkrankungen eine folge irgend welcher medikamente? ein nachweis ist schwer zu erbringen. fest steht nur, daß gerade ältere menschen mit "genügend " medikamenten versorgt werden.
28.12.2011
18:18:11
Stammapotheke
Ein pragmatischer Ansatz, gerade bei eingeschränkter Kommunikation, ist das Aufkleben eines Packungsteils der alten Packung auf die neue (Tesafilm), um die Umstellung für zuhause zu plakatieren (geht auch mit Farbkopien der alten Packung).
Schafft nach unserer Erfahrung Vertrauen, denn die "neue" Packung bleibt ja danach (meist) für länger die Übliche.
17.08.2011
10:23:34
AndererApoth-
eker
@Solandra: Es ist eher unwichtig, ob das Medikament in Deutschland oder in Indien hergestellt wurde. Ein deutscher Hersteller oder Unternehmer hat dafür Sorge zu tragen, dass auch ein Lohnhersteller in Indien vernünftig nach GMP (ein Industriestandard) produziert. Dem kommt er beispielsweise durch Audits (regelmäßige Überprüfungen) nach. Und der Hersteller trägt abschließend die Verantwortung, dass das produzierte Medikament den Vorgaben der Zulassung entspricht.
Wenn man alle Hilfsstoffe, die im Ausland produziert werden, von vorne herein ausschließen würde, braucht man keine Tabletten mehr herzustellen. Nicht jeder Hilfsstoff kann von der deutschen BASF hergestellt werden.

Ein gutes Beispiel für einen ausländischen Hersteller ist auch die Fa. Ratiopharm, die seit 2 Jahren der israelischen Fa. TEVA gehört. Die produzieren sicherlich auch das ein oder andere Medikament jetzt in Israel und verschiffen es dann nach Deutschland.

Ausland ist nicht per se schlecht. Was die Beibehaltung der Generikafirma bei einer Dauermedikation angeht, gebe ich Ihnen aber recht (s. weiter unten).
14.08.2011
19:51:27
ego
Warum soll deklariert werden, wenn das Medikament in China oder Indien hergestellt wird? Entscheidend ist doch wohl die Wirkung und nicht der Herstellungsort!
14.08.2011
18:23:22
Solandra
Das Problem ist doch, dass man den wirklichen Hersteller eines Medikaments nicht kennt, auch wenn auf dem Beipackzettel "Pharmazeutischer Unternehmer und -Hersteller XY" steht. Auch Original-Hersteller verkaufen z.T. ihre Medikamente über eine Tochter als Generikum, um auch dieses Geschäft mitzunehmen. Und in einer anderen Schachtel wirkt das identische Mittel beim Patienten subjektiv plötzlich nicht bzw. anders, weil er einer anderen Verpackung gegenüber misstrauisch ist. Auf der anderen Seite müsste unbedingt deklariert werden, wenn das Medikament in China oder Indien hergestellt wurde.
02.08.2011
22:55:42
tmh
@MFA
Auf "OBEN" verweisen können wir noch seeeehhhhr lange ..... Die haben sich längst entschieden: Sie sind nämlich privat versichert und haben diese Sorgen nicht.

"Aut idem" bei SD-Hormon, Phenprocoumon ja, Rest eher selten.

Ja, die ständige Argumentation kostet Kraft.
02.08.2011
16:16:37
MFA
Das ist ein Problem, welches von oben gelöst werden muss, das Problem darf nicht auf Praxen und Apotheker abgewälzt werden.

Wir können nicht jedem Patienten immer die gleiche Marke verordnen, ohne uns selbst mit jedem Aut-Idem-Kreuz einem möglichen Regress näher zu bringen.

Wir haben uns daher darauf geeinigt: Gerinnungshemmer, Insuline, Schilddrüsentabletten und Diabetiker-Bedarf wird mit Aut-Idem-Kreuz verordnet, alle anderen Substanzklassen nicht. Der Patient bekommt von uns die Info, dass er in der Apotheke auf sein Wunschpräparat bestehen kann, wie das dann mit der Abrechnung / Erstattung aussieht, muss er dann mit seiner Kasse klären.
Außerdem weisen wir Apotheker, die bei uns anrufen, und um ein Kreuz bitten darauf hin, dass die den Austausch selbst wegen pharmazeutischer Bedenken verhindern können, das ist den Apothekern hier in der Region offenbar zu heikel, weshalb sie versuchen, das Problem auf uns abzuwiegeln.
04.07.2011
22:43:59
no name
Auch in unserer Praxis werden mittlerweile nur noch die Namen der Wirkstoffe und die mg Zahl auf das Rezept geschrieben und die Apotheke, mit der wir zusammenarbeiten hat schon häufig aus "pharmazeutischen Gründen" die Abgabe des Rabattmedikaments verweigert. Damit sind wir einem Konflikt Praxis versus Apotheke aus dem Weg gegangen und der Patient bekam das Medikament, mit dem er die besten Erfahrungne gemacht hat.
04.07.2011
00:11:02
XY
Wo ist das Diskussionsforum zu finden?
03.07.2011
22:24:12
Patient
Als Patient muss ich dem ?anderen Apotheker? zustimmen.

Der Unterschied solcher Medikamente besteht eben nicht nur in Form und Farbe. Die Wirkungsweise der diversen Generika ist trotz identischer Dosis oft merkbar unterschiedlich im gewünschten Effekt wie auch in unerwünschten Nebenwirkungen.
Ich nehme Carbamazepin gegen starke Spasmen. Ohne das ?aut idem?- Kreuz erhielt ich in meiner Stammapotheke innerhalb eines Jahres vier unterschiedliche Fabrikate.

Ohne Produktnamen nennen zu wollen: Eines der Präparate versetze mich in einen Zustand lähmender Betäubung, die schon das Überqueren der Fahrbahn zum Risiko machte. Es gibt eine andere Variante, die bei mir einerseits nur minimal die Spasmen löste, jedoch bereits in geringer Dosierung heftige Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen auslöste.

Inzwischen weiß ich, welche Herstellerfirma ich bevorzuge und genau das Medikament lasse ich mir ?aut idem? verschreiben.
02.07.2011
12:14:52
AndererApoth-
eker
@3005: Das Problem ist, dass das leider so nicht stimmt, dass es nur auf den Wirkstoff ankommt. Auch die Galenik ist wichtig.
Substitutiert werden sollen über die Rabattverträge Medikamente, die eine Bioverfügbarkeit von +- 25% verglichen zum Original haben. Wenn man Pech hat, wird aber -25% gegen +25% ausgetauscht. Das ist insbesondere bei Medikamenten mit einer engen therapeutischen Breite ein gefährlicher Unsinn (Herzglykoside, Marcumar, L-Thyroxin, etc.).

Und eine Frechheit ist es, von uns Apothekern zu erwarten, dass wir den Patienten anlügen müssen, so dass wir dem Patienten sagen sollen, dass Medikament B dasselbe ist wie Medikament A, obwohl das nicht der Fall ist (Würden wir das nicht tun, nähme kaum ein Patient mehr seine Medikamente ein).

Das Problem mit der oben beschriebenen doppelten Einnahme von Medikamenten haben wir hier in der Apotheke auch regelmäßig, insbesondere bei älteren Patienten.

Ich möchte als Apotheker die Ärzte mittlerweile durchaus ermutigen, öfters mal "Aut Idem" zu setzen. Und meine Kollegen bitten, öfters von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, aus "pharmazeutischen Gründen" die Abgabe des Rabattmedikaments zu verweigern (dann gibt es das für den Kunden altbekante Medikament, welches 4 ct teuerer ist). Und die Krankenkassen bitten, die Rabattverträge auf einen längeren Zeitraum als 3 Monate abzuschliessen.
01.07.2011
14:40:51
3005
Ich schreibe nur noch die Wirkstoffnamen auf meinen Einnahmeplan und wiederhole nahezu gebetsmühlenhaft die Worte: Der Wirkstoff ist das, worauf es bei Ihrem Medikament ankommt, bitte achten Sie darauf. im Zweifel rufen Sie bitte bei uns an". Meisten funktioniert das dann auch sehr gut.

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