Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
Zum Druckdialog gelangen Sie auch
über die Tastenkombination "STRG" + P.

Fehlerbericht Hauptseite

"Impfungen mit abgelaufenen Impfstoff"

Reportnummer:
652
Diesen Bericht erhielten wir aus einer Praxis.
Was ist passiert?
Es sind mehrere Personen mit abgelaufenem Impfstoff Pneumovax im Juli bei Ablaufdatum 6/2011 geimpft worden.
Was war das Ergebnis?
Für die Patienten keine direkten, jedoch müsste man, um einen korrekten Impfvorgang zu erzielen, erneut impfen, was mit erhöhten lokalem Nebenwirkungsrisiko behaftet ist.
Für die Praxis Ärger mit Angehörigen, die über das Ablaufdatum stolperten.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Weder die Helferinnen noch ich haben auf das Ablaufdatum geschaut. Fehler - trotz eines monatlichen Checks des Impfkühlschranks. Ich selbst habe gar nicht wahrgenommen, dass auf dem Aufkleber (allerdings nur für wenige Produkte) das Ablaufdatum steht und nicht noch mal kontrolliert.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
1) Jede Schachtel erhält mit Permanentschreiber das Ablaufdatum groß aufgeschrieben.

2) Im letzten Monat vor Ablauf wird die Schachtel ggf. erneut gekennzeichnet in rot - und natürlich neu bestellt.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Organisation, Ausbildung und Training, Kommunikation
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Kennzeichnen bzw. dokumentieren Sie bei Ihren Impfstoffen und den anderen in der Praxis verabreichten Medikamenten das Ablaufdatum, wenn ja, wie? Wie oft überprüfen Sie die Ablaufdaten?



Kommentare

Hilfe
24.10.2019
09:38:34
Renate Kirsch
Bei mir ist dies letzte Woche passiert, Ablaufdatum war 8-2018
24.11.2012
21:08:10
123
Bei uns wird immer am Ende des Quartals kontrolliert, welche Impfstoffe im nächsten Quartal ablaufen und die Verpackungen werden entsprechen gekennzeichnet.
Da es aber auch schon einmal vorgekommen ist, dass fasch gekennzeichnet wurde, wird die Ampulle vor der Injektion nochmals geprüft. Ein wenig Aufwand, hat aber dazu geführt, dass seitdem kein uns bekannter Impf-Fehler mehr aufgetreten ist.
19.11.2012
19:40:08
Kosmas
Ich kann die Aufregung nicht verstehen.
Bei vorschriftsmäßiger Lagerung kann Impfstoff nicht innerhalb eines Monats nach Ablauf des aufgedruckten Datums unwirksam werden!
Das Theater um diese Haltbarkeitsdaten ist ein Politikum, keine Sachfrage.

Gleichwohl ist der "Fall" geeignet, den betr. Arzt in juristische Schwierigkeiten zu bringen, wenn ihm denn jemand Böses will.
Daher ist es heutzutage im eigenen Interesse wohl besser, lieber das Gebot der Sparsamkeit zu mißachten, als sich wegen solcher Formalien juristisch angreifbar zu machen. Wenn man dem Patienten nicht 100% trauen kann, lieber den Impfstoff wegwerfen, auch wenn er nur knapp über"m Datum ist - und eine Faust in der Tasche machen.....
23.09.2011
13:11:37
Thomas Müller
@ AndererApotheker
Sowohl Ärzte als auch Apotheker erhalten ihre Approbation unter der Voraussetzung, dass sie auf Grundlage von Gesetzen und der Berufsordnung ihre Fachkunde ausüben. Darin sind sie zwar weisungsfrei aber dies impliziert keine eigenmächtige Auslegung der Rechtsvorschriften. Zudem geht es auch um den Kunden/Patienten, dem sie zwar nicht den Impferfolg aber die korrekte Ausführung - den sogenannten fachärztlichen Standard - schulden.
Eine Impfung nach Ablauf des Verwendbarkeitsdatums stellt keinen fachärztlichen Standard dar. Juristisch betrachtet, kann in keinem Fall damit argumentiert werden, dass der Impfstoff nach Einschätzung des impfenden Arztes sicherlich noch wirksam gewesen sein wird. Dies bekommt u.a. im Rahmen der Beweislastumkehr eine rechtliche Bedeutung, wenn der Kunde trotz (der abgelaufenen) Impfung erkrankt. Dann machte sich dieser impfende Arzt schadensersatzpflichtig und es gibt keine Argumentation die dies juristisch entkräften könnte. Wir alle handeln nicht einem rechtsfreien Raum dessen Auslegung beliebig wäre.
Die Verrechtlichung der Medizin schreitet unaufhaltsam fort. Man kann das gut oder schlecht finden; es bleibt aber eine Tatsache. Die Juristen verstehen daher nicht, warum Ärzte für ihr Handeln zwar Rechtssicherheit fordern, aber, bei fehlerhaftem Handeln, diese Rechtssicherheit dann Auslegungssache sein soll.
Ich würde als erfahrener Impfarzt den Kunden als mündigen Partner behandeln und ihm meinen Fehler anhand der gesetzlichen und arzneimittelrechtlichen Grundlagen mitteilen und mit ihm das weiter Vorgehen besprechen; im Zweifel ihm auch zu einer erneuten Impfung raten.
Dazu ein wichtiger Hinweis. Die Juristen weisen stets darauf hin, dass viele juristische Auseinandersetzungen mit Patienten vermeidbar gewesen wären, wenn der Arzt den Fehler nicht kategorisch abgestritten hätte oder der Patient auf eine Mauer des Schweigens gestoßen wäre. Eine adäquate Kommunikation und ein funktionierendes Risikomanagement reduziert das forensische Risiko.

Thomas Müller
16.09.2011
14:29:11
AndererApoth-
eker
@ThomasMüller:
Sie haben Recht. Medikamente dürfen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums nicht mehr angewendet werden. Dies fordert das Arzneimittelgesetz. Es handelt sich nicht um ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Daher hätten diese Packungen auch niemals gespritzt werden dürfen.

Nichtsdestotrotz ist dies jetzt nun mal unabsichtlich geschehen und lässt sich nicht rückgängig machen. Der "Rechtsverstoß mit zivil- und strafrechtlicher Konsequenz" ist also schon da.
Wenn man jetzt vernünftig mit der Sache umgehen möchte, kann man sich entweder überlegen, ob es Grund zu der Annahme gibt, dass das Medikament trotzdem eine Wirksamkeit hat (was ich bejahen würde). Oder man geht die rechtliche Kiste und injiziert dem Patienten erneut eine Dosis mit entsprechenden Nebenwirkungen, selbst wenn die Impfung am 1.7.2011 war und die Packung am 30.6.2011 abgelaufen ist.

Ich denke, dass zur Beurteilung solcher Sachverhalte die Fachkenntnis von Ärzten und Apothekern ausreichen dürfte. Dafür haben beide Berufsgruppen studiert und eine Approbation erhalten.
14.09.2011
12:19:31
Thomas Müller
@ AndererApotheker
Ihre Aussage zum Thema Impfstoffhaltbarkeit und "Sicherheitsspanne" verwundert mich sehr. Ich gehe davon aus, dass Sie Apotheker sind und darüber informiert, dass Medikamente kein Haltbarkeitsdatum besitzen sondern ein Verwendbarkeitsdatum. Im Lebensmittelrecht gibt zwar es eine Sicherheisspanne, das es sich um Mindesthaltbarkeitsangaben handelt. Im Arzneimittelrecht ist ein Verbrach nach Ablauf des aufgedruckten Verwendbarkeitsdatum ein Rechtsverstoß mit zivil- und strafrechtlicher Konsequenz. Es gibt daher keinen Hersteller, der Ihnen eine Verlängerung des Verbrauchsdatums zugesteht. Die Behauptung es gebe Studien, die eine Sicherheitsspanne rechtfertigen stimmt nicht. Denn diese dienen ausschließlich dem Zweck das nach AMG geforderte Verbrauchdatum zu ermitteln.

Thomas Müller
02.09.2011
13:31:43
3005
Ein dicker Filzschreiber genügt. Dann auf die Packung gut lesbar das Ablaufdatum drauf, So merkt selbst der blindeste Azubi beim Herrichten, dass das Datum abgelaufen ist (Wobei der Azubi da meist genauer schaut als die alt gediente und routinierte Kraft).

Vorlesen des Impfstoffes in Anwesenheit des Patienten ist eine richtig gute Sache !

18.08.2011
12:56:43
Simplicissim-
us
Das ist mir auch schon passiert: seitdem wird unmittelbar vor der Impfung die Spritze bzw das Fläschchen kontrolliert. Derjenige der impft trägt die Verantwortung. Da wird nachgesehen wie der Impfstoff heisst (Ist es auch der richtige?). Dasselbe noch einmal verständlich für den Patienten, zB "so, dies ist die Impfung gegen xxxx" und ein Blick auf das Ablaufdatum. Das hört sich kompliziert an, dauert aber in der Praxis keine 5 Sekunden. Seit Einführung dieser einfachen Massnahme hat es in unserer Praxis keine Fehlimpfungen mehr gegeben. Davor schon!
08.08.2011
18:01:04
AndererApoth-
eker
@ich:
Im Wesentlichen ist es die Umsetzung dessen, was in der modernen Apotheke Standard ist. Bei 5000-10000 Lagerartikeln muss da eine effiziente Haltbarkeitskontrolle rein. Das passiert dort so, dass die Ware beim Eingang eingescannt wird und das Programm automatisch die Eingabe des Haltbarkeitsdatums verlangt. Einsortiert wird das dort von der PKA in die Schublade so, dass die neue Ware (mit der längeren Haltbarkeit) weiter hinten in der Schublade einsortiert wird. Apotheker und PTA wissen, dass sie dann in der Schublade nur das vorderste Medikament (das ist das mit dem kürzesten Haltbarkeitsdatum) entnehmen dürfen ("First in-First out").
Alle 2-3 Monate druckt man sich dann durch die EDV die Liste mit den Medikamenten aus, welche verfallen und sortiert diese Medikamente aus der Schublade aus.

Eventuell lässt sich das (im kleinen Maßstab) auf die Arztpraxis für den Praxisbedarf übertragen, über Excel sollte sich das leicht realisieren lassen. Falls die Praxissoftware das nicht unterstützt, wäre das doch auch eine Anregung an den Softwarelieferanten für das nächste Update.

Eine Idee wäre es auch, bei nem befreundeten Apotheker sich das mal kurz in Natura zeigen zu lassen. Ich würde da bei einer Apotheke schauen, die das POS-Verfahren ("Point of sale") anwendet. Falls die Apotheke noch "Kärtchen zieht" (Lochstreifenkarten), wenn ein Medikament abverkauft wird, ist es das andere Verfahren, welches hoffnungslos veraltet ist.

Was die Doppelimpfung angeht: Da würde ich kurz bei MSD anrufen und mir dort die Bestätigung schriftlich geben lassen, dass das Medikament trotz 4wöchigem Ablauf noch wirksam ist, dann ist man da auch rechtlich auf der sicheren Seite. Die haben aus Studien zu 100% dazu gesicherte Daten vorliegen. Und Haltbarkeitsdaten werden nie so gewählt, dass man den letzten Zeitpunkt der Haltbarkeit erwischt, da ist ne Sicherheits-Spanne drin.
08.08.2011
12:03:02
ich
@AndererApotheker
Ihre Vorschläge finde ich sehr gut, insbesondere die Idee mit der Eingangstabelle.

Der Berichtende sagt aber nicht, dass er alle Pat. erneut impfen will, er schreibt "...jedoch müsste man, um einen korrekten Impfvorgang zu erzielen, erneut impfen..." Ich habe das so interpretiert, dass er, wohl mögliche Impfreaktionen als potentielles Risiko sehend, dies nur als eine Möglichkeit sieht.
08.08.2011
11:44:57
AndererApoth-
eker
Natürlich sollte es nicht passieren, das Arzneimittel verabreicht werden, die nicht mehr haltbar sind. Durch regelmäßige Kontrolle (mindest. vierteljährlich) des Lagerbestands durch die MFA lässt sich das vermeiden (alles was kürzer haltbar ist als 3 Monate fliegt aber dann auch raus!). Zusätzlich wäre ein Vorschlag, beim Wareneingang im Rechner das Ablaufdatum eines Medikaments zu protokollieren. Falls die Praxissoftware das nicht hinbekommt, kann man das auch über eine gewöhnliche Exceltabelle machen und sich durch Excel warnen lassen, wenn das eingegebene Ablaufdatum kürzer als 1 Monat entfernt ist.

Was ich aber überhaupt nicht verstehe: Warum impft der Arzt jetzt alle Patienten nochmals durch? Pneumovax ist laut Fachinformation 28 Monate haltbar. Das Medikament ist am 31. Juni 2011 abgelaufen, es wurde max. 4 Wochen später injiziert. Da ist ein vollständiger Impfschutz gegeben.
Und falls der Arzt das seinem Apotheker nicht glaubt, dann kann er sich da bei der Med.-Wiss.-Abteilung bei Sanofi Pasteur MSD erkundigen. Für so etwas werden Haltbarkeitsstudien durchgeführt, die Information bekommt er dort auch schriftlich. Warum eine erneute Impfung mit der potentiellen Möglichkeit zu Impfreaktionen?

Ihr Kommentar:


Name:
Kommentar: