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"Thromboseprophylaxe nach Klinikaufenthalt"

Reportnummer:
668
Diesen Bericht erhielten wir aus einem Krankenhaus:
Was ist passiert?
Eine Patientin war am Knie (TEP) operiert worden. Sie wurde nach 14 Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Dort wurde Heparin s.c. verabreicht. Nach Hause wurde sie ohne Heparinspritzen entlassen. Im Entlassungsbrief stand, es solle bis zum Erreichen der vollen Beweglichkeit eine Forführung der Antikoagluation durchgeführt werden. Außerdem stand im Brief, dass sie an Unterarm-Gehstützen gut mobilisiert und Vollbelastung möglich sei. Der Patientin wurde im Krankenhaus nicht gesagt, dass sie weiterhin Spritzen bekommen sollte. Der Hausarzt hat keine Thromboseprophylaxe angesetzt.
Was war das Ergebnis?
Die Patientin erlitt eine Lungenarterienembolie.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Diskrepanz zwischen Entlassungsbrief und Entlassungsmanagement der Klinik wurde nicht hinterfragt.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Anruf in der Klinik zur Klärung, ob weiter Antikoagulation erfolgen soll.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Ausbildung und Training, ,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Laut Entlassungsbrief sollte bei einer Patientin die Thromboseprophylase nach der Klinikentlassung fortgeführt werden.

Aufgrund unserer Rückfragen haben wir noch weitere Informationen erhalten:
Der Hausarzt kam zu dem Schluss eine medikamentöse Thromboseprophylaxe solle nicht weiter geführt werden, da die Patientin keine Aufklärung über eine Fortführung und keine Thrombosespritzen zur Überbrückung bis zur hausärtzlichen Vorstellung mitbekommen hatte. Alle anderen verordneten Medikamente waren der Patientin in ausreichender Menge (bis einschließlich Dauer der geplanten Rehabilitationsmßnahme) in einer Tüte mitgegeben worden. Auf die Frage ob sie noch etwas verschrieben brauche, antwortete sie mit nein.





Kommentare

Hilfe
26.05.2019
12:22:00
Martha
Ich habe Ähnliches erlebt: Nach Hüft-TEP und anschließender REHA erfuhr ich im Enlassungsbrief der REHA, dass ich noch ca. eine Woche lang Heparin spritzen muss. Mein Hausarzt praktiziert nicht in unmittelbarer Nähe, so dass ich nicht am selben Tag dort erscheinen konnte. Es kostete ihn und mich sehr viel Mühe, dass die Apotheke das gefaxte Rezept "ausnahmsweise" akzeptierte, dann aber eine sofortige Nachlieferung des Originalrezeptes forderte. Nach weiterer telefonischer Rücksprache des Arztes gelang es schließlich, das Rezept erst etwa vier Tage später nachzuliefern. Man müßte eigentlich bereits vor der OP wissen, welches Prophylaxe-Mittel in welcher Dosierung weiterverwendet werden muss. Dann kann man es vorher besorgen.
10.08.2018
16:58:34
Marylou
Ich bekam am 11.7.2018 ein künstliches Hüftgelenk und spritze seitdem clexane 40 mg. Wielange muss ich denn noch spritzen.

Seit 2 Tagen muss ich Xarelto 20 mg einnehmen. Wie lang soll das denn so gehen.
Bitte um Rat
Marylou
25.01.2014
23:22:05
P.K. 25.01.2-
014
Meine Mutter (84 Jahre) bekam am 08.01.2014 eine Knieprothese.
Während ihres 14-tägigen Klinikaufenthaltes spritzte man ihr Clexane 40mg. Im Entlassbrief der Klinik wurde darauf hingewiesen, dass die Patientin über 5 Wochen ein niedermolekulares Heparin, sprich Clexane o.a., bekommen soll. Der Hausarzt meiner Mutter enthielt eine Kopie des Entlassbriefes, der an die Reha adressiert war. Allerdings lagen zw. KH-Entlassung und Heilanschlussbehandlung 7 Tage.
Meine Mutter ist nicht nur durch ihr Alter massiv bewegungseingeschränkt, sondern auch durch diverse andere Erkrankungen. und: sie ist in höchstem Maß Thrombosegefärdet.
Warum hat der HA seiner Patientin kein Clexane verordnet? Ganz einfach: er hat schlichtweg den Entlassbrief nicht gelesen. Sei es nun aus Überforderung oder Desinteresse. Und meine Mutter hat den Brief zwar gelesen, konnte aber mit der Bezeichnung niedermolekulares Heparin nichts anfangen.
13.11.2013
13:58:59
V.A.
Mein Vater ist nach einer Leistenbruch OP am anderen Tag ohne Mitgabe von Heparinspritzen trotz Hinweis darauf das er schon mal eine Trombose hatte entlassen worden. Mit der Begründung er bewege sich ja. Das Gleiche hat uns dann auch der Hausarzt mitgeteilt nach Verlangen der Heparinspritzen.
Drei Tage später lag er mit einer Lungenembolie im Krankenhaus. Muß das sein?
08.03.2012
20:13:06
78910
Also neulich hat eine Patientin über das Wochenende die Spritzen mit nach Hause bekommen bei Entlassung. Dann spart man sich die Problematik am Wochenende.
06.01.2012
19:57:54
HE
niedrig dosierte Heparingabe wird
gerne "für alle fälle" von den kliniken empfohlen.
Bei ausreichender Mobilisaton - von der man sich
als Hausarzt selbst überzeugen sollte -,
werde ich nach den "allgemeinen Risikokriterien"
(Alter, Gewicht, Gefäss-Status, begleit. Krankheiten usw. (hat man meistens sowieso im Kopf)) entscheiden u n d dokumentieren
ob Heparin ja oder nein.
29.12.2011
15:28:40
Stefan Bilger
Eine Thromboseprophylaxe nach Hüftgelenks-TEP muss in der Regel länger als 14 Tage durchgeführt werden. Daher halte ich es auch für falsch, sich bei einer so wichtigen, therapeutischen Entscheidung alleine auf den (oft unvollständigen) Entlassbrief Klinik zu verlassen. Häufig gibt es auch den umgekehrten Fall einer überzogenen Therapieempfehlung (Heparin bei banaler Erkrankung). Bei Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren (Übergewicht, Rauchen?) wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen.

Nicht alle genannten Vorschläge sind praxisgerecht. Die Entscheidung über Notwenidkeit und Umfang der Weiterbehandlung kann nicht der Patient treffen. Als Hausarzt kann man nur den Patienten bei jeder Gelegenheit nahe legen, direkt nach Entlassung mit dem Arztbrief vorbei zu kommen. Die Verantwortung für die ambulante Weiterbehandlung liegt ausschließlich beim niedergelassenen Arzt (daher kann das Krankenhaus auch kein Rezept ausstellen). Allerdings sollten die Krankenhäuser auch ihr Entlassmanagement verbessern, damit der Hausarzt tatsächlich erreicht werden kann.
07.12.2011
14:41:52
H.K.
Ich bekomme in letzter Zeit, vor allem von chirurgischen Abteilungen. überhaupt keine Entlassungsbriefe mehr. Höhepunkt letzte Woche war ein Schmierzettel mit ein paar Medikamentennamen drauf ohne Patientenname, Dosisangaben oder Unterschrift (war von der Schwester geschrieben).
Beschwerde beim Chefarzt. Antwort: "Da waren halt grad alle im OP". Unglaublich!
18.11.2011
13:10:34
AndererApoth-
eker
@123455: Zur Not tut es auch bei einem Kassenpatienten in der Apotheke ein Privatrezept, also ein Zettel DIN A 5 mit Stempel, Unterschrift und Medikament. Das sollte jeder Arzt mit Approbation ausstellen können und hat den Vorteil, dass wir das Medikament dann abgeben dürfen. Das ist insbesondere bei einer Entlassung am späten Freitag Nachmittag empfehlenswert, wenn der Patient nicht mobil ist und daher seinen Hausarzt nicht mehr erwischt. Das Kassenrezept kann der Patient ja dann gerne zur Abrechnung mit der Kasse am Montag nachreichen, wenn er bei seinem Hausarzt war.

Ich spreche da auch die Problematik an, dass man sich in der Apotheke jedes Mal das Ohr in die Klinik wund telefoniert, wenn am Freitag Abend ein Patient mit der Nachfrage nach Heparin in der Apotheke steht.
17.11.2011
23:20:36
123455
@R.S. Soweit mir bekannt dürfen nicht alle Kliniken Rezepte, insbes.für Kassenpatioenten, ausstellen...
17.11.2011
22:48:11
R.S..
Man hätte der Patientin selber erklären müsse, daß sie weiterhin die Heparin Spritzen benutzen müsste. Die Klinik hätte bei der Entlassung der Patientin ihr gleich ein Rezept für weitere s.c. Heparin Spritzen mitgeben können, so daß sie sich das gleich in der Apotheke geholt hätte.

Ebenfalls vorbeugend gegen Thrombose ist auch das Anlegen von ATS Strümpfen und Bewegungsprophylaxe.
15.11.2011
21:54:32
Aktuell
@A.Z.
Ganz genau so ist es, das wir als Patienten meinen, dass wir unsere Entlassungsbriefe oder Befunde nicht lesen dürfen. Uns wurde der Entlassungsbrief in verschlossenem Umschlag überreicht, adressiert an den HA und mir wurde gesagt, dieser Brief sei für den Arzt und wir sollen ihn dort abgeben.
Andererseits nützt es auch nicht viel diese Briefe zu lesen, denn die Fachausdrücke (Ärztelatein) sagen uns nicht viel.
Notwenig wäre auf alle Fälle, dass man ein Entlassungsgespräch, bei älteren Patienten auch unter Einbeziehung der/des Angehörigen führt und auf die notwendige Weiterbehandlung aufmerksam macht. Ein solches Gespräch wird in einer Krankenhausdokumentation meist aufgeführt - auch wenn es gar nicht stattgefunden hat, wie ich selbst erlebt habe.
15.11.2011
20:12:37
A.Z.
Wahrscheinlich hat sich die Patientin nicht sofort nach der Klinikentlassung an ihren Krücken zum niedergelassenen Arzt aufgemacht. Man hatte ihr ja nicht mitgeteilt, dass dies notwendig sei. Alles Notwendige stand schließlich im Arztbrief.

Leider glauben immer noch viele Patienten, sie dürften Entlassungsbriefe nicht lesen, da sie an den behandelnden Arzt gerichtet sind. Dazu trägt die Praxis des Umschlag-Zuklebens deutlich bei.

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