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"Husten/Lungenembolie"

Fehler des Monats 10.2012


Reportnummer:
703
Diesen Bericht erhielten wir aus einer Praxis.
Was ist passiert?
Eine Patientin erhält einen Termin und berichtet: Seit mehreren Wochen bestehe trockener Husten, Rhinorrhoe, Kopfschmerz, Luftnot nach wenigen Schritten, kein Fieber.

Auf Nachfragen: Keine Allergien, keine Gewichtszunahme, keine Beinödeme, keine Nykturie.

Körperlicher Befund: Leichte Dyspnoe nach wenigen Schritten, BMI: 45, hustend, Rachenring blande, P. frei (soweit bei Adipositas permagna beurteilbar), Lungenfunktion: PEF 76% des Sollwertes, nach 2 Hüben Salbutamol: Anstieg auf 87% (Verbesserung um 15% in Relation zum Ausgangswert), auf Nachfragen: keine Dyspnoe mehr, die Patientin hat weiterhin Husten. Ein CRP-Schnelltest zeigt einen Normwert an, der Röntgen-Thorax zeigt einen Normalbefund.
Was war das Ergebnis?
Am Folgetag kollabiert die Patientin aufgrund einer fulminanten Lungenembolie, muss vom Notarzt auf die Intensivstation gebracht werden.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Vom Arzt wurde eine leichte reversible Obstruktion durch den leichten Atemwegsinfekt festgestellt. Der Bronchospasmolysetest war positiv. Möglich ist, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine mittelgradige Lungenembolie hatte, so dass vermutlich zwei verschiedene Diagnosen die Dyspnoe bedingten.
Die Patientin hatte nicht von sich aus von den seit mehreren Wochen bestehenden Beinschmerzen berichtet weil die Schmerzen am Tag der Konsultation besser waren. Die Patientin hatte selbst zuvor an Thrombose gedacht zumal sie seit kurzem die "Pille" wieder eingenommen hatte.
Hätte der Arzt nach dem Ort des Urlaubes gefragt, hätte er erfahren, dass die Patientin mit dem Auto mehrere Stunden gefahren war und bereits dort die Beinschmerzen hatte. Die Diagnose tiefe Beinvenenthrombose hätte vermutlich gestellt werden können, in der Folge dessen hätte man auch nach einer Lungenembolie als Ursache der Dyspnoe gesucht.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
RR-Messung und EKG unterblieben, weil die reversible bronchiale Obstruktion und der positive Bronchospasmolysetest für den Arzt eine schlüssige und in Kombination mit dem hohen BMI ausreichende Erklärung für die Dyspnoe waren.
Die Angabe "Urlaub" hätte zu den Fragen "Hatten Sie eine lange Flug- oder Autoreise?" oder "Wo waren Sie im Urlaub?" führen sollen. Auch die offene Frage "Haben Sie noch andere Beschwerden?" hätte unter Umständen die Cofaktoren Beinschmerz / Thrombose und Hormon-Therapie zur Sprache gebracht.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Kommunikation, Patient,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen





Kommentare

Hilfe
11.01.2019
19:53:24
Pelo
Ich hatte 1980 Embolie bedingten Husten, der weder durch den Hausarzt, noch durch den Lungenfacharzt richtig behandelt wurde. Es hilft eben nicht Antibiotika, sondern gerinnungshemmende Mittel. Dann kam noch eine lebensbedrohliche Embolie dazu, die als vorübergehende Störung des Herzens diagnostiziert wurde und inzwischen nicht mehr nachweisbar war.
Als dann die Thrombose sichtbar wurde und mit Aspirin behandelt wurde, ging der nicht therapierbare Husten weg. Von der Embolie habe ich erst beim Röntgen durch die Gefäßchirurgen erfahren.
Warum schreibe ich heute noch von so alten Geschichten? Weil ähnliches kürzlich meiner Freundin passiert ist und die gleichen Fehler sich 38 Jahre später immer noch wiederholen. Sie hatte Hustenanfälle, die auf herkömmliche Mittel nicht ansprachen. Ich war mit ihr bei ihrem Hausarzt und habe von meinem Beispiel erzählt und ob bei ihr etwas Ähnliches vorliegen könnte. Bis zum Vorschlag gerinnungshemmende Mittel versuchsweise einzusetzen ließ er mich gar nicht kommen. Ich wurde abgekanzelt und erreichte kein Ergebnis. Danach kam meine Freundin ins Krankenhaus. Hier wurde unter anderem eine zu starke Entwässerung festgestellt. Wie alle liegenden Patienten bekam meine Freundin hier Thrombosespritzen und der Husten besserte sich. Als sie wieder zu Hause war, war der Husten ganz weg, doch das hat keinen interessiert.
Die Diagnostik über das Blut Thrombose festzustellen, hat bei mir nichts angezeigt. Ich stelle mir das so vor, wie wenn die Dohlen ein Nest im Schornstein bauen. Zunächst fällt viel Baumaterial durch, bevor das Nest dicht wird. Dies ist vergleichbar mit kleinen Blutgerinnseln, die die Lunge verstopfen und den Husten verursachen, der sehr schwer diagnostizierbar ist. Deshalb mein Vorschlag:
Bei nicht therapierbarem Husten versuchsweise Gerinnungshemmer für eine Woche einsetzen.
Neben diesen zwei betroffenen Personen kenne ich noch zwei weitere Fälle aus meinem Bekanntenkreis, wo auch nicht erkannte oder zu spät erkannte Thrombose vorlag. Beide Personen sind daran gestorben.
Wie hoch muss die Dunkelziffer sein, wenn ich allein 4 Personen mit nicht rechtzeitig erkannter Thrombose kenne. Hier ist dringender Handlungsbedarf angezeigt!!!

25.11.2017
14:27:00
Patient
Von 2 Ärzten nicht ernst genommen,trotz Embolie in der Anamnese.2 Tage später wegen Bluthusten ins Krankenhaus gefahren, Zentrale Lungenembolie und TVT.
Einmal D Dimere abgenommen,ist das zu viel verlangt?
11.03.2015
12:19:25
Allgeminärzt-
in
Auch wenn es länger her ist.
Mir ist etwas ähnliches passiert vor Jahren.
Pat. Mitte 30 kommt und klagt über verzögerte Heilung von grippalem Infekt. Hat Husten, Ananmnes ergibt keinen Hinweis auf Thrombose. Pat. noch realtiv gut belastbar aber dennoch Leistungsknick. Spastische Rg, pos. Obstruktionszeichen im Spiro,
EKG!!! unauffällig. Allergianamnese positiv, wir hatten Frühjahr. Unter entsprechender Medikation (Brochospasmolytikum) wird Husten bessr. Patient kommt nach 2 Wochen wieder und gibt an, sie wäre schlechter belastbar. Vorstellung beim Cardiologen !!!
Verdacht auf Herzmuskelentzdg. Pat arbeitet weiter -Büro- da sie noch in Probezeit ist. Entgegen ärtzlichem Rat. Kommt zur EKG Kontrolle 2 x wöchentlich, EKG wird Cardiologie immer gefaxt.
Dann Montags Patientin geht es deutlich schlechter, Ruhedyspnoe, Tachycardie. Möchte Pat, aus der Praxis in die Klinik einweisen. Pat möchte erst noch Heim. Gebe Einweisung und Transportschein mit. Pat geht erst abends!! in die Klinik, dort wird aber auch erst am übernächsten Tag eine rez. Lungenembolie diag. Keine Thromb aber ein Gerinnungsfehler.
Ach ja, Patientin war sogar vorher noch bei Lungenfacharzt. Der die obstruktive Lungenerkrg. bestätigte.
Pat. wird von Klinikarzt angeraten zu klagen. Sie verklagt mich, den Cardiologen und Lungenfacharzt. Ein Gutachter ist der Ansicht, dass man die Embolie schon früher hätte erkennen müssen. Wie ohne andere Zeichen???
Das ganze Verfahren wird nach 3 Jahren eingestellt. Hat Nerven gekostet. Ach ja, mir wurd im Besonderen vorgehalten, dass ich die Patientin noch habe Heim gehen lassen !
10.03.2013
13:34:06
QM-Beauftrag-
ter
Der Bericht ist gut und sollte zum Nachdenken anregen.

Die Kommentare sind allerdings sehr typisch für die deutsche "Fehlerkultur" CIRS wurde mit nichten Verstanden.

Es geht nicht um die Schuldfrage! Es geht darum wie sollche Fehler vermieden werden können. Es geht um ein Bewusstsein, dass nicht immer die erstbeste Diagnose die Richtige ist. Es geht um kontinuierliche Verbesserung,....

Aber der Reflex der Verteidigung ("Da ist doch gar kein Fehler...")
ist halt doch stärker.

Wegen dieser Ignoranz und Starrköpfigkeit (Keinesfalls nur der sog. Götter in Weiß) sterben Menschen!!!
08.10.2012
10:07:17
klinikarzt
In Bezug auf "Old Boy Jochem": Wenn ich schon feststelle, dass ich nicht kompetent genug bin, eine Meinung zu haben, dann halte ich mich auch mit Kommentaren zurück!! Der Kollege hat eben keine gravierenden Fehler gemacht, sondern gründlich und den Befunden entsprechend gehandelt.
Die Patienten müssen auch mal verstehen, dass es sogenannte schicksalhafte Verläufe gibt, wo eben keine Möglichkeit besteht, etwas am Verlauf oder Eintreten einer bestimmten Situation zu ändern!
So kann man z.B. im Krankenhaus einen Herzinfarkt erleiden und sogar daran sterben, ohne dass Fehler gemacht wurden!
05.10.2012
15:01:22
Ärztin
Eine "Schuld" kann ich bei dem Bericht nicht beim Arzt sehen. Er hat doch gut die Beschwerden abgeklärt und auch eine Erklärung gefunden. Wenn ich eine reversible Obstruktion diagnostizieren, dann denke ich nicht mehr an eine Embolie.
05.10.2012
11:01:45
Stadtarzt
Ich hätte auch so gehandelt, nachdem der Lysetest so ausgefallen ist. Es kann doch gar nicht gesagt werden, dass die Beschwerden beim Praxisbesuch bereits Zeichen der Thrombose/Embolie waren oder ob schicksalhaft die Embolie danach aufgetreten ist.
05.10.2012
09:30:20
Old Boy Joch-
em
Da ich kein Arzt bin, sondern nur ein Rentner kann ich dazu nichts sagen.
Mir fehlt das Fachwissen.
Deshalb muß ich mich auf meinen Arzt verlassen können. Ich muß davon ausgehen daß er alles tut um mir zu helfen.
So wie sich Ihr Bericht liest, muß dieser Arzt grawierende Fehler gemacht haben. Das hätte für die Patientin tödlich ausgehen können.
Old Boy Jochem

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