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"Schnittstelle - "Histologie folgt""

Fehler des Monats 12.2014


Reportnummer:
768
Diesen Bericht erhielten wir aus einer Hausarztpraxis.
Was ist passiert?
Ein 55-jähriger Patient wird zur Abklärung von anhaltenden Oberbauchbeschwerden in eine Klinik eingewiesen.
Nach Diagnostik (Gastroskopie) erfolgt die Entlassung mit dem Hinweis "Histologie folgt" und der Medikationsempfehlung:
Omeprazol 40 mg: 1 - 0 - 0 im Kurzarztbrief.

Pat. erhält Rezept und kommt nach vier Wochen erneut in die Praxis, da die Beschwerden nicht nachgelassen hätten.

Mir fällt auf, dass der endgültige Arztbrief nicht vorliegt, deshalb Anruf in der Klinik und Anforderung des Histologie-Befundes und des endgültigen Arztbriefes.
Histobefund wird gefaxt, dort zeigt sich ein Helicobacter-Befall.
Ich leite sofort eine Eradikationstherapie ein und der Patient wird beschwerdefrei.

Der endgültige Arztbrief kommt nach weiteren sechs Wochen...
Was war das Ergebnis?
Verzögerte Therapieeinleitung, unnötige langanhaltende Beschwerden beim Patienten.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Hier kann ich nur vermuten:
- kein Management für Diagnosen, die dem Hausarzt nachträglich von der Klinik mitgeteilt werden sollten?
- Überlastung des Schreibbüros?
- Überlastung des Klinikarztes?
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Ich habe mit dem Oberarzt telefoniert und dieser gelobte Besserung.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Organisation, Kommunikation, Aufgabenverteilung
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

"Besserung geloben" ist keine nachhaltige Strategie zur Vermeidung von unerwünschten Ereignissen. Das Potential zur Fehlerprävention liegt in der Prozessanalyse und Optimierung der Abläufe. Hier gibt es sicher Verbesserungspotential seitens der Klinik und der hausärztlichen Praxis.

Zu diesem Fall gibt es auch einen ausführlicheren Gastkommentar. [link]



Kommentare

Hilfe
18.09.2016
00:35:05
Dr. Wurst
Leider haben wir es auch hier immer wieder, dass endgültige Arztberichte und Histologie-Befunde aus Kliniken sehr zeitverzögert oder gar nicht ankommen. Nicht selten standen wir vor dem Problem, dem Patienten erst um Monate zeitverzögert mitteilen zu können, dass seine Gewebebefunde weiter abklärungs-/ therapiebedürftig sind. Wir haben hier ein "selbstgebautes" Wiedervorlagesystem eingeführt, welches zeitnah an das Nachfassen erinnert.

3005: Das Einholen von Befunden auf den Patienten abzuwälzen, ist m.E. nicht zielführend. Die Kollegen aus den Kliniken tun sich regelmäßig schwer, Unterlagen an den Patienten auszuhändigen. Und man kann auch nicht den fachlichen Überblick voraussetzen. Viele Patienten gehen implizit davon aus, wenn sich niemand meldet, ist alles in Ordnung. Das kann zu gefährlichen Missverständnissen führen. Ich behaupte einmal, so mancher pathologischer Befund, von denen weder behandelnder Arzt noch Patient weiß, schlummert auf deutschen Klinikservern.
03.12.2014
23:16:54
3005
Der Gastkommentargeht meines Erachtens recht weit !! Es muss ja nicht unbedingt Aufgabe des Hausarztes sein, einem Helicobacterbefall Energie zu widmen. Klar kann man so etwas machen und auch so viel Service anbieten.

Ich denke dennoch, dass wir die (teure) Energie unserer Mitarbeiter(innen) nicht mit solchen Dingen "verplempern"sollten. Es geht auch einfacher: Den Patienten bei ausstehendern Befunden 2 Wochen später erneut einbestellen, ihn dann selbst in die Klinik schicken, um seinen Befund abzuholen. Zumal bei solchen Patienten die Beschwerden vor der Gastroskopie in den seltensten Fällen erst seit 2 Tagen bestanden .... Lebensgefährlich ist der Fall auch nicht.

Für andere Situationen (z.B. denkbare Diagnose Krebs ungeklärt) kann man ja im Terminkalender (Papier oder digital) eine Notiz anbringen, die die MFA daran erinnert, dass man hier aktiv werden muss.

Ein paar Pflichten hat auch der Patient - ich möchte hier nur einmal an die Mitwirkungspflicht zur Gesundung erinnern !!

Damit möchte ich nicht schlampigen Abteilungen / Arztkollegen das Wort reden - einen Histologiebefund bereits die Helferin / Sekretärin aufs Fax legen und an den Hausarzt schicken, unabhängig davon ob der Patient noch stationär oder schon entlassen oder gar "nur" ambulant gesehen wurde. So wie wir hier am Ort unsere Koronarangiographiebefunde mit Handlungsempfehlung stets direkt erhalten, sobald diese geschrieben sind !! Für die Klinik ist dieses Vorgehen jedenfalls ein lediglich minimaler Mehraufwand, der immer lohnt !! Denn so sind zuweisender Kardiologe, Hausarzt und Stationsarzt (bei stationären Patienten) stets sofort und zeitgleich optimal informiert bei geringstem Aufwand !

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