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"Nicht immer ist das Offensichtliche das Richtige"

Reportnummer:
879
Dieser Bericht wurde von einer Angehörigen / einem Angehörigen eingreicht.
Was ist passiert?
Patient mit Rückenschmerzen, Schmerzen im Bein (Schwellung).
Beim Internisten bekannt, fragte explizit, ob es nicht eine erneute Thrombose sein könnte, wird verneint. Wird zu FA Orthopädie geschickt. Beide weisen auf sein Gewichtsproblem hin...

Als akute Verschlechterung eintritt, geht der Patient wieder vertrauensvoll zum Internisten. Jetzt bereits leichte Luftnot: das dicke Bein wird gar nicht angesehen, Lungenfunktion gemacht- wieder zur FA Orthopädie.

Dieser schaltet zum Glück zumindest ein wenig und empfiehlt ohne Röntgen Rehasport und Vorstellung beim Chirurgen wegen des Beines.
Ab hier beginnt dann endlich eine adäquate Behandlung, der Rettungswagen wird geholt.
Was war das Ergebnis?
Übersehen wurden:
Vom Internisten: LAE, Thrombose
Vom Orthopäden: Metastasen gesamte Wirbelsäule, Becken (bereits fakturiert)
Zuvor beim Internisten: Lebermetastasen, Bronchial CA

Patient hatte sich vorher schon wegen Schwäche und Schwindel vorgestellt und wurde "durch gecheckt ". Bekannte KHK.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Adipöser Patient, immer wieder wird er nur zu mehr Bewegung gedrängt.
Bein wird vom Internisten gar nicht betrachtet.
Metastasen der BWS waren auf konventionellen Aufnahmen wie so oft nicht erkennbar. Thorax wurde gar nicht geröntgt. Weitergehende Diagnostik wurde nicht eingeleitet.
Antidepressiva wurden verordnet, da zuvor Verlust der Lebenspartnerin.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Anzeige hilft dem reduziert deutsch sprechenden Patienten nicht. Er wird das Urteil nicht erleben und hat genug Stress mit der Bürokratie und seiner Krankheit.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Ausbildung und Training, Kommunikation, Der beginnende Aszites wird als Adipös angemahnt
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
jährlich

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Manchmal ist es wichtig, über den ersten Gedanken hinweg zu sehen und zu überlegen, was hinter dem Offensichtlichen verborgen sein könnte.



Kommentare

Hilfe
07.06.2017
18:41:49
Ewin
Nachweis einer Thrombose ist etwas aufwändiger, der Ausschluss jedoch nicht.
Ein D-Dimere-Schnelltest kann in jeder Hausarztpraxis vorhanden sein, dauert 10 Minuten, wird von den MFA durchgeführt und ist abrechenbar. - Wenn negativ: Thrombose faktisch ausgeschlossen, wenn positiv: Weitere Diagnostik erforderlich.

Bei einem Patient mit einem metastasierten Karzinom und Thrombose wäre dieser Test in jedem Fall positiv gewesen und hätte somit einer weitere internistische Diagnostik initiiert.
14.02.2017
11:18:38
General Prac-
titioner
Interessant wäre zu wissen: Wie viel Zeit haben sich die untersuchenden Kollegen genommen bzw. nehmen können? Wie eingehend waren die körperlichen Untersuchungen? Wenn ja, welche?
Vermutung: Zeit für ein "mehr" an Anamnese, Zeit für ein "mehr" an körperlicher Untersuchung hätte helfen können. Aber: Wäre diese Zeit wirklich in dem konkreten Fall "drin" gewesen?
13.12.2016
13:17:54
3005
Schade, dass der Hausarzt (-Internist ?) das Bein nicht anschaute. Das zumindest kann bei Schmerzangabe nun doch auch ein Internist tun. Die Frage bleibt, wie die Schmerzangabe des Patienten in dessen Praxis war - hinterher sind wir ja alle immer klüger.

Eine Thromose kann nicht so ohne weiteres ausgeschlossen werden, da müsste schon ein Doppler gemacht werden.

Dass ein metastasiertes Bronchialkarzinom erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird, das ist allerdings nicht selten.

Eine Rö-Thoraxaufnahme erfordert nun doch auch eine Indikation, die über ein "ich fühle mich schwach" hinaus geht. Klar weiß auch ich, dass jeder nicht mehr so ganz junge Patient quasi bereits beim Betreten des Krankenhauses an der Pforte einen Rö-Thorax erhält. Über diese Maßnahme kann man streiten. Über weitergehende Diagnostik bei anhaltenden Rückenschmerzen und nachgewiesenen degenerativen Veränderungen der WS ebenso. Leider sind oben weder das Alter des Patienten noch die Dauer der Schmerzen aufgelistet. Gemäß den Richtlinie bei Rückenschmerzen warte ich immer erst ab, behandle und beginne erst bei ausbleibender Besserung eine weitere Diagnostik.

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