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"Rupturierte Extrauteringravidität"

Reportnummer:
883
Dieser Fall wurde von einer Ärztin/Arzt aus einem Krankenhaus berichtet.
Was ist passiert?
Eine Patientin, 24 Jahre alt, erscheint abends im Notdienst in der Notfallambulanz zusammen mit ihren Eltern. Sie berichtet über Unwohlsein und Magenschmerzen ohne Erbrechen oder Durchfall. Ihr sei den ganzen Tag schon schlecht. Keine andere Person in der Familie leidet an ähnlichen Symptomen.
Ich frage, ob sie schwanger sein könnte. Die Patientin nehme die Pille regelmäßig. Vorerkrankungen werden verneint. Ihre letzte Regelblutung sei ca. 3 Wochen her, ganz genau könne sie das jetzt nicht sagen. Ein Trauma ist nicht erinnerlich.
Ich untersuche das Abdomen. Außer ein leichter Druckschmerz im Epigastrium ist nichts zu finden. Im Labor zeigen sich unauffällige Werte für CRP und kleines Blutbild. RR ist 120/80. Der AZ ist gut.
Ich vermute eine Gastritis und will einen PPI verordnen.
Da sie die vorerst letzte Patientin in der NFA ist, niemand weiters angekündigt ist und ich noch Abdomensonographien für meine Ausbildung benötige, entscheide ich mich zur Durchführung dieser. Zu meinem Entsetzen sehe ich im Ultraschall viel freie Flüssigkeit im gesamten Bauchraum. Ich rufe umgehend den diensthabenden Chirurgen und übergebe meine Befunde (Labor, Sonobilder, Sonobefund) mit der Diagnose "Blutung im Bauchraum". Ich werde noch während der Übergabe von der ITS gerufen. Ich beende meine Übergabe und verlasse die NFA.
Was war das Ergebnis?
Für mich hatte es keine Folgen.
Aber: Ich hätte bei dieser Anamnese niemals an eine Blutung gedacht und den Gedanken an eine bestehende Schwangerschaft bereits verworfen. Die Diagnose war reiner Zufall und dem besonderen Umstand geschuldet, dass ich -sofern es die Zeit erlaubte- jeden Patienten mit Bauchbeschwerden sonographiert habe.
Die Patientin hatte letztlich eine rupturierte Extrauteringravidität.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Ich habe mich mit ungenauen/ungefähren Angaben zur letzten Regelblutung zu Frieden gegeben.
In der Folge erhebe ich routinemäßig eine Regelanamnese bei Patientinnen mit Bauchschmerzen, die nicht eindeutig einer Gastroenteritis zuzuordnen sind. Erschreckender Weise können häufig jedoch keine genauen Angaben gemacht werden.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Im Zweifelsfall immer ein Beta-HCG aus Blut oder Urin? Bei unbekannten Pat. immer eine orientierende Sonographie in Praxis oder Klinik anfordern?
Bei dem hohen Patientenaufkommen kaum machbar. Eine gute Strategie konnte ich für die Zukunft nicht daraus erarbeiten.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Patient, ,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen





Kommentare

Hilfe
09.01.2017
15:08:20
Barbara L.
Wirklich erschütternd, wobei ich hier auch keinen Fehjler bei Ihnen sehen kann. Die Konsequenz kann aber nicht die Submaximaldiagnostik sein. Ich, als ausschließlich ambulant im Kassenärztlichen Notdienst sowie im Rettungsdienst tätig, kann weder die von Ihnen bereits veranlasste Diagnostik wie CRP und Kleines Blutbild machen, und schon gar nicht eine Sonografie. Oft genug muss ich am Wochenende tagsüber zum Hausbesuch von Patienten, die zuvor das telefonisch angebotene Aufsuchen der Notdienstpraxis mit der meist guten apparativen Ausstattung abgelehnt haben. Wir können nicht alle so unauffälligen Bäuche wie hier in die ohnehin völlig überfüllten Notaufnahmen schicken, wo eine kreislaufstabile 24-jährige mit einem Abdomen ohne Abwehrspannung und ausschließlich leichtem epigastrischen Druckschmerz viele Stunden warten würde.
Anamnestisch ist hier m.E. alles wesentliche eruiert worden, ich hoffe auch dokumentiert.
Es gibt auch ein allgemeines Lebensrisiko.

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