Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen

 

 
Zum Druckdialog gelangen Sie auch
über die Tastenkombination "STRG" + P.

Fehlerbericht Hauptseite

"War der Hausarzt abgelenkt?"

Reportnummer:
892
Was ist passiert?
Männlicher Patient, Mitte 60, übergewichtig, stellt sich auf der internistischen Notaufnahme vor mit einer ganzen Handvoll Überweisungen zu verschiedenen Fachärzten wegen verschiedener Beschwerden.
Die Schwester sucht mir die Überweisungsdiagnose "div" heraus, weiterhin finde ich die Überweisung zum Orthopäden "V.a. Rotatorenmanschettenruptur rechts".

Vom Patienten als vordringlich angesehene Beschwerden: Rechte Schulter tut weh.
Bis vor wenigen Wochen Behandlung wegen Lungenentzündung und etwas weiter zurückliegend eine mir nicht mehr genau erinnerliche "Darmproblematik" mit Glukokortikoid-Stoßtherapie, die erst im Rahmen der Pneumonie endgültig ausgeschlichen wurde.

Im Röntgen-Thorax Restpneumonie linker Unterlappen, im Anschnitt freie Luft unter dem rechten Zwerchfell.
Die weitere Diagnostik ergab folgende Diagnosen:
- Restinfiltrate linker Unterlappen bei Z.n. Pneumonie
- Sigmaperforation nach Colitis und Glukokortikoid-Stoßtherapie
Was war das Ergebnis?
Notfallmäßige Laparotomie und Sigmaresektion
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Hausarzt hatte sich offenbar ablenken lassen durch "fordernden" Patienten mit bekannt multiplen Beschwerden an unterschiedlichen Lokalisationen und bekannter Rotatorenmanschettenproblematik.
Wenn der Patient mit seinen vielen Überweisungen nicht "zufällig" abends auf der Notaufnahme begonnen hätte, wäre eine längere Odyssee über diverse Fachärzte erfolgt und ggf. zwischenzeitlich die Peritonitis aufgrund der Perforation manifest geworden.
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Auch bei "offensichtlichen" und bekannten Beschwerden bei akuter Verschlimmerung gerade bei Risikoprofil auch an neue Erkrankungen oder Komplikationen der bisherigen Therapie denken.
Glukokortikoid-Stoßtherapien können Darmperforationen verursachen.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
-keine Daten-
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen





Kommentare

Hilfe
26.05.2018
19:50:13
3005
Auch ich habe Patienten, die telefonisch eine Überweisung bestellen wegen ....

Normalerweise stelle ich diese aus, sofern mir die Überweisung plausibel erscheint. Ein Überweisung "div." kenne ich aber nicht. Dagegen durchaus eine Überweisung "A.W.d.P" oder "auf Wunsch".

Kommt mir das Ansinnen komisch vor, dann bitte ich den Patienten herein, die Helferin weiß das und bereitet den Patienten schon entsprechend vor, sodass in der Regel keine langen Diskussionen mehr erforderlich werden ... Aber zumindest eine kurze beschwerdezentrierte Untersuchung.

Ob ich in diesem Fall hier allerdings besser ausgesehen hätte als der die/der betreffende Kollege/in, das wage ich zu bezweifeln ...

14.08.2017
13:44:23
Dr. Lutz
Aufgrund der oben genannten Schilderung war mein erster Gedanke, dass der Patient einfach Glück hatte. Ich bin als Hausärztin tätig. Wenn sich in meiner Sprechstunde ein Patient mit multiplen Beschwerden vorstellt, kann es durchaus vorkommen, dass ich mich dem vordringlichsten Problem widme. Wenn die rechte Schulter weh tut, dann kümmere ich mich zuerst um diese. Eine Untersuchung des Abdomens würde ich dann bei aktuell nicht bestehenden Beschwerden NICHT durchführen. Dass die schwerwiegende Komplikation der Darmperforation in der Röntgendiagnostik diagnostiziert wurde liegt an den diagnostischen Möglichkeiten des Krankenhauses. Dort wird bei Patienten (zurecht) meist Blut abgenommen und auch ein Rö-Tx durchgeführt. Maßnahmen, die akut bei einer Vorstellung in der Hausarztpraxis nur bei begründetem Verdacht (der eine entsprechende Klinik voraussetzt) durchgeführt werden.

Ihr Kommentar:


Name:
Kommentar: