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"Medikation bei TVT mit Lungenembolie"

Reportnummer:
894
Diesen Bericht erhielten wir von einer Facharztpraxis.
Was ist passiert?
Patientin eine Woche nach TVT mit Lungenembolie bittet bei der Hausärztin um ein Rezept für eine orale Antiokoagulation und erhält Clopidogrel. Die medizinisch geschulte Tochter fragt nach und erhält als Auskunft: "Damit habe ich gute Erfahrung."
Was war das Ergebnis?
Patienten sterben ohne adäquate, leitliniengemäße Antikoagulation
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Keine plausible Erklärung meinerseits möglich
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
1. Umstellung der Patientin auf ein NOAK
2. Tel. Info der Hausärztin
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Ausbildung und Training, Medikamente,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
jährlich

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Zum besseren Verständnis haben wir der/m Berichtenden eine Rückfrage gestellt, deren Antwort wir hier gerne noch nachtragen werden.

Der medizinisch geschulten Angehörigen fällt auf, dass einer Patientin zur oralen Antikoagulation bei Zustand nach TVT und Lungenembolie von der Hausärztin ein nicht Leitlinien-gerechtes Präparat verordnet wurde.
Die Verordnung durch ein NOAK erfolgt durch einen anderen Facharzt, der telefonischen Kontakt zur Hausärztin aufnimmt.

Wie verfahren Sie, wenn Sie feststellen, dass einem Patienten durch einen Kollegen, wie in dem beschriebenen Fall, ein Medikament verordnet wird, für das es keine Empfehlung durch eine Leitlinie gibt bzw. für das keine Evidenz vorliegt?
Suchen Sie den persönlichen Kontakt?



Kommentare

Hilfe
26.05.2018
19:38:23
3005
Lieber "Praktiker"

das was Sie schreiben ist nicht medizinisch sinnvoll. 1 Woche nach TVT mit LUNGENEMBOLIE (so die Angaben der Krankengeschichte) ist eine Antikoagulation IN JEDEM FALL indiziert. Ob mit NOAK oder einem Coumarinderivat ist sekundär und Geschmacksache. Auch ich bevorzuge Phenprocoumon.

Nun ja, Clopidogrel ist jedenfalls trotz "guter Erfahrung der Patientin" mit einer zusätzlichen oralen Antikoagulation allenfalls in seltenen (kardiologisch zu entscheidenden) Ausnahmen medizinisch sinnvoll und muss sehr wohl überlegt werden. Ein Rücksprache mit dem das NOAK verordnenden Kollegen ist meines Erachtens jedenfalls unerläßlich.
05.12.2017
13:38:47
Praktiker
Die Entscheidung der Kollegin war dennoch richtig. Die NOAK sind nicht für alle Patientengruppen gleichermaßen geeignet und auch sollten die Leitlinien die ärztlichen Entscheidungsfindung nicht vorwegnehmen. Die NOAK haben zwar deutliche Vorteile gegenüber Macumar, etc. Aber die häufigen Komplikationen sind ambulant kaum beherrschbar. Bei sehr hochbetagten Patienten verordne ich die NOAK nur sehr zurückhaltend. ASS ist dann meistens die schonendere Alternative.

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