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"Aneurysma nicht erkannt"

Reportnummer:
906
Dieser Bericht erreichte uns von einem/einer Angehörigen.
Was ist passiert?
Patient (20 Jahre) klagt über unerträgliche Kopfschmerzen begleitet von Übelkeit. Mutter fährt mit ihm ins Krankenhaus. Er wird nicht zur Notaufnahme des Krankenhauses, sondern zum Wartebereich des ÄBD (befindet sich auch im KH) geschickt. Der Arzt fragt kurz nach den Beschwerden, diese werden wie folgt geschildert: unerträgliche Kopfschmerzen, Übelkeit, kann sich kaum noch auf den Beinen halten und den Kopf kaum noch bewegen. Die Mutter fragt noch ob es sich evtl. um eine Stirnhöhlenvereiterung handelt, da sie sich die starken Schmerzen nicht anders erklären kann. Der Arzt schaut in Ohren und Mund, nimmt den Kopf in beide Hände und bewegt diesen hin und her und sagt "ist keine Stirnhöhlenvereiterung, das ist eine Migräne" und stellt ein Rezept über Novalgin aus.
Was war das Ergebnis?
Der Patient starb später an den Folgen einer Hirnblutung (ruptiertes Aneurysma)
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
-keine Daten-
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
-keine Daten-
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Ausbildung und Training, Organisation,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
-keine Daten-

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Bei dieser Schilderung stellt sich die Frage, wie in der ärztlichen Tätigkeit gewährleistet werden kann, dass solch schwere Verläufe nicht passieren.



Kommentare

Hilfe
26.05.2018
18:46:41
3005
Ähnliche Erfahrungen mußte ich in meiner jetzt über 30 Jahre dauernden Tätigkeit als Arzt auch machen.

Mit Sicherheit ausschließen kann man derartige Fehler nie.

Die Diagnose einer Migräne ist jedoch nicht ausreichend sicher bei fehlenden früheren Kopfschmerzen. Auch bei V.a. Migräne ist bei erstmaligen heftigen Kopfschmerzen in jedem Fall eine Bildgebung erforderlich. Erst danach kann man "die Diagnose einer Migräne als ausreichend gesichert weiterhin annehmen".

Mit dieser bzw. ähnlicher Anamnese hatte ich leider in 30 Jahren schon mehrere Hirntumoren und mehrere Hirnblutungen in der Allgemeinarztpraxis gesehen und zum Glück stets einer schnellen und zielführenden Diagnostik zugeführt. Der Verlauf war dennoch leider nicht immer "glücklich".

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