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"Erstversorgung von kardialem Notfall in Praxis"

Reportnummer:
968
Dieser Bericht erreichte uns von einem Notarzt/einer Notärztin.
Was ist passiert?
Rettungsdienst und NEF werden in Hausarztpraxis gerufen wegen akuter, stärkster retrosternaler Schmerzen (NAS Ruhe 8) bei ca. 70-jährigen Patienten im Sinne instabile AP (vor wenigen Tagen neu aufgetretene, retrosternale Schmerzen, progredient in Frequenz und Intensität, belastungsunabhängig)

Oben genannte Symptomatik hat Patient in Hausarztpraxis geführt, dort ist Patient bekannt.

Hausmedikation: keine
Allergien: nein

Beim Eintreffen NEF: Pat. wach, Atemweg frei, Tachypnoe, flache Atmung, Sp02 97%, Pulmo ausk. opB, Extr. rosig, Pulsstatus unauffällig, keine obere Einflusstauung, leichte Hypertonie (140/90mmHg), EKG 12-Kanal soweit unauffällig, Pat. aufgeregt und ängstlich, orientiert, HNS opB, PNS bei bek. inkompl. Querschnittslähmung ansonsten unauffällig (so), BZ und Temp im Normbereich

Patient hat in der Hausarztpraxis folgende Maßnahmen erfahren:
- Anamnese
- 12-Kanal-EKG
- Anlage Flexüle Unterarm
Was war das Ergebnis?
Keine erweiterte Untersuchung und Anamnese (weitgehend durch Notärztin/Notarzt erfragt) erfolgt, u.a.
- kein Pulsstatus, keine Auslösbarkeit des Schmerzes abgefragt, keine Untersuchung auf obere Einflussstauung, TVT, kein Sono/ TTE (obwohl in Praxis vorhanden)

vor allem aber keine Basistherapie eingeleitet bei ACS / mgl NSTEMI
- keine Symtomlinderung/ Schmerztherapie
- kein Nitro sl
- kein ASS iv
- kein Heparin iv
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
Objektive Gründe:
Auf Nachfrage, warum der Patient noch keine Therapie erhalten habe, gibt die Ärztin / der Arzt an, entsprechende Medikamente nicht zu haben (keine Schmerzmedikamente, kein Nitro, kein ASS, kein Heparin)

Subjektive/vermutete Gründe:
Ärztin / Arzt wirkt sehr unsicher, scheint Ablauf Diagnostik und Therapie ACS/NSTEMI/STEMI nicht zu kennen, Rettungsdienstpersonal berichtet Notarzt, ähnliche Situationen seien schon in der Vergangenheit vorgekommen
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Frage:
Welche Grundversorgung bzw. Grundwissen muss ein/e Allgemeinarzt/in bei Notfällen leisten (hier Leitlinie Erstversorgung ACS/NSTEMI/STEMI kennen)?

Welche Grundausstattung muss er/sie in der Praxis zu Verfügung stellen können (hier: Medikamente)?

Welche Maßnahmen kann die Notärztin / der Notarzt sinnvoll einleiten, dass sich solche Situationen ändern und Patienten besser anbehandelt werden?
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
-keine Daten-
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
-keine Daten-

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Der Kollege oder die Kollegin wird zu einem kardialen Notfall in der Praxis dazugerufen und hält die bisherigen Maßnahmen für nicht ausreichend.
Wie gehen Sie mit Notfällen in der Praxis um? Haben Sie dafür Standards etabliert?



Kommentare

Hilfe
15.01.2021
11:51:37
Liebes Praxisteam,
im Rahmen unseres Seminars "Sicherheitskultur" im Medizinstudium sind wir auf ihren Fall aufmerksam geworden.
Wir finden dass Sie und ihre Praxis richtig gehandelt hat, haben uns allerdings Gedanken über mögliche Verbesserungen gemacht.
Verwundert hatten uns die fehlenden Medikamente zur Schmerzbehandlung sowie der einleitenden Therapie (ASS, Heparin, Nitro).
Auch eine regelmäßige Auseinandersetzung mit den aktuellen ärztlichen Leitlinien im kardialen Notfall empfiehlt sich.

Ansonsten sind mit dem Schreiben eines 12-Kanal-EKGs sowie das Legen eines venösen Zugangs aus unsere Sicht die richtigen Schritte bei der Versorgung eines kardialen Notfalls und Alarmierung des Rettungsdienstes eingeleitet worden.
15.01.2021
11:48:53
E.G
Im Rahmen des Wahlfachs "Sicherheitskultur in der Medizin" im 3. vorklinischen Semester des Medizinstudiums habe ich mich mit dieser Fehlermeldung auseinander gesetzt.

Aus früherer RD-Erfahrung bin ich der Meinung, dass der HA nicht viel mehr hätte tun können. Ein 12-Kanal-EKG und eine gelegte Braunüle ist schon purer Luxus für die RD-Mitarbeiter. In o.g. Beispiel wäre eine eingeleitet Schmerztherapie das Einzige was ich weiterführend als sinnvoll erachten würde, jedoch ist die Frage nach wie vielen Minuten das NEF vor Ort war.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass zumindest in einem Notfallkoffer die benötigten Medis vorhanden sein sollten und auch der HA im schlimmsten Fall mehr als nur Erstversorgung leisten können sollte.
Sollte tatsächlich fehlendes Wissen des HA Grund für den "Fehler" sein, wäre eine Praxisschulung zum Verhalten in Notfällen angemessen.
30.12.2020
20:39:33
OJ
Ich soll mal erwähnen, dass die NEF/RTW durch die Stadt/Autobahn/Landstraßen unter Vollgas und hohen Unfall-Risiko fahren müssen, um wie schnell wie möglich den Patient zu treffen, aber hier gibt es manche Ärzte, die ?i.v. Zugang und EKG? als sehr luxurious finden. Ich bin sehr oft als NA unterwegs und ähnliche Situationen kommen sehr häufig vor. Eine voll Diagnostik müsste nicht durchgeführt werden, aber Ein Therapie-Beginn wäre kein Luxus! Auch wenn es zwei Minuten früher begonnen wurde.
18.11.2020
21:14:33
Infos fehlen
Zunächst erstmal: Danke für den Fall
1. Mir ist nicht klar, wie lange die Anfahrtszeit des Notarztes ist. Dieses ist m.E. auch ein ausschlaggebender Faktor, für die folgenden Schritte in einer Hausarztpraxis.
Ich habe eine Praxis im Ort, nach max. 6-8 Minuten ist der RD inklusive NA Vor-Ort. Da habe ich das EKG gesehen, den Patienten untersucht und Zugang gelegt ect.

Sollte meine Praxis auf dem tiefsten Land sein, (25-30 Minuten Anfahrt) kann ich gerne die oben genannten Medis verabreichen und noch zusätzlich die psychosomatischen Stressoren herausarbeiten, die den Infarkt verursacht haben könnten. Alles eine Frage der Zeit...
05.11.2020
09:41:59
RR
Bin selbst seit 20 Hausarzt und seit 25 Jahren Notarzt und nach wie vor regelmäßig im rettungsdienst is als LNA und in der Ausbildung tätig.
Der Kollege hat sich professionell verhalten.
Die Diagnose ist richtig, der Rettungsdienst wurde informiert
Es ist ein Notarzt angefordert worden
Ekg ist gelaufen und , und das ist mehr als in 90% der Hausarztpraxen an zu treffen ist , ein Zugang liegt !!!!
Alles gut Herr Kollege, man darf nie ambulante und stationäre Diagnostik und Therapie verwechseln, und in einer Hausarztpraxis gibts auch mehr als nur einen Patienten, der vom Arzt versorgt werden muss
04.11.2020
17:37:45
Muselmann
Ich denke, dass die Kollegin/ der Kollege vieles richtig gemacht hat: EKG ist fertig, Zugang liegt, Notarzt ist da.
Schön wäre natürlich noch ein TROP Test gewesen. Wir haben früher gerne noch eine loading dose Clopidogrel gegeben, machen wir aber nicht mehr, da die Kardiologen je nach Situation mit Ticagrelor oder Prasugrel hantieren.
Wir machen es so, dass der Zugang liegt, das EKG fertig ist/plus Ausdruck, Heparin und Aspisol sich im Patienten befinden, die EW und der TP fertig ist und das Krankenhaus informiert ist, aber manchmal ist der NA schon da, wenn wir noch mitten in der Arbeit stecken. Da hat aber noch nie einer gemeckert. Sind wir nicht alle Kollegen und sitzen alle im gleichen Boot?
18.08.2020
17:01:37
M.E. sollte eine hausärztliche Praxis Medikamente, welche für eine Notfallbehandlung erforderlich sind, vorhalten (und auch regelmässig auf Vollständigkeit und Ablauf zu überprüfen).
Ich halte es so, dass bei ähnlich gelagerten Fällen wie o.g., nach Erstellen der Anamnese und Verdachtsdiagn. mind. 2 MFA zur Unterstützung kommen. Eine bleibt konsequent bei d. Pat. (EKG, SaO2, Venülenfixierung, Pat.-Beruhigung etc.) d. andere aktiviert den Rttgs.dienst, besorgt ggf. noch notwendige Medik./Infus., informiert die weiteren Pat. über Verzögerungen, druckt d. Einweisung aus. Darauf notiere ich dann noch die erhobenen Vitalwerte und appliz. Medik. Der Pat. bleibt bis zur Übergabe an den NA am Ekg. Wenn d. V.a. ACS wie bei o.g. Symptomatik besteht, sehe ich ebenfalls keinen Anlass für ein Sono/TTE!
05.03.2020
19:54:09
3005
Asipirin iv. ist bei mir vorhanden.
Nitrolingual-Spray ebenso.
Heparin nicht - ist dies inzwischen auch schon Standard ?
Analgesie mit Morphin + Sedierung mit Diazepam ist auch vorhanden

Ok - Wer macht eine TTE in der Praxis ? Ich nicht. Sono bei Infarkt halte ich für Zeitverschwendung. Bei uns ist der Notarzt oft da, bevor ich die Kanüle fertig gelegt habe, meist haben wir das Aspisol und die Infusion gerade injektionsfertig.

Und ja - etwas enttäuschend finde ich diese geschilderte "Versorgung" schon auch. Schließlich kenne ich diese Patienten meistens auch um einiges besser als dier Notarzt.
19.02.2020
13:44:05
Uhu
Wow, warum so aggressiv? Schade für das Forum.
02.02.2020
07:55:51
Ohman
Typisches Rettungsdienstgelaber. Eine Hausarztpraxis ist keine Notaufnahme und hat gänzlich andere Aufgaben.

Notfall erkennen und lebensrettende Sofortmaßnahmen sind genau das, was man erwarten kann und sollte. Für alles andere ist der Rettungsdienst da, der nach 10 Minuten vor der Tür steht. Genau welchen Sinn hätte eine doppelte Anamnese?

Und wer bei Brustschmerzen in der Notfallversorgung ein TTE oder gar einen TVT-Ausschluss fordert, der scheint selbst großen Nachholbedarf in Notfallmedizin zu haben.

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