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"Unnötige Auffrischung der Impfung"

Reportnummer:
975
Was ist passiert?
In Zeiten der Covid-19-Krise wird die Pneumokokken-Impfung wieder besonders empfohlen. Leider ist der Impfstoff Pneumovax nicht immer verfügbar. Patienten, die nach dem Impfstoff gefragt haben, stehen bei uns auf einer Liste.
Als wir von der Apotheke wieder einmal ein paar Dosen bekamen, wurde unter anderem auch ein Privatpatient angerufen.
Meine MFA erreichte nur die Ehefrau und bat darum, dem Patienten auszurichten, das der Impfstoff vorhanden sei.
Eine andere MFA entdeckte in dem Moment, als die Kollegin das Gespräch beendete, dass der Patient vor vier Jahren bereits geimpft worden war.
Daraufhin wurde der Patient erneut angerufen, um ihm mitzuteilen, dass die Impfung noch nicht notwendig sei.
Diesmal war die Tochter am Apparat. Diese teilte mit, der Patient sei am Vortag von einer Kollegin gegen Pneumokokken geimpft worden, die Impfung vor vier Jahren sei von unserer Praxis nicht dokumentiert worden. Da wir uns das nicht vorstellen konnten, weil in meiner Praxis seit Jahren niemand ohne Impfpass geimpft wird, baten wir um Vorlage des Impfpasses.
Die Tochter meldete sich daraufhin kleinlaut noch einmal und bestätigte die Impfung vor vier Jahren.
Was war das Ergebnis?
1. Folge für den Patienten: eine unnötige Auffrischung, weil erst nach 6 Jahren erforderlich. Es könnte sein, dass die PKV die Impfung nicht erstattet.
2. Folge für die Tochter: Gesichtsverlust
3. Folge für meine MFA"s: fühlten sich zu unrecht beschuldigt
4. Folge für die Praxis: Bevor Patienten auf die Impfliste kommen, wird kontrolliert, ob die Impfung fällig ist. Mit dem Patienten wird besprochen, ob eine Auffrischung notwendig ist.
5. Folge für die andere Praxis: Eine Impfdosis wurde verschwendet, weil nicht indiziert. Wenn Patient und Angehörige die Geschichte weitererzählen, könnte der Ruf beschädigt werden.
Mögliche Gründe, die zu dem Ereignis geführt haben können?
1. Unqualifizierte Bewerbung der Pneumokokken-Impfung im Rahmen der Covid-19-Krise. Ähnlich war eine Werbeaktion im Rahmen der Influenzasaison 2017/18. Auch damals war der Impfstoff schnell nicht mehr verfügbar. Von den damals auf die Liste gesetzten Patienten wollten sich viele nach der Influenzasaison nicht mehr impfen lassen...
2. Kommunikation über Dritte
3. "Corona-Panik"
Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieses Ereignisses getroffen oder planen Sie zu ergreifen?
Bevor Patienten auf die Impfliste kommen, wird kontrolliert, ob die Impfung überhaupt fällig ist. Mit dem Patienten wird besprochen, ob eine Auffrischung notwendig ist.
Ich überlege, ob ich die Kollegin auf ihren Fehler aufmerksam machen soll.
Welche Faktoren trugen Ihrer Meinung nach zu dem Fehler bei?
Kommunikation, übereifrige Angehörige,
Wie häufig tritt dieser Fehler ungefähr auf?
erstmalig

Zusätzliche Informationen



Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Diese Praxis hat das berichtete Ereignis bereits analysiert und folgende Maßnahmen bei der "Auffrischung von Impfungen" abgeleitet.

- Bevor Patienten auf die Impfliste kommen, wird kontrolliert, ob die Impfung überhaupt fällig ist.
- Mit dem Patienten wird besprochen, ob eine Auffrischung notwendig ist.

Wie handhaben Sie in Ihrer Praxis wiederkehrende Impfungen?



Kommentare

Hilfe
17.09.2020
21:23:50
3005
Das ist der Vorteil eines Privatpatienten: Er kann überall hin gehen und keiner bemerkt, dass er zu früh geimpft wurde. (Diesen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen) ...

Alle meine Mitarbeiterinnen sind im Impfen geschult. Jede kennt die Impfabstände. Außerdem haben wir mehrere "Impf-Spickzettel" griffbereit neben dem Kühlschrank hängen - dort kann jede Mitarbeiterin aber auch ich die korrekten Impfabstände nachsehen. Im Zweifel wird beim Chef nachgefragt. Und dafür gibt es immer Lob und nie Gemecker. Auch dann, wenn die MfA das eigentlich gewußt hat und sich bei mir "nur" rückversichert hat.

Nun ja, VOR jeder Impfung muss in den Impfpass geschaut werden. Diese sind leider oft sehr unübersichtlich und so kam es auch bei mir schon vor, dass ich zum Patienten sagte eine Impfung XYZ fehlt und er mich korrigiert, ich noch einmal nachsah und sie dann fand.

Nicht im Impfpass nachsehen ist ein (zum Glück hier nicht ganz so schlimmer) Kunstfehler, diesen würde ich ganz sicher zum Kollegen kommunizieren.

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