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Zusätzliche Informationen

"Diagnostellung drei Jahre verzögert"

Reportnummer:
958
Altersklasse
-keine Daten-
Fehlertyp
-keine Daten-
Diagnose
-keine Daten-
Medikamentengruppe
-keine Daten-
Schweregrad
-keine Daten-

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Kommentar des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin

Glücklicherweise laufen die meisten kritischen Ereignisse und Fehler in der Hausarztpraxis glimpflich ab - Patientenschäden sind eher die Ausnahme als die Regel. In diesem Fall hat das Ereignis die Patientin doch erreicht: drei Jahre verspätet wurde die richtige Diagnose gestellt, mit nun palliativer Situation.
Der oder die Berichtende macht sich offensichtlich Vorwürfe, den verdächtigen Befund nicht ausreichend wahrgenommen zu haben.
Unabhängig davon, was vielleicht die Rolle der onkologischen Praxis in dem Prozess hätte sein können - eine palliative Situation bei einem jungen Patienten ist bestürzend, auch für den oder die Behandelnden.
Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?



Kommentare

Hilfe
05.03.2020
20:02:53
3005
Ich zitiere:

"... u.a. zum Ausschluß einer Tumorerkrankung an einen Onkologen überwiesen. Ein Ganzkörper-CT wurde veranlasst. Der Befund ging nachrichtlich an mich ..."

Ja, der CT-Befund wurde vom Hausarzt nicht in allen Deteils wahrgenommen. Weshalb auch immer.
Ja, der Onkologe (!!) wurde eingeschaltet, er hat den Befund scheinbar ebenfalls "abgelegt" und nie mit der Patientin besrpochen ?

Hm - im Falle einer Klage haben ganz sicher beide schlechte Karten. Nach meiner Erfahrung mit zwei (zum Glück weniger tragischen) ähnlich gelagerten Fällen.

Meine Vorgehensweise ist ähnlich der wie vom Kollegen geschildert. Und auch ich verfolge die mir suspekt erscheinenden Befunde aktiv. Leider ist auch das manchmal nicht sicher genug.

Eine Abhilfe kenne ich keine.
20.02.2020
19:22:36
ELu
Auch ich bin hausärztlich tätig. Der geschilderte Fall stellt ein tragisches Einzelschicksal dar, vor dessen vergleichbarem Eintreten es mir graut.
Der Kollege schildert unser tägliches Dilemma, aus der Masse der Befunde alle wichtigen Details zu erfassen. Es ist nicht zu vermeiden, dass einem manchmal ein wichtiger Baustein entgeht. Zumal ich bei o.g. Schilderung als erstes feststellen muss: SD-Knoten sind ein sehr häufiger Nebenbefund. Wies der Knoten damals schon eindeutig maligne Kennzeichen auf? Wenn ja hätte der untersuchende Radiologe sicher klar in der Befundbesprechung darauf hingewiesen. Und vergrößerte LK: ist da nicht auch ein viraler Infekt als Ursache sehr wahrscheinlich? Zumal das unklare Fieber dann ja auch wieder verschwand. Es gab also keinen Grund, das Symptom weiter zu verfolgen.
Auch in sehr viel weniger dramatischen Fällen ist man rückblickend schlauer, will sagen, man würde manches anders machen/gewichten/..., wenn man sich nochmals in der Ausgangsposition befände, oder?
Um auf die obige Frage einzugehen: in dem geschilderten Fall fände ich eine weitere hausärztliche Betreuung extrem schwierig, das schlechte Gewissen wäre immer an meiner Seite. Aber wenn die Patientin trotz der Vorgeschichte weiter die hausärztliche Betreuung durch mich wünschen würde, würde ich sie natürlich auch auf ihrem weiteren Weg begleiten und es ginge mir sicher oft nicht gut dabei.

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